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Die chronische Endometritis – Immer mit Ausfluss?

ausfluss

Chronische Gebärmutterentzündungen (Endometritiden) verlaufen mit (sichtbarem) Ausfluss oder auch subklinisch (von außen nicht erkennbar).

Beide Formen machen Kühe unfruchtbar. Der Übergang zwischen beiden Krankheitsformen ist fließend.

Fragen und Antworten

Krankheitsbild: Chronische Endometritis – ist das gleichbedeutend mit „Ausfluss“?

Nein!

Die Wissenschaft kennt heute zwei verschiedene Formen der Endometritis:

  • Die eitrige Form mit (sichtbarem) Ausfluss
  • Die subklinische Endometritis mit veränderter Zellzusammensetzung in der Gebärmutterschleimhaut

Beide Krankheitsformen gehen fließend ineinander über – äußern sich aber immer mit Unfruchtbarkeit.

Wie bemerkt man eine chronische Gebärmutterentzündung?

Eitriger Ausfluss

Eitriger Ausfluss

Eitrige Form:
  • schleimig-eitriger Ausfluss
    • vor allem im Liegen
    • vermehrt während der Brunst (vermehrte Schleimproduktion, Abfluss durch geöffneten Muttermund erleichtert)
    • Befund bei rektaler der vaginaler Untersuchung
Subklinische Form:
  • äußerlich nicht zu erkennen
  • Kühe rindern scheinbar unerklärlich immer wieder um[/one_half]

Im Gegensatz zur akuten Gebärmutterentzündung ist die Kuh bei chronischen Gebärmutterentzündungen (egal ob eitrig oder subklinisch)  grundsätzlich gesund, it ungestörtes Allgemeinbefinden

Verlauf: Wie kommt es zur chronischen Gebärmutterentzündung?

Hygienemängel stehen häufig am Anfang der Endemetritis

Hygienemängel stehen häufig am Anfang der Endemetritis

Häufig: Übergang der akuten Gebärmutterentzündung  in die chronisch eitrige Form nach ca.14 Tagen
Ursachen der eitrigen Endometritis:

  • Unhygienische Stallverhältnisse, hoher Infektionsdruck beim  Abkalben
  • Unsaubere, nicht sachgerechte Geburtshilfe
  • Fäulnisprozesse bei Nachgeburtsverhaltung  oder Totgeburten
  • Schwächung der Gebärmutter durch Schwergeburt oder Geburtsverletzung
  • unvollständige Selbstreinigung und Rückbildung der Gebärmutter  (schleichendes Milchfieber)
  • schwaches Immunsystem (Leberbelastung z.B. durch Ketose )

Noch ungeklärt: Vermutete Ursachen der subklinischen Endometritis:

  • negative Energiebilanz zu Laktationsbeginn
  • niedriges BCS beim Abkalben
  • Ketose

Diagnose: Wie kann die Tierärztin die chronische Endometritis feststellen?

Die vaginale UNtersuchung mit dem Metricheck

Die vaginale Untersuchung mit dem Metricheck

Eitrige Form:

  • rektale Untersuchung: „vermehrte Füllung“, Gebärmutter schlaff
  • vaginale Untersuchung:
    • mit Scheidenspekulum: 50 % bessere „Entdeckungsquote“ als nur äußerliche Anzeichen für Ausfluss
    • Metricheck ®: Beurteilung des Scheidenschleims
    • vaginale Untersuchungen müssen unbedingt fachgerecht und sauber durchgeführt werden !
  • Ultraschalluntersuchung:
    • auch geringe Eiteransammlungen werden gefunden.

Tipp: Gebärmutterkontrolle aller Tiere routinemäßig 3 Wochen nach dem Abkalben

Nur im Ultraschall sichtbare subklinische Endemetritis

Nur im Ultraschall sichtbare subklinische Endemetritis

Subklinische Form:

Schwierig: Es sind nur vermehrt Entzündungszellen in der Gebärmutterschleimhaut eingelagert, die deren Funktion stören!

  • Gewebeprobe (Biopsie)
    • Aber: nicht praxistauglich (aufwendig, teuer)
  • Ultraschallbild: nur manchmal leichte Verdickung der Gebärmutterwand erkennbar

Therapie: Wie behandelt man Kühe mit chronischer Endometritis?

Voraussetzung für erfolgreiche Therapie:

  • regelmäßiger Zyklus
  • deutliche Brunst (Kontraktion der Gebärmutter, Öffnung des Muttermunds, lokale Keimabwehr aktiv).

Nicht-zyklische Tiere werden daher „angespritzt“:

  • Prostaglandin im 14tägigen Abstand (2-3 Mal), beginnend ab der 3. Woche nach der Kalbung.

Achtung: Vorsicht beim Umgang mit Prostaglandin! Benutzen Sie Spritzen nur einmal: Bei der Reinigung von Spritzen entsteht feiner „Prostaglandin-Nebel“, der zu Atemnot und Husten führen kann. Schwangere dürfen keinesfalls  in Kontakt mit Prostaglanding kommen – es besteht große Abortgefahr ! Hautkontakt reicht.

Lokale antibiotische Therpaie der Endemetritis

Lokale antibiotische Therpaie der Endemetritis

Nach Einschätzung der Hoftierärztin lokale intrauterine Behandlung:

  • antibiotische Behandlung z.B. mit Cephapirin oder anderen für die lokale Behandlung der Gebärmutter zugelassenen Präparaten – Wartezeiten beachten!
  • desinfizierende Substanzen, z.B. Jodlösungen (unbedingt stark verdünnt, da sehr gewebsreizend) oder Lösungen auf pflanzlicher Basis, die für die lokale Behandlung der Gebärmutter zugelassen sind.

Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre Hoftierärztin!

Folgen: Weshalb werden Kühe mit chronischer Endometritis nicht trächtig?

Die Kuh mit eitriger Endometritis, ist nicht besamungstauglich, denn Keime und/oder Eiterzellen in der Gebärmutter mindern

  • die Befruchtungsfähigkeit des Spermas

Bei subklinischer Endometritis verschlechtert sich:

  • die Qualität der „Uterinmilch“, die den Embryo ernährt
  • die Kontaktaufnahme des Embryos mit der Gebärmutterschleimhaut

Der Embryo stirbt daher unbemerkt ab. In der Folge:

  • rindert die Kuh nach
  • häufig mit leicht verlängertem Zyklus
Welche Probleme können folgen?

Persistierender Gelbkörper
Bei Nicht-Trächtigkeit bildet die Gebärmutterschleimhaut normalerweise um den 17. Zyklustag Prostaglandin, um eine neue Brunst zu starten.
Bei länger bestehenden oder sehr starken Entzündungen ist die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr in der Lage, Prostaglandin zu bilden.

  • Der Gelbkörper auf dem Eierstock bleibt (persistiert) funktionsfähig
  • Der Zyklus wird blockiert
  • Kühe, die bereits besamt waren, können als bereits tragend angesehen werden (Scheinträchtigkeit)
  • Pyometra:
    • große Eiteransammlung in der Gebärmutter bei geschlossenem Muttermund
    • bei der Trächtigkeitsuntersuchung leicht zu verwechseln

Vorbeuge: Kann ich eine chronische Endometritis verhindern?

Gute Futteraufnahme rund um die Kalbung beugt vor

Gute Futteraufnahme rund um die Kalbung beugt vor

Ja, zumindest das Risiko minimieren !

Maßnahmen Optimaler Geburtsverlauf:
  • Ruhige, stressfreie Kalbung
  • einwandfreie Hygiene (saubere Einstreu der Abkalbebox)
  • zurückhaltende, abwartende Geburtshilfe Milchfieber-Prophylaxe
  • kalziumarme Trockensteher-Fütterung
  • kalium- bzw. kationenarme Ration
  • Vit. D3-Gabe ca. eine Woche vor dem Kalbetermin
  • Kalziumgabe vor/während/nach dem Abkalben (z.B. Boli, Infusionen unter die Haut)
  • Mineralfutter für Trockensteher
  • Optimale Futteraufnahme zu Laktationsbeginn
  • Regelmäßige Körperkonditions-Kontrolle
  • Früherkennung durch routinemäßige tierärztliche Gebärmutteruntersuchung 2-3 Wochen nach dem Kalben verhindert schwere Krankheitsverläufe[/blue_box]

Gibt es noch andere Krankheiten mit eitrigem Ausfluss?

Vaginitis – Scheidenentzündung

Häufig bei Kühen…

  • mit Senkscheiden (Reizender Urin, der nicht ablaufen kann, sammelt sich im Scheideninneren an)
  • nach intravaginaler Behandlung mit einer „Spirale“ (Anöstrie- oder Zystenbehandlung)
Symptome:
  • Entzündung der Scheidenschleimhaut (starke Rötung)
  • Eitriges Sekret
Diagnose:
  • Mit dem Scheidenspekulum kann unterschieden werden, ob es sich um eine eitrige Scheiden- oder Gebärmutterentzündung handelt
Was tun?

Kühe mit einer geringgradigen Scheidenentzündung können trächtig werden, wenn man den Samen vor den Entzündungsprodukten in der Scheide schützt.
Besamungsorganisationen empfehlen daher bei der Besamung von Kühen mit Scheidenentzündung die  Verwendung spezieller Überzugshüllen (aus dem Embryotransfer)

 

Autorin: Dr. Jutta Berger

(Stand: Dezember 2013)