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Rindergrippe

Die Tierärztin sagt…

„Rechtzeitig erkannt, ist die Rindergrippe effektiv zu behandeln. Doch leider werde ich  meist erst dann gerufen, wenn schon fast alle Kälber einer Gruppe richtig krank sind. Das kann für den Landwirt richtig teuer werden. Denn nicht nur Behandlungskosten schlagen zu Buche, sondern auch Leistungseinbußen und Tierverluste sind ab diesem Zustand nicht mehr auszuschließen. Die Sterblichkeit liegt bei unbehandelten Tieren bei 35%, bei rechtzeitig behandelten dagegen bei 5%. Auf den Betrieb abgestimmte Impfprogramme und viel frische Luft können das Risiko für das Entstehen der Rindergrippe minimieren.“

Druckversion Grippe

Das fragt die Landwirtin…

Symptome: Woran erkennt man Rindergrippe frühzeitig?

Frühzeitige Diagnose und Therapie sind die besten MIttel gegen Grippe

Frühzeitige Diagnose und Therapie sind die besten Mittel gegen Grippe

  • Fieber über 39,5 Grad
  • Husten
  • Sichtbare, beschleunigte Atmung
  • Klarer Nasen-/Augenausfluss
  • Hängender Kopf
  • Absonderung von der Herde
Zusätzlich bei verschleppten Fällen:
  • eitriger Nasenausfluss
  • Tränke/Futteraufnahmeverweigerung
  • Schwere Atemnot (breitbeiniges Stehen, Kopf und Hals gestreckt)

 

Bleibende Lungenschäden sind bei dieser fortgeschrittenen Symptomatik nicht mehr zu verhindern, zusätzlich können Gelenke und Sehnenscheiden entzündlich anschwellen (Polyarthritis).

Fieber messen

Fieber ist ein erstes Symptome der Grippe.

Fieber ist ein erstes Symptome der Grippe.

Die wirksamste Maßnahme in der Früherkennung der Rindergrippe ist das regelmäßige Fiebermessen. Bei Zukaufkälbern sollte innerhalb der ersten zwei Wochen nach Neueinstallung täglich bei einer Auswahl von Tieren gemessen werden, in der Aufzucht dann, wenn erste Kälber verdächtig erscheinen. Sobald die ersten Tiere mit Fieber (über 39,5 Grad C) erkannt werden: Tierarzt /-ärztin hinzuziehen und Behandlung beginnen.

Rindergrippe wird oft im Zusammenhang mit folgenden Aspekten berichtet:

  • Überbelegung
    In überbelegten, unsauberen Ställen breitet sich die Grippe sehr schnell aus.

    In überbelegten, unsauberen Ställen
    breitet sich die Grippe sehr schnell aus.

  • Haltung auf feucht-kalten Liegeflächen, Zugluft
  • Schlechte Stallluft (hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Schadgaskonzentration, schlechte Boxenhygiene)
  • Wetterveränderungen (Herbst/Winter)
  • Wechsel zwischen Außenklimabedingungen und Warmstall während der Aufzucht
  • Stressfaktoren (unzureichende Biestmilchversorgung, Transport, Enthornen, Zukauf: geschwächtes Immunsystem und zusätzlich neues Erregerspektrum)
  • Verschiedene Altersgruppen mit unterschiedlich ausgeprägter Immunabwehr in einem Stall

Verlauf: Warum sind Kälber so anfällig gegenüber Atemwegserkrankungen?

  • Vor allem Kälber, Jungrinder und Mastbullen sind betroffen, aber auch Kühe können grippekrank werden
  • Bei Rindern ist die Lunge im Verhältnis zum Tierkörper relativ klein und der anatomische Aufbau begünstigt das Haften von Infektionserregern: hohe Anfälligkeit gegenüber Atemwegserkrankungen
  • Bei Kälbern ist die Lunge zunächst noch unreif und erreicht erst mit einem Jahr  ihre volle Funktionstüchtigkeit.
  • Für die Entstehung der Rindergrippe müssen mehrere Faktoren zusammentreffen: das Vorhandensein von Krankheitserregern reicht in der Regel nicht aus, um ein gesundes Kalb krank werden zu  lassen. Häufig ist die körpereigene Abwehr durch Stressfaktoren geschwächt.
  • Virale oder Schadgas-bedingte Schädigungen der Schleimhautzellen der oberen Atemwege ermöglichen es Bakterien, in tiefere Lungenbereiche vorzudringen.
  • Eine zu späte oder unzureichende Behandlung führt durch überschießende Entzündungsreaktionen oft zu bleibenden Lungenschäden: dadurch wird die Atmung und infolgedessen die Leistungsfähigkeit ein Leben lang beeinträchtigt.

Diagnose: Wie werden die Erreger identifiziert?

Nasentupfer sind unter Praxisbedingungen einfach anzuwenden.

Nasentupfer sind unter Praxisbedingungen
einfach anzuwenden.

  • Tupferproben aus der Nase für den direkten Erregernachweis. Diese einfache diagnostische Methode ist vor allem für die Auswahl des passenden Impfprogrammes (gegen Viren) bzw. des Antibiotikums (gegen Bakterien) nötig. Nachteilig ist, dass auch Erreger aus den oberen Atemwegen  (Nase) nachgewiesen werden, die nichts mit dem Entzündungsgeschehen in der Lunge zu tun haben.
  • Trachealschleim- oder Bronchotrachealspülproben: für den Nachweis von Viren, Bakterien und Parasiten direkt aus den tieferen Atemwegen. Die Entnahme ist aufwendiger als die Nasentupferprobe und mit einer Sedation verbunden.
  • Sektion: beim toten Kalb/Rind werden die Lungenveränderungen untersucht

Bei der Rindergrippe handelt es sich um eine Faktorenkrankheit. Das heißt, dass ein Erreger für sich allein meist noch keine schwerwiegende Erkrankung auslöst, sondern die Entwicklung eines Krankheitsgeschehens von den Begleitumständen abhängt (z.B. Klima, Haltung, weitere Infektionen). Einige Erreger der Rindergrippe können auch bei gesunden Tieren nachgewiesen werden.

Häufig vorkommende Erreger:

 

Viren
  • Bovines Respiratory Syncytial Virus (BRSV)
  • Parainfluenza Typ 3 (PI3)
  • Bovines Herpes Virus 1 (BHV-1)
  • Bovines Virus-Diarrhoe Virus (BVDV)
  • Bovines Coronavirus (BCV)

Viren sind allein für sich oft nicht krank machend (Ausnahmen möglich, z.B. BRSV), sondern setzen die körpereigene Abwehr herab und sind Wegbereiter für bakterielle Zweitinfektionen (zu erkennen am eitrigen Nasenausfluss).

 

Bakterien
  • Pasteurella multocida
  • Mannheimia haemolytica
  • Streptokokken
  • Haemophilus somnus
  • Mykoplasma bovis
  • Chlamydien
  • Trueperella pyogenes

Pasteurellen haben eine wichtige Bedeutung. Vor allem die Pasteurellenart Mannheimia haemolytica führt zu  schweren Lungenschäden. Durch die Bildung von Giftstoffen (Leukotoxin) werden die Abwehrzellen zerstört.

Therapie: Wann und wie wird behandelt?

Antibiotika

Die Therapie der Rindergrippe besteht im Einsatz von Antibiotika zusammen mit schleimlösenden Medikamenten und Entzündungshemmern. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, sie haben keine Wirkung auf Viren. Antibiotika sollen eine bakterielle Zweitinfektion vorbeugen und weitere Komplikationen im Krankheitsverlauf verhindern. Nach zwei Tagen soll eine Besserung der Krankheitssymptome sichtbar sein, auch wenn eine Lungenentzündung dann noch nicht komplett ausgeheilt ist. Andernfalls muss das Antibiotikum gewechselt werden. In einem solchen Fall ist es von Vorteil, wenn der Tierarzt bereits vor der ersten Behandlung ein Antibiogramm angelegt hat. Dieses gibt Aufschluss darüber, welches Antibiotikum in diesem Fall für den jeweiligen Bestand wirksam ist.

Antibiotische Therapien können nur dann erfolgreich sein, wenn nachfolgende Leitsätze eingehalten werden:
Kälber, die nicht mehr saufen, brauchen eine antibiotische Therapie

Kälber, die nicht mehr saufen,
brauchen eine antibiotische Therapie

  • Sind in einer Gruppe mehrere Tiere erkrankt, müssen auch die vermeintlich gesunden mitbehandelt werden. Ein praxisübliches Vorgehen ist die antibiotische Therapie der gesamten Gruppe über die Tränkemilch oder das Futter. Tiere, die deutliche Krankheitssymptome zeigen und wenig Milch aufnehmen, sollten das Antibiotikum per Injektion erhalten.
  • Eine antibiotische Behandlung sollte über mindestens 7 Tage wirksam sein.
  • Wenn das Tier fieberfrei ist, sollte noch zwei Tage weiterbehandelt werden.
  • Die Dosierungsangaben des Herstellers dürfen nicht unterschritten werden.
  • Die Zeit bis zur nächsten Anwendung (Dosierungsintervall) muss eingehalten werden.
Schleimlöser und Entzündungshemmer

Durch schleimlösende Medikamente (mit dem Wirkstoff Bromhexin) kann die antibiotische Therapie sinnvoll ergänzt werden. Durch die Anwendung wird vermehrt flüssiger Schleim in der Lunge gebildet. Dadurch gelangen eingesetzte Antibiotika (und auch körpereigene Abwehrzellen) schneller und in höherer Menge in die Lunge. Die Anwendung erfolgt täglich bis zur Besserung des Krankheitsbildes.

Insbesondere bei schwer kranken Kälbern kann die Anwendung von Entzündungshemmern das Wohlbefinden der Tiere deutlich verbessern. Das Fieber sinkt und die Tiere beginnen wieder zu saufen. Überschiessende Entzündungsreaktionen, die mitverantwortlich für bleibende Lungenschäden sind, werden deutlich reduziert. Meist ist bereits eine einmalige Anwendung ausreichend.

Diagnose- und Therapieplan Rindergrippe

Grad

Symptome

Therapie erkrankter Kälber

1

Leicht erhöhte Körpertemperatur (39,5 Grad Celsius), ungestörtes Allgemeinbefinden, säuft gut
Orale Therapie:
Antibiotisches Pulver in die Milch oder über das Futter (gilt auch für alle gesund erscheinenden Tiere einer Gruppe, in der bereits mehrere Tiere erkrankt sind)

2

Erhöhte Atemfrequenz, Fieber über 40 Grad Celsius, Allgemeinbefinden gestört, säuft schlecht
Systemische Therapie:
Injektion von Antibiotika und Entzündungshemmern

3

Fieber, Atemfrequenz erhöht, Husten, eitriger Nasenausfluss, säuft schlecht
Systemische Therapie:
Injektion von Antibiotika, Entzündungshemmern, Schleimlösern

4

Atemnot, wiederholte Krankheitsschübe, blaue Schleimhäute, säuft nicht (unheilbar krank)
Einschläfern

 

Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Injektionsantibiotika zur Therapie der Rindergrippe

 

Wirkstoff Produktname(n)
(kein Anspruch auf Vollständigkeit)
Häufigkeit der Anwendung
(weitere Infos sh. Produktinformation)
Amoxcillin Amoxicillin, Amoxisel, Aulicin, Belamox, Duphamox 1x täglich, 3-5 Tage
Duphamox LA, Hostamox, Vetromoxin LA 2 x im Abstand von 48 Std.
Amoxicillin,
Clavulansäure
Synulox RTU 1x täglich, 3-5 Tage
Cefquinom Cobactan 2,5% 1x täglich, 3-5 Tage
Cobactan LA 7,5% 2 x im Abstand von 48 Std.
Ceftiofur Excenel RTU, Cefenil, Ceftiocyl, Ceftiosan, Cemay,
Cevaxel, Eficur, Readycef, Truleva
1x täglich, 3-5 Tage
Danofloxacin Advocid 180 mg 1-2 x im Abstand von 48 Std.
Advocid 2,5% 1x täglich, 3-5 Tage
Difloxacin Dicural 1x täglich, 3-5 Tage
Enrofloxacin Baytril, Doraflox, Enro-Seecol, Enrofloxacin, Enrostar, Enrotril, Fenoflox, Powerflox, Roxacin, Unisol, Ursofloxacin 1x täglich, 3-5 Tage
Florfenicol Nuflor, Norfenicol, Florgane, Florkem, Kefloril,
Selectan, Shotaflor
2 x im Abstand von 48 Std.
(intramuskulär, 20mg/kg)
Florfenicol einmalig
(subcutan, 40mg/kg)
Florfenicol,
Flunixin
Resflor einmalig
Gamithromycin Zactran einmalig
Marbofloxacin Marbocyl, Forcyl, Marbiflox, Marbonor Solo, Marbox, Ubiflox einmalige Anwendung (8mg/kg)
Tildipirosin Zuprevo einmalige Anwendung
Tilmicosin Micotil einmalige Anwendung
durch den Tierarzt
Tulathromycin Draxxin einmalige Anwendung

Die klinischen Symptome sollten sich 2 Tage nach Behandlungsbeginn verbessert haben. Halten die Symptome an oder verschlimmert sich das Krankheitsbild, sollte der Tierarzt verständigt werden (Antibiotikawechsel). Die Behandlung sollte noch mind. 2 Tage nach Fieberfreiheit fortgesetzt werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Die Auswahl der Produkte ist abhängig von der individuellen Betriebssituation und kann nur durch den Hoftierarzt/-tierärztin erfolgen.
Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Entzündungshemmer zur Unterstützung der antibiotischen Therapie bei Rindergrippe

Wirkstoff Produktname(n)
kein Anspruch auf Vollständigkeit
Häufigkeit der Anwendung
Details sh. Produktinformation
Flunixin Finadyne, Cronyxin, Equibos, Flunidol, Flunixine,
Meflosyl, Niglumine
1x täglich, 1-3 Tage (nur intravenös)
Carprofen Caprosol, Carprieve, Rimadyl einmalig
Ketoprofen Dinalgen, Ketink, Ketoprosol, Romefen 1x täglich, 1-3 Tage
Ketoprofen Kelaprofen, Nefotek, Rifen 1x täglich, 3-5 Tage
Meloxicam Metacam, Animeloxan, Emdocam, Loxicam,
Melosolute, Meloxidyl
einmalig
Die Auswahl der Produkte ist abhängig von der individuellen Betriebssituation und kann nur durch den Hoftierarzt/-tierärztin erfolgen.
Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Nutzen: Was bringt die rechtzeitige Grippebehandlung?

Die Grippe belastet die Tiere zum Zeitpunkt der Infektion stark, sie kann aber auch darüber hinaus zu schwerwiegenden und unwiderruflichen Folgeschäden an der Lunge führen. Insbesondere Kälber, die falsch oder zu spät behandelt werden, können meist nicht ihr volles Leistungspotential ausschöpfen und kümmern ihr Leben lang.
Die Behandlungskosten sind im Vergleich zu den wirtschaftlichen Verlusten durch Leistungseinbußen (Entwicklungsstörungen und geringere tägliche Zunahmen bis hin zum Verenden der Tiere) deutlich geringer.

Praxistipp: Wie schütze ich meine Tiere vor Rindergrippe?

Impfung

Die Grippeimpfung sollte 14 Tage vor der erwarteten Belastung abgeschlossen sein.

Die Grippeimpfung sollte 14 Tage
vor der erwarteten Belastung abgeschlossen sein.

Es stehen eine Reihe von Impfstoffen gegen die verschiedenen Erreger des Rindergrippekomplexes zur Verfügung. Sie richten sich gegen bestimmte Viren (BRSV, PI3, BHV-1, BVD) und Bakterien (M. haemolytica) und sollte auf die jeweilige Bestandssituation zugeschnitten sein. Eine solide Grundimmunsierung besteht aus einer Erstimpfung und anschließender Zweitimpfung nach ca. vier Wochen (Booster-Effekt). Die Impfung wird meistens jährlich, halbjährlich oder vor Belastungen aufgefrischt.

Impfzeitpunkt

Nach abgeschlossener Grundimmunisierung (2x im Abstand von 4 Wochen) dauert es noch ca. 14 Tage bis der Impfschutz aufgebaut ist. Ein Impfprogramm sollte aus diesem Grunde immer mindestens 6 Wochen vor der Belastungssituation (Umstallung, feucht-wechselhaftes Wetter) beginnen. Wenn Kälber von anderen Betrieben zugekauft werden, ist es sinnvoll, die Impfung der Kälber auf den Herkunkftsbetrieben durchzuführen.

Lokaler Impfschutz durch intranasale Impfung

Bei der intranasalen Impfung wird der Impfstoff in die Nase gesprüht.

Bei der intranasalen Impfung wird
der Impfstoff in die Nase gesprüht.

Lebendimpfstoffe enthalten Erreger, die sich im Tierkörper weitervermehren können, aber abgeschwächt sind und deshalb nicht krankheitsauslösend sind. Lebendimpfstoffe werden normalerweise per Injektion appliziert, können aber auch aufgrund ihrer Vermehrungsfähigkeit lokal verabreicht werden. Ein Beispiel dafür ist das Sprühen von Lebendimpfstoff in die Nase. Der Tierarzt sprüht dann die Impfdosis zur Hälfte in das eine und in das andere Nasenloch. Innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen bildet sich direkt an der Eintrittspforte der Erreger eine Immunität und lokale Infektionsabwehr (Schleimhautantikörper). Diesen Wirkmechanismus macht man sich u.a. bei der Impfung der Tiere  bei Einstallung in Betrieben mit Atemwegsproblemen zu Nutze. Um eine lang anhaltende Immunität zu erhalten, muss gemäß der Herstellerangaben systemisch (intramuskulär oder subkutan) nachgeimpft werden. Wird auf das Nachimpfen verzichtet, besteht bei hohem Infektionsdruck kein ausreichender Impfschutz es kann trotz Impfung zu Krankheitsausbrüchen kommen.

Optimale Kolostrumversorgung

Die passive Immunität der Kälber entsteht durch die Aufnahme von Biestmilch, die Antikörper gegen eine Vielzahl von Krankheitserregern enthält. Während die passive Immunität des Kalbes bis zum Alter von zwei Monaten abnimmt, steigt die körpereigene Abwehr des Kalbes an. Das Kalb setzt sich aktiv mit den Krankheitserregern im Stall auseinander und bildet Antikörper. Bei einer herkömmlichen Impfung vor der 6. Lebenswoche können Antikörper aus der Biestmilch, die im Körper des Kalbes zirkulieren, die Impfantigene neutralisieren  und so den belastbaren Aufbau einer aktiven Immunität verhindern. Neue Impfstoffe mit erweiterten Anwendungsmöglichkeiten sind auch schon bei jüngeren Kälbern einsetzbar (ab dem 8. Lebenstag).

Frische Luft, viel Platz und saubere Einstreu schützen vor Grippe.

Frische Luft, viel Platz und saubere
Einstreu schützen vor Grippe.

Gerade bei der Rindergrippe stellt die Impfung nur einen Teil der Bekämpfungsstrategie dar. Ein gutes Hygienemanagement mit optimalem Stallklima und Tränkehygiene, die regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Stall und Geräten ist als begleitende Maßnahme unerlässlich. Dabei steht die Frischluftzufuhr (keine Zugluft) im Stall an erster Stelle (Außenklimaställe). Der Zukauf sollte nur aus wenigen, bekannten Betrieben erfolgen; Aufstallung nur von gleichaltrigen Kälbern; eine Überbelegung ist zu vermeiden.

Impfstoffe gegen Rindergrippe

Impfantigen
  

Produktname(n)
Kein Anspruch auf Vollständigkeit

BRSV, lebend Rispoval RS
PI3, BRSV, M. haemolytica, inaktiviert Bovigrip RSP plus
BRSV, PI3 lebend, BVD inaktiviert Rispoval 3-BRSV-PI3-BVD
IBR, BRSV, PI3 lebend Rispoval IBR Marker+ BRSV-PI3 vivum
BRSV, PI3 lebend Rispoval RS + PI3 intranasal
BHV 1 lebend Bovilis IBR Marker Live,
Hiprabovis IBR Marker Live,
Rispoval IBR –Marker vivum
BHV 1 inaktiviert Ibraxion,
Rispoval IBR Marker inactivatum
M. haemolytica (Leukotoxin) inaktiviert Pastobov,
Rispoval Pasteurella
M. haemolytica (Leukotoxoid) inaktiviert, Histophilus somni Hiprabovis pneumos

BRSV: Bovines Respiratorisches Synzytialvirus, PI3: Parainfluenza-Virus 3, BVD: Bovines Virusdiarrhoe Virus, IBR: Infektiöse Bovine Rhinitis, BHV 1: Bovines Herpes Virus

 

Die Auswahl der Produkte ist abhängig von der individuellen Betriebssituation und kann nur durch den Hoftierarzt/-tierärztin erfolgen. Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

 

Autorinnen: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Tierärztin & Dr. Tischer