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Jakobskreuzkraut: Hübsch gelb, aber giftig

Die Tierärztin sagt…

Jakobskreuzkraut (auch als Jakobsgreiskraut bekannt) ist seit jeher in Deutschland heimisch. In den letzten Jahren hat es sich jedoch stark vermehrt. Da die Pflanze giftige Alkaloide enthält, kann sie eine ernste Gefahr für alle Tiere darstellen, die sie frisch oder in konserviertem Futter aufnehmen.“

Das fragt die Landwirtin…

Giftwirkung und Vergiftungssymptome: Schaden selbst geringe Mengen im Futter meinem Tier?

Jakobskreuzkraut

Die schädliche Wirkung des Jakobskreuzkrauts wird durch Alkaloide verursacht, die in allen Teilen der Pflanze vorkommen.
Die nachhaltige Giftwirkung der Pflanzen wird durch die Eigenschaften dieser Stoffgruppe bestimmt:

  • Giftstoffe werden nicht ausgeschieden, sondern reichern sich im Körper an
  • Aufnahme kleinerer Mengen über längere Zeit kann eine tödliche Vergiftung verursachen
  • kuh mit Vergiftungssymptomen

    Kuh mit Vergiftungssymptomen

    Weidenutzung: Ausgewachsene Pflanze enthält Bitterstoffe, dadurch wird Aufnahme durch Weidetiere verhindert; Probleme: Junge Pflanzen enthalten weniger Bitterstoffe, junge Tiere oder Tiere mit seltenem Weidegang haben mit dem Geschmack der Pflanzen noch keine Erfahrung gemacht, bei Futterknappheit auf der Weide werden die Pflanzen trotzdem gefressen

  • Futterkonservierung: Giftstoffe werden auch durch Heu- oder Silagebereitung kaum abgeschwächt, bitterer Geschmack der Pflanzen verschwindet aber, also gar keine Selektion durch die Tiere mehr möglich
  • tödliche Dosis für Rinder liegt bei 140g Frischgewicht (das entspricht etwa zwei Trieben) pro kg Körpergewicht, d.h. eine 700 kg schwere Kuh hat mit der Aufnahme von 100kg Jakobskreuzkraut die tödliche Dosis erhalten, auch wenn sie diese nicht auf einmal frisst
  • Hauptschadwirkung beruht auf akuter oder chronischer Schädigung der Leber
  • Übergang der Alkaloide in die Milch (Metzner 2013)- Gefahr für Saugkälber von Müttern mit hochgradiger Vergiftung (Gefahr für Menschen eher unwahrscheinlich, da Vergiftung in der Regel Einzeltiere betrifft, verzehrt wird normalerweise Tankmilch, also starker Verdünnungseffekt)
  • Übergang der Toxine ins Fleisch bisher nicht festgestellt (Metzner 2013)

Symptome

Fettleber

Fettleber

  • Abmagerung
  • Abnahme der Milchleistung
  • herabgesetzte Futteraufnahme, dabei oft vermehrt gefüllter Pansen und herabgesetzte Pansenmotorik
  • Koliken
  • Durchfall
  • Apathie
  • Unruhe
  • erhöhte Leberwerte, gelegentlich Fieber
  • evtl. können auch Aborte ausgelöst werden.

Diagnose: Gibt es eine Möglichkeit die Jakobskreuzkrautvergiftung nachzuweisen?

Die Pyrrolizidinalkaloide sind in Blutroben vom lebenden Tier nicht nachweisbar. Eine Möglichkeit zur Diagnose am toten Tier besteht in der Untersuchung von Leberproben getöteter oder verendeter Tiere, dies ist aber teuer und aufwändig:

  • benötigt werden 250g Lebergewebe
  • wird nur von der Universität Bonn durchgeführt
  • Kosten liegen bei ca 250 € pro Probe

Therapie: Wie können erkrankte Tiere behandelt werden?

Die Erfolgschancen der Behandlung bei einer Jakobskreuzkrautvergiftung sind sehr schlecht und in akuten oder weiter fortgeschrittenen Fällen aussichtslos. Im frühen Stadium einer chronischen Vergiftung besteht ein möglicher Behandlungsversuch aus:

  1. Grundvoraussetzung: Jegliche Aufnahme kontaminierten Futters verhindern. Auch kleinste Mengen tragen zum Fortschreiten der Schäden bei!
  2. Leberschutztherapie:
    • Aminosäurehaltige Präparate (z.B. Amynin) und Phosphor-/Vitamin-B12-Verbindungen (z.B. Catosal) unterstützen Stoffwechsel- und Organfunktionen
    • Mariendistelhaltige Präparate (z.B: Cetophyton)
    • Homöopathische „Lebermittel“ je nach Krankheitsbild (z.B.: Flor de Piedra, Chelidonium, Phosphorus)
  3. Unterstützung der Pansenmotorik
    eingeben

    Eingabe von Pansenstimulanz

    • Eingabe stimulierender Präparate z.B. Pansenstimulans WDT, Digestasin, BoviConcept Pansenstimulans)
  4. Energiezufuhr mittels Glucoseinfusionen

Hier muss sorgfältig abgewogen werden, inwiefern eine Behandlung wirtschaftlich ist, bitte besprechen Sie Näheres mit Ihrem Tierarzt!

Vorbeuge und Bekämpfungsmaßnahmen: Was kann ich tun, um meine Tiere vor einer Jakobskreuzkrautvergifung zu schützen?

Das oberste Gebot zur Verhinderung von Vergiftungen durch Jakobskreuzkraut lautet:
sorgfältige Grünlandpflege, da sich die Pflanze auf mangelhaft gepflegten Wiesen und Weiden optimal vermehren kann.

  • Umgang mit eigenen Flächen hat man selbst in der Hand (Einschränkungen durch Naturschutzauflagen/ Extensivierungsprogramme)
  • Eintragsquellen für Samen auch bei guter Grünlandpflege: nachlässig gepflegte Nachbarweiden, Brachflächen, Böschungen und sonstige öffentliche Flächen (Expertenvorschlag: 50 m Sicherheitsstreifen zum Schutz von Wirtschaftsgrünland)[Dr. C. Berendonk/ Dr. A. Neitzke 2011]
  • Samen werden mit dem Wind verbreitet, in der Regel innerhalb einer Entfernung von ca. 50 Metern
  • Samen bleiben im Boden bis zu 25 Jahre keimfähig
  • Samen brauchen zur Keimung offenen Boden, daher auf geschlossene Grünlandnarbe achten (regelmäßige Nachsaat)
  • einzelne Pflanzen von Hand ausziehen oder ausstechen, wichtig: Pfahlwurzel und Seitenfasern möglichst komplett entfernen (Achtung: Handschuhe tragen, die Giftstoffe können auch über die Haut aufgenommen werden!)
  • intensive Mähnutzung: sinnvoll als Vorbeuge, bevor sich das Kraut im Bestand wirklich ausgebreitet hat; auf stark befallenen Flächen gegenteiliger Effekt: da die Triebbildung ständig verhindert wird, bleiben die Pflanzen lange vital

      Wiese mit JKK
  • Samenbildung verhindern:  Nachmahd von Weideflächen möglichst nach Blütebeginn: Samenverbreitung wird noch verhindert, Pflanze ist aber durch die Blütenbildung zu stark geschwächt, um wieder auszutreiben; auf Grünland wird je nach Lage zwei- bis   drei- maliger Schnitt empfohlen
  • Jakobskreuzkrautpflanzen werden durch Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung geschwächt
  • Achtung: Jakobskreuzkrauthaltiges Mähgut darf nicht verfüttert werden und darf auch nicht auf Flächen verbleiben, die anschließend wieder beweidet werden
  • Entsorgung des Materials über Verbrennungs-, Kompostier- oder Biogasanlagen möglich
  • bei starkem Befall: chemische Bekämpfung, aber keine 100%ige Wirkung (bitte bei der zuständigen Landwirtschaftskammer beraten lassen)

Bestimmung und Verwechselung: Wie erkenne ich Jakobskreuzkraut?

Wer die Merkmale des Jakobskreuzkrauts kennt und genau hinsieht, wird sich nicht so leicht irren, bei oberflächlicher Betrachtung kann man es allerdings mit einigen anderen gelbblühenden Pflanzen verwechseln.

Jakobskreuzkraut
  • im ersten Jahr nur Blattrosette mit tief geschlitzten Blättern
  • im zweiten Jahr Stängelbildung (20- 130 cm Länge, im unteren Teil violett bis rötlich gefärbt)
  • Stängelblätter wechselständig, schwach behaart an der Unterseite
  • Blüten: innerer und äußerer Blütenkreis („wie kleine gelbe Margeriten“), äußerer Blütenkreis mit 13 Blättern, Doldentrauben aus 15- 20 gelben Blütenköpfen
  • Blütezeit von Juni bis Oktober, Hauptblütezeit im Juli (25.Juli – Jacobi)
Jakob-Kreuzkraut

Jakob-Kreuzkraut

Stengel und Blätter

Stengel und Blätter

Andere Kreuzkraute
Andere Kreuzkraute

Andere Kreuzkraute

Andere Kreuzkrautarten sind durchweg ebenfalls giftig und sollten deshalb auch nicht auf Flächen stehen, die beweidet werden oder der Futtergewinnung dienen.

Weitere Verwechselungsmöglichkeiten mit:

Johanniskraut (bedingt giftig):
  • nur 5 Blütenblätter
    Johanniskraut

    Johanniskraut

  • beim Zerreiben der Blüten tritt roter Farbstoff aus
  • keine Blattrosetten
  • kleine rundliche Blätter
Rainfarn (bedingt giftig):
  • kein äußerer Blütenkreis
    Rainfarn

    Rainfarn

  • Stängel bräunlich
Goldrute (vereinzelt Berichte über Vergiftungen):
  • Lanzettförmige Blätter
    Goldrute

    Goldrute

  • Sehr kleine Blüten, rispenartige Blütenstände

 

Ein anschaulicher Bestimmungsschlüssel ist auch unter
www.strickhof.ch/fachwissen/pflanzenschutz/kreuzkraeuter/
zu finden.

Autorin: Tierärztin Esther von Lom