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Staph. aureus Mastitis – Ohne konsequente Sanierung keine Besserung

Die Tierärztin sagt…

„Staphylococcus aureus ist ein Mastitiserreger mit drei unangenehmen Eigenschaften: Er ist ansteckend, erhöht langsam den Gesamtzellgehalt der Herde und ist nicht einfach zu therapieren. Solange nur wenige Tiere im Bestand betroffen sind, wird oft noch nichts unternommen. Steigt  der Zellgehalt in der Herde sollte auch dann reagiert werden, wenn noch keine „Abmahnungen“ von der Molkerei erfolgt sind. Auch wenn bei der Milchprobenuntersuchung einer einzelnen Mastitiskuh das Ergebnis Staph. aureus lautet, sollten schon die Alarmglocken klingeln.“

Das fragt die Landwirtin…

Kosten / Wirtschaftliche Gefahren:
Warum verursacht gerade Staph. aureus so hohe wirtschaftliche Verluste?

Staph. aureus in der Herde kostet Milchgeld

Staph. aureus in der Herde kostet Milchgeld

  • hohe Übertragbarkeit des Erregers führt zu rascher Verbreitung in der Herde
  • befallene Tiere geben bis zu 15% weniger Milch
    langsame Erhöhung des Zellgehaltes fällt oft erst zu spät auf
  • schlechte Behandelbarkeit des Erregers
    wenn der Gesamtzellgehalt der Anlieferungsmilch schließlich 400.000 übersteigt drohen Liefersperren

Symptome
Woran erkenne ich einen Befall mit Staph. aureus in meiner Herde ?

Anhand der Symptome am Einzeltier lässt sich nicht auf den Erreger schließen:

Knoten im Euter können Hinweise auf Staph. aureus geben

Knoten im Euter können Hinweise auf Staph. aureus geben

  • meist subklinischer, also schleichender und chronischer Befall
  • erhöhte Zellzahlen
  • bei längerer Krankheitsdauer sind im Euter gelegentlich harte Knoten tastbar
  • bei Erstinfektion gelegentlich akute Mastitis, auch hier keine speziellen Symptome die  auf Staph. aureus als Erreger hindeuten
  • Hinweis auf Staph. aureus: leichte Mastitiden, die sich nur unbefriedigend behandeln lassen, häufige Rückfälle

Der einzig mögliche Weg Staph. aureus sicher festzustellen, ist die zytobakteriologische Untersuchung von Milchproben!

Diagnose:
Wie wird bei der Milchprobenentnahme vorgegangen?

Bei Verdacht auf Staph. aureus in der Herde: 10% der Herde (mindestens 10 Kühe) mit erhöhten Zellzahlen (250-800.000 Zellen/ml Milch) untersuchen. Kühe mit hohen Zellzahlen findet man durch die einfache Durchführung des Schalmtest. 

 

Nächster Schritt: Herdendiagnostik
  • d.h. Entnahme von Viertelgemelksproben aller gemolkenen Kühe
    Milchprobenentnahme

    Milchprobenentnahme für die zytobakteriologische Untersuchung

  • Trockensteher werden nach der Abkalbung am Ende der Biestmilchphase untersucht
  • ebenso die Färsen
  • zugekaufte Tiere werden sofort bei der Einstallung beprobt
Warum reicht es nicht aus, Tiere mit Eutererkrankungen und auffällig erhöhten Zellzahlen zu beproben?
  • an Milch und Euter oft keine sichtbaren Veränderungen
  • Zellzahlen steigen langsam an, sind also nicht sofort stark erhöht
  • kein gleichmäßiger Zellzahlanstieg, Zellzahlen können auch vorübergehend wieder sinken
    nur durch Beprobung der ganzen Herde bekommt man einen Überblick über die Erregerverbreitung im Bestand (Grundlage für die Einteilung von Gruppen (infiziert/nicht infiziert))
Kann man pro Kuh nicht einfach eine Pool-Probe aus allen vier Vierteln einschicken?

Nein, denn:

Schmutzkeimen

Mit Schmutzkeimen überwucherte Platte

  • bei geringer Keimzahl in nur einem Viertel: zu starke Verdünnung – Erregernachweis nicht mehr möglich
  • bei verschiedenen Keimen in den unterschiedlichen Vierteln: ggf. Überwucherung eines Erregers durch einen anderen auf dem Nährboden – Erregernachweis nicht mehr möglich
Sicherheit der Diagnostik: Kann ich bei einem negativen Probenergebnis sicher sein, dass eine Kuh frei von Staph. aureus ist?

Leider nicht:

  •  der Erreger kapselt sich im Drüsengewebe ab und wird nicht gleichmäßig ausgeschieden
  •  Milchprobenentnahmen in der ausscheidungsfreien Phase können also durchaus negativ sein
  •  98%ige Sicherheit bieten drei Milchproben im Abstand von jeweils zwei Wochen (für einzelne Ver- oder Zukaufstiere evtl. lohnend)

Daher:

  • Probenentnahme bei allen laktierenden Kühen, damit man die aktuellen Ausscheider sicher identifizieren  kann
  • Tiere mit negativem Laborbefund aber verdächtig erhöhten Zellzahlen  im Abstand von 14 Tagen erneut untersuchen

 

Sanierung: Was tue ich, wenn Staph. aureus als Bestandsproblem in meiner Herde auftritt?

 Die Sanierung besteht aus 4 Teilen:

1. Verhinderung einer weiteren Erregerausbreitung im Bestand
2. Merzung aller Tiere, bei denen eine Therapie aussichtslos erscheint
3. Therapie der Tiere, bei denen Erfolgschancen bestehen oder die akut erkrankt sind
4. Impfung
5. Sanierungserfolg

1. Wie verhindere ich, dass sich Staph. aureus in meinem Bestand weiter ausbreitet?

Hygieneoptimierung in allen Bereichen:

1.1.    Melkhygiene
Desinfizierendes Dippen

Desinfizierendes Dippen reduziert den Keimgehalt an der Zitzenhaut

  • nur mit glatten Gummi- bzw. Einmalhandschuhen melken und diese v.a. nach dem Melken
    euterkranker Kühe abspülen
  • Einmal- Eutertücher verwenden
  • Desinfizierendes Zitzendippen nach dem Melken (mindestens 2/3 jeder Zitze müssen benetzt sein)
    Dippmittel sollte auf Wirksamkeit gegen Mastitiserreger geprüft sein (beim Tierarzt erhältlich)
    und eine DLG-Prüfung bezüglich der hautpflegenden Komponenten haben)
  • Melkzeugzwischendesinfektion (vor allem wichtig wenn keine Herdentrennung möglich, s.u.):

ideal: Zwischendesinfektion in der Melkanlage integriert (Nachrüstung teuer, aber in Betrieben mit Zellzahlproblemen beim Melkanlagenneubau sinnvoll)

oder: Zwischendesinfektion von Hand: Wasserspülung, anschließend Tauchen in Peressigsäurelösung nach jedem infizierten Tier.
(hoher Arbeitsaufwand, deshalb oft nicht konsequent durchgeführt,  Vorsicht beim Umgang mit konzentrierter Peressigsäure!)

Melkzeugzwischendesinfektion

Melkzeugzwischendesinfektion

  • Herdentrennung:
    Konsequente räumliche Trennung möglichst aller Kühe (Trockensteher und laktierende)
    in eine Gruppe infizierter und eine Gruppe nichtinfizierter Tiere.
    Infizierte Herde immer nach der gesunden melken.
1.2. Boxenhygiene
  • regelmäßige Boxenpflege
  • auch bei guten Matten in Hochboxen saugfähiges, desinfizierendes Material aufstreuen (Keimübertragung durch stehende Milchpfützen!)
  • Liegeboxen müssen weich, bequem, sauber und trocken sein
1.3. Übertragung durch eitrige Wunden vermeiden (z.B. an Klauen, Euter, Gebärmutter)
Infektionsüberträger

Infektionsüberträger aus eitrigen Wunden stellen ein Reservoir da

  • stellen auch ein Erregerreservoir dar
  • zügige Behandlung wichtig (regelmäßige Klauenpflege!)
  • Krankenbox getrennt von den gesunden Kühen
1.4.  Nachzucht schützen!
Durch Besaugen werden Bakterien weitergegeben

Durch Besaugen werden Bakterien weitergegeben

  • kein Vertränken von Mastitismilch an Kälber
  • gegenseitiges Besaugen bei Jungrindern verhindern
1.5. Haltung und Fütterung optimieren bedeutet Stärkung des Immunsystems
Gut erreichbare, saubere Tränken sind Basis für Leistung und Gesundheit

Gut erreichbare, saubere Tränken sind Basis für Leistung und Gesundheit

  • Tränken: Möglichkeit zur Aufnahme einer ausreichenden Menge Wassers guter Qualität, d.h. keine Schalen- oder Balltränken, ausreichend große Tränkebecken, keine Tränkebecken an „Engstellen“
  • Achtung bei Weidegang: auch Kühe sind bei Hitze träge: weite Wege zur Tränke verhindern ausreichende Wasseraufnahme! Für jede Kuh sollte im Abstand von höchstens 150 Metern eine Tränke erreichbar sein!
1.6. Technik
Melktechnikkontrolle ist wichtig für die Sanierung

Melktechnikkontrolle ist wichtig für die Sanierung

  • Melkanlage mindestens zweimal jährlich überprüfen lassen, auch wenn keine Auffälligkeiten bemerkt werden
  • Zitzengummis regelmäßig wechseln

2. Welche Tiere sollten gleich den Betrieb verlassen?

Chronisch kranke Kühe sollten den Bestand verlassen

Chronisch kranke Kühe sollten den Bestand verlassen

Selektionskriterien sollte jeder Betrieb individuell mit seinem Tierarzt festlegen, generell gilt: Erfolgschancen sind besonders schlecht wenn:

  • sich bereits tastbare Knoten im Euter gebildet haben
  • bereits zweimal erfolglos gegen Staph. aureus  antibiotisch behandelt wurden
  • die Zellzahlen (trotz Behandlung) über mehrere Milchkontrollen hinweg erhöht (700.000) bleiben
  • auf mehr als zwei  Vierteln Staph. aureus nachgewiesen wird
  • Jedes befallene Tier, das im Bestand verbleibt, ist eine zusätzliche Ansteckungsquelle für alle gesunden!

3. Wie sieht die Therapie bei Staph aureus Mastitiden aus?

3.1. Behandlung zum Trockenstellen
Antibiotische Trockenstellertherapie

Antibiotische Trockenstellertherapie

  • Antibiotika- Auswahl nach Resistenztest
  • ggfs. Vorbehandlung mit Lakationsantibiotikum und eutergängigem Injektionsantibiotikum
    (5- max. 10% mehr Heilungsrate)
  • antibiotisch trockenstellen (nur Trockensteller mit nachgewiesen langem Wirkspiegel im Euter einsetzen =lange Therapiedauer und ausreichend langer Schutz gegen Neuinfektionen)
  • den gleichen Trockensteller auch bei den nichtinfizierten Tieren einsetzen
  • Milchprobenuntersuchung bei allen behandelten Tieren am Ende der Biestmilchphase
3.2. Behandlung in der Laktation
Die "richtigen" antibiotischen Eutertuben ergeben sich aus dem Antibiogramm

Die „richtigen“ antibiotischen Eutertuben ergeben sich aus dem Antibiogramm

  • Antibiotika- Auswahl nach Resistenztest
  • Heilungserfolg in der Laktation von nur 30 % wegen der Abkapselung der Erreger
  • nur sinnvoll bei frisch infizierten Tieren und Färsen (Erreger noch nicht abgekapselt, Heilungserfolg über 50%
  • zwingend bei Tieren mit akuter Mastitis

Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

4. Impfung

Neben den bisher genannten Sanierungsempfehlungen kann auch ein Impfstoff (Startvac®) gegen bovine Mastitis eingesetzt werden

  • beugt Neuinfektionen durch Staphylococcus aureus, Escherichia coli und andere coliforme Bakterien sowie durch koagulase-negative Staphylokokken (KNS) vor
  • reduziert die Rate und Ausprägung der klinischen Symptome einer klinischen Masitits aufgrund der o.g. Krankheitserreger.
  • Kühe und Färsen werden zweimal vor und einmal nach der Kalbung geimpft.
  • kann nur erfolgreich sein, wenn begleitend grundlegende Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung der Eutergesundheit (Hygiene, Trockenstellermanagement) umgesetzt werden.

5. Sanierungserfolg:
Wie lange dauert es, bis ich Staph. aureus vollständig aus meinem Bestand entfernt habe?

Eine erfolgreiche Staph. aureus Bekämpfung basiert uaf konsequentem Vorgehen

Eine erfolgreiche Staph. aureus Bekämpfung basiert uaf konsequentem Vorgehen

  • vollständige Entfernung nur schwer möglich
  • Ziel der Sanierung:
    Vorkommen innerhalb eines Jahres auf unter 5% absenken, dann werden wirtschaftliche Schäden weitgehend vermieden
  • Sanierung nur möglich, wenn die besprochenen Maßnahmen konsequent durchgeführt werden

 

 

Autorinnen: Tierärzin Esther von Lom , Dr. Marion Tischer