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Q-Fieber: Unfruchtbare Kühe ohne Fieber

P0003006Die Bezeichnung „Q-Fieber“ kommt von dem englischen Wort „query“ für fraglich, da bei der Entdeckung der Krankheit zunächst kein Erreger gefunden werden konnte.

Diese Zoonose wurde zuerst bei Menschen beobachtet, wobei Fieber und andere grippeähnliche Symptome vorkommen können. Bei Kühen allerdings kommt man manchmal erst auf die Diagnose Q-Fieber, wenn in einem Betrieb Fruchtbarkeitsprobleme auftreten und andere Faktoren ausgeschlossen werden konnten.“

Fragen und Antworten

Symptome: Woran erkennt man Q-Fieber?

Rinder zeigen bei einer Q-Fieber-Infektion oft keine spezifischen Symptome.

Folgende Punkte können allerdings auf eine Infektion hinweisen:

  • Spätaborte können auf Q-Fieber hinweisen.

    Spätaborte können auf Q-Fieber hinweisen.

    Unfruchtbarkeit

  • Gebärmutterentzündungen
  • embryonaler Frühtod
  • bestandsweise gehäuft Aborte nach dem 6. Trächtigkeitsmonat (Spätabort)
  • schwache Neugeborene bzw. Totgeburten (insbesondere bei Färsen)
  • Nachgeburtsverhaltungen
  • Häufiges (unregelmäßiges) Umrindern
  • Grippeähnliche Symptome

Die Fruchtbarkeitsstörungen stehen beim Rind im Vordergrund.

Erreger: Wie kommt es zu einer Infektion?

  • Schafe sind empfänglich für Q-Fieber und können eine Ansteckungsquelle sein

    Schafe sind empfänglich für Q-Fieber und können eine Ansteckungsquelle sein

    Der Erreger, Coxiella burnetii, wird meist durch das Einatmen von kontaminiertem Staub aufgenommen. Daraufhin verbreitet er sich über den Blutkreislauf im Körper und siedelt sich insbesondere in Gebärmutter und Euter an

  • Beim Geburtsvorgang werden die Coxiellen massenhaft freigesetzt, eine Ausscheidung ist aber auch über Harn, Kot und Milch möglich. Auch im Fleisch infizierter Tiere wurden Coxiellen nachgewiesen. Eine lebensmittelbedingte Infektion gilt aber als eher unwahrscheinlich.
  • Coxiellen können sich nur in lebenden Wirtszellen vermehren, außerhalb des Körpers bilden sie eine sehr widerstandsfähige sporenähnliche Form. So können sie z.B. durch eingetrocknetes Fruchtwasser oder Zersetzungsprodukte von stark erregerhaltigen Nachgeburten im Staub mit dem Wind über mehrere Kilometer transportiert werden. Sie sind extrem überlebensfähig, z.B. über Wochen bis Monate in Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch, über Jahre in Böden und Staub.
  • Eine Vielzahl von Tieren kann den Erreger übertragen (Hunde, Katzen, Pferde, Rinder, Vögel, Insekten/Zecken,…), epidemiologisch sind aber vor allem kleine Wiederkäuer wie Schaf und Ziege von Bedeutung.
  • Wenige Erreger reichen für eine Infektion.

Diagnose: Wie wird Q-Fieber diagnostiziert?

  • Antikörper im Serum weisen auf eine Q-Fieber Infektion hin.

    Antikörper im Serum weisen auf eine Q-Fieber Infektion hin.

    Eine klinische Diagnose ist aufgrund der unspezifischen Symptome kaum möglich.

  • Im Verdachtsfall (z.B. bei andauernder Unfruchtbarkeit und Gebärmutterentzündungen im Bestand) sollten auch alle weiteren in Frage kommenden Ursachen überprüft werden, da der Komplex Unfruchtbarkeit von vielen Faktoren gleichzeitig beeinflusst werden kann.
  • Der Nachweis von Coxiella burnetii ist auf unterschiedliche Weise möglich:
  • Antikörpernachweis in Blut oder Milch

 

  • Direkter Erregernachweis mittels PCR bei Proben von Nachgeburten, Abortmaterial, Vaginaltupfern (positive Ergebnisse sind meldepflichtig!)

 

Aber Achtung:
Es ist möglich, dass Tiere nur zeitweise den Erreger ausscheiden, keine Antikörper bilden aber trotzdem Erreger ausscheiden oder aber Antikörper bilden aber keine Erreger ausscheiden. Deshalb empfiehlt es sich, beide Untersuchungsmethoden zu kombinieren und/oder zu wiederholen.

Schätzungsweise sind 30% der Rinderbestände infiziert.

Therapie: Wie wird Q-Fieber bekämpft?

  • Eine direkte Therapie ist schwierig, da Coxiellen zwar gegenüber Antibiotika empfindlich (z.B. Tetrazykline) sind, allerdings die Erregerausscheidung dadurch nur verringert aber nicht vollständig zum Stillstand gebracht werden kann. So kann es andauernd zu erneuten Infektionen kommen. In besonderen Fällen kann aber durch die Gabe von Antibiotika die Abortrate reduziert werden.
  • Regelmäßig durchgeführte prophylaktische Impfungen werden zur Zeit als deutlich wirkungsvoller angesehen.
    • es sollten alle Tiere ab einem Alter von 3 Monaten eines Bestandes geimpft werden
    • die Grundimmunisierung besteht aus der subkutanen Verabreichung von 2 Impfdosen im Abstand von 3 Wochen.
    • Alle 9 Monate sollte eine Auffrischungsimpfung erfolgen.
  • Weiterhin spielt eine umfassende Hygiene bei der Eindämmung von Infektionen mit Q-Fieber eine sehr wichtige Rolle

Fragen zu Arzneimitteln, Impfstoffen und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Nutzen: Was bringt die Impfung?

Auswertungen von Feldversuchen haben ergeben, dass Impfungen gegen Q-Fieber in betroffenen Beständen die Häufigkeit von Gebärmutterentzündungen, die Abortrate und die Anzahl von umrindernden Tieren reduzierte.

Zum Vergleich:

Die Kosten für eine Gebärmutterentzündung liegt bei 160-400 Euro,
ein extra Tag Güstzeit bei 3,50 bis 4,00 Euro pro Tag,
ein Abort kostet zwischen 500 bis 1000 Euro.

Tipp: Wie schütze ich mich selbst vor einer Ansteckung mit Q-Fieber?

Schwangere Frauen müssen sich von Q-Fieber Betrieben fernhalten.

Schwangere Frauen müssen sich von Q-Fieber Betrieben fernhalten.

Q-Fieber kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden (Zoonose). Häufig verläuft sie beim Menschen ohne Anzeichen oder mit leichten grippeähnlichen Symptomen. Aber auch ein akuter Verlauf mit plötzlichem Fieberanstieg, starkem Krankheitsgefühl und schweren Kopf- und Gliederschmerzen ist möglich. Auch Lungenentzündungen können auftreten, in der chronischen Form kann es zu einer Entzündung der Innenauskleidung des Herzens (Endokarditis) kommen. Erfolgt die Infektion während einer Schwangerschaft, können Früh-, Fehl- und Totgeburten die Folge sein.

Auch für eine Infektion beim Menschen besteht Meldepflicht.

Hygienemaßnahmen zur Senkung des Infektionsrisikos bei Q-Fieber:
  • Die hygienische Entsorgung von Kontaminiertem Material ist wichtig.

    Die hygienische Entsorgung von Kontaminiertem Material ist wichtig.

    Umgebung vor der Kontamination mit Geburtsprodukten schützen

  • Abkalbungen in geschlossenen Räumen
  • Nachgeburten/Totgeburten bis zur Abholung durch TKBA in geschlossenen Behältern lagern, Behälter anschließend reinigen und desinfizieren (mit einem DVG-geprüften Desinfektionsmittel auf Aldehydbasis)
  • Bei Abkalbungen Mund-/ Atemschutzmaske sowie Handschuhe tragen
  • Reinigung und Desinfektion der Abkalbebox nach jeder Abkalbung (mit einem DVG-geprüften Desinfektionsmittel auf Aldehydbasis, dabei beachten: Aerosolbildung durch Hochdruckreiniger vermeiden)
  • Festmist/Güllebehandlung (z.B. Düngerpackung mit Branntkalk und anschließender Abdeckung mit einer Erdschicht), nicht bei starkem Wind ausbringen
  • Infizierte Tiere merzen bzw. räumlich getrennt von nicht-infizierten aufstallen
  • Kontakt zu potentiellen Überträgern (Zukäufe mit unbekanntem Antikörperstatus, Wildtiere,…) minimieren, dazu gehören auch Zecken: zeckenwirksame Ektoparasitenbehandlung bei Befall durchführen
  • Keine unerhitzte Milch oder Fleisch aus betroffenen Betrieben konsumieren

 

Autorin: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Tierärztin