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Infektiöse Bovine Keratokonjunktivitis (IBK): ein Sommerproblem

Die Tierärztin sagt…

„Während der Fliegenhochsaison im Sommer werde ich oft zu Jungrindern auf die Weide gerufen, die vor Schmerzen ihre Augen kaum noch öffnen können. Oftmals handelt es sich dann um IBK-Fälle (Weidekeratitis). Wenn diese Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, kann sie sich sehr schnell im Bestand ausbreiten und 50-80% der Tiere betreffen.“

Das fragt die Landwirtin…

Symptome: Woran erkennt man IBK?

  •  Tränenfluss (seröser Augenausfluss)
  •  Lidschluss
  •  Lichtscheue
  • Augenschleimhäute gerötet

Zunächst zentrale Trübung der Hornhaut, im weiteren Verlauf Trübung der gesamten Hornhaut, Einsprossung von Blutgefäßen vom äußeren Rand nach innen („Pink Eye“)

Vorwölbung der Hornhaut, Geschwürbildung, Durchbruch des Geschwürs mit Auslaufen von Augenflüssigkeit möglich

Eitriger Augenausfluss durch bakterielle Sekundärinfektionen
–    V.a. Jungrinder auf der Weide sind betroffen (2-6 Monate), es gibt aber auch Fälle, wo erwachsene Tiere erkranken oder Infektionen im Stall in den Wintermonaten auftreten

Fortgeschrittenes Stadium: Ulkus bricht durch die Hornhaut, die Iris fällt vor, Quelle: Prof. A. Starke, Uni Leipzig

Fortgeschrittenes Stadium: Ulkus bricht durch die Hornhaut, die Iris fällt vor, Quelle: Prof. A. Starke, Uni Leipzig

3monatiges HF-Kalb im Frühstadium: Hornhauttrübung, kreisrundes Ulkus, Quelle. Prof. A. Starke, Uni Leipzig

3monatiges HF-Kalb im Frühstadium: Hornhauttrübung, kreisrundes Ulkus, Quelle. Prof. A. Starke, Uni Leipzig

Erreger: Welche Schäden entstehen im Tier?

Fliegen übertragen die ansteclkende Augeninfektion

Fliegen übertragen die ansteclkende Augeninfektion

Die ansteckende Augenentzündung entwickelt sich unter dem Einfluss von vielen Faktoren und wird letztendlich von bakteriellen Erregern ausgelöst. Hauptsächlich ist Moraxella bovis verantwortlich, aber auch andere Erreger, wie z.B. Chlamydien, Mykoplasmen und Pasteurellen werden bei bakteriellen Untersuchungen von Konjunktivalabstrichen gefunden.
Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt von Rind zu Rind oder aber über Vektoren (v.a. Fliegen). In betroffenen Beständen können innerhalb von 2-8 Wochen 50-80% der Tiere erkranken. Begünstig wird eine Infektion durch starkes Sonnenlicht (hohe UV-Bestrahlung), Staub und kleinste Verletzungen auf der Hornhaut (z.B. durch Fliegen, Pflanzen).

  • Die Lichtscheue bzw. die Schmerzen/Fieber und die Beeinträchtigung des Sehvermögens führen zu einer verminderten Futteraufnahme: Leistungseinbußen bei Fleisch und Milch sind die Folge.
  • In schwerwiegenden Fällen kann es zu einer Erblindung der Tiere kommen. Diese Tiere werden orientierungslos und sind nur schwer auf der Weide zu halten bzw. als Zuchtvieh zu verkaufen
Vollständig getrübte Hornhaut, Blutgefäße sprossen von außen ein ("pink eye"), Quelle: Prof. A. Starke, Uni Leipzig

Vollständig getrübte Hornhaut, Blutgefäße sprossen von außen ein („pink eye“), Quelle: Prof. A. Starke, Uni Leipzig

Diagnose: Wann und wie wird die IBK diagnostiziert?

Die Diagnose ist anhand des klinischen Bildes möglich. Zur Erregerdifferenzierung wird ein Konjunktivalabstrich bakteriologisch untersucht.

Therapie: Wann und wie wird behandelt?

  • Betroffene Tiere sollten so schnell wie möglich behandelt werden, um das Risiko von Langzeitschäden (Blindheit) zu senken. Eine systemische Behandlung (z.B. intramuskulär/subkutan) mit Antibiotika mit einem Wirkspiegel über sechs Tage (z.B. ein- oder zweimalige Anwendung von Depotpräparaten, bei milchliefernden Tieren allerdings auf Präparate mit angemessener Wartezeit achten!) ist erfolgversprechend.
  • Auch eine intrapalpebrale Injektion (Verabreichung in das Augenlid) von Antibiotika ist möglich, allerdings arbeitsaufwendiger (Fixierung des Kopfes) und im Vergleich zur systemischen Verabreichung nicht effektiver
  • In akuten Fällen ist  eine Kombination mit Entzündungshemmern (NSAID) sinnvoll.

Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Nutzen: Was bringt die Behandlung?

  • Verringerung von Leistungseinbußen durch reduzierte tägliche Zunahmen
    und Rückgang der Milchleistung

Praxistipp: Wie schütze ich meine Tiere vor IBK?

  • Um eine Weiterverbreitung zu vermeiden, sollten betroffene Tiere abgesondert werden, am besten an einen schattigen Platz bzw. in einen abgedunkelten Stall.
  • IBK-Infektionen treten gehäuft in Beständen mit hoher Tierdichte oder hohem Fliegendruck auf. Ein wichtiger Bestandteil der Bekämpfung ist neben der Schaffung optimaler Haltungs- und Hygienebedingungen (z.B. angemessene Fressplatzbreite, Entfernung von Kothaufen), die Reduzierung des Fliegendruckes im Stall und auf der Weide.
  • Fliegenohrmarken können Fliegen von den Augen der Tiere fern halten

    Fliegenohrmarken können Fliegen von den Augen
    der Tiere fern halten

    Zu einer umfassenden Fliegenbekämpfung gehören Fliegenbekämpfung am Tier (Ohrclips, Aufgusspräparate), die Fliegen und –larvenbekämpfung im Stall (z.B. Streichmittel, Fraßköder, larvizide Mittel für die Gülle, Güllefliegen, Betriebshygiene) und die Auswahl einer fliegenarmen Weide (keine nassen Standorte in Waldnähe).

  • Auch eine bestandsspezifische Impfung ist möglich (deren Wirksamkeit allerdings kontrovers diskutiert wird).

 

Autorinnen: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Tierärztin & Dr. Marion Tischer