Beitrag Drucken

Kälberflechte: Mehr als nur ein „Schönheitsfehler“

Kaelberflechte

Kälberflechte (Glatzflechte, Trichophytie) ist eine Erkrankung der Haut, verursacht durch den Pilz Trichophyton verrucosum. Kälberflechte kommt in ca. 40% aller deutschen Rinderbestände vor. Befallen werden in der Regel hauptsächlich Jungtiere, da sich bei älteren Tieren eine Immunität gegen den Erreger aufbaut.

Fragen und Antworten

Symptome:
Woran erkenne ich, dass meine Tiere an Kälberflechte erkrankt sind?

Der Pilz dringt in die Haut ein und wandert in die Haare und Haarwurzeln. Das verursacht die charakteristischen

Symptome:

Kälberflechte verbreitet sich schnell in einer Gruppe.

Kälberflechte verbreitet sich schnell in einer Gruppe.

  • ovale bis kreisrunde haarlose Stellen im Hals- und Kopfbereich
  • zu Beginn oft nässend oder leicht blutig
  • später verkrustet und verhornt
  • starker Befall: Ausbreitung auf Rücken und Körperseiten
  • betroffen: hauptsächlich Jungtiere im ersten Lebensjahr
  • nach und nach Ausbreitung auf fast alle gleichaltrigen Tiere
  • Erkrankung von älteren Tieren:

Wenn Erreger nie vorher im Bestand bzw wirksam bekämpft war

Diagnose:
Wie wird Kälberflechte nachgewiesen?

Im Allgemeinen ist die Krankheit aufgrund ihrer spezifischen Symptome leicht zu erkennen.

Ausnahmen:

Pilzsporen können mit einem scharfen Löffel nachgewiesen werden.

Pilzsporen können mit einem scharfen
Löffel nachgewiesen werden.

  • untypischer Verlauf mit weniger ausgeprägten Symptomen (öfter bei älteren Tieren)
  • selten auch andere Pilzarten als Verursacher

 Labordiagnostik:

  • Entnahme von Hautgeschabseln und Haarproben
  • Beprobung mehrerer Tiere
  • positives Ergebnis in der Regel innerhalb einer Woche
  • Sicherheit, dass keine Pilze in der Probe sind erst nach ca. vier Wochen

Zoonose:
Stimmt es, dass sich auch Menschen mit Kälberflechte anstecken können?

Kälberflechte kann vom Rind sowohl auf andere Tierarten als auch auf den Menschen übertragen werden. Folgendes sollte beachtet werden, um das Ansteckungsrisiko für Personen möglichst gering zu halten und im Fall einer Infektion richtig zu reagieren:

Flechte ist auch auf den Menschen übertragbar.

Flechte ist auch auf den Menschen übertragbar.

  • grundsätzlich gefährdet: alle Personen, die sich in Tiernähe aufhalten
  • besonders gefährdet: Kinder (ihre Haut verfügt noch nicht über stabilen Säureschutzmantel), ältere und abwehrgeschwächte Menschen
  • befallene Hautstellen (Hände, Unterarme, Gesicht): gerötet, oft ringförmige Ausbreitung („Ringflechte“), stark juckend, weitere Ausbreitung durch Kratzen
  • bei Verdacht auf Ansteckung einen Hautarzt aufsuchen
  • Behandlung: Antimykotische (pilzabtötende) Salbe und/oder Tabletten über einen längeren Zeitraum

Vorsichtsmaßnahmen:

  1. Bei Umgang mit betroffenen Tieren Handschuhe anziehen, Bekleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen tragen
  2. gleiches gilt für Kontakt zur Stalleinrichtung oder zu Gegenständen, die die Tiere berührt haben

Wirtschaftliche Folgen:
Welcher finanzielle Schaden kann meinen Betrieb durch die Kälberflechte entstehen?

Da die finanziellen Folgen einer Trichophytie im Bestand nicht auf den ersten Blick auffallen, werden sie oft unterschätzt.
Verluste entstehen durch:

  • verminderte Aufzucht- und Mastleistungen ( verminderte Tageszunahmen bis zu 20%)
  • verminderte Milchleistung beim Befall erwachsener Kühe
  • Lederschäden (jährlich in Deutschland ca. 7,5 Millionen € durch zurückbleibende Hautschäden
  • Handelseinschränkungen und Exporthindernisse für befallene Tiere

Therapie: Lohnt es sich erkrankte Tiere zu behandeln?

Obwohl haarlose Stellen und Krusten nach 5-6 Monaten in der Regel von selbst abheilen, sollte eine Therapie erfolgen, da sie die Zeit bis zur Abheilung erheblich verkürzt und so die wirtschaftlichen Schäden begrenzt.

Einzeltierbehandlung:

Wasch- oder Sprühbehandlung mit pilzabtötenden Mitteln z.B. Enilconazol (Imaverol) oder Natamycin (Mycophyt)

Gruppen- oder Teilbestandsbehandlung:

Impfung (immer komplette Gruppen impfen, auch wenn einige Tiere nicht befallen sind)
Impfstoffauswahl und Impfintervalle nach Absprache mit der Hoftierärztin

Impfstoffe Produktname (Lebend/inaktiviert)

Impfung gegen Trychophytie

Impfung gegen Trychophytie

  • Bovilis Ringvac® (Lebend)
  • Insol Trichophyton® (Inaktiviert)
  • Riemser Trichophytie Vakzine® (Lebend)
  • Trichovac LTF 130® (Lebend)
  • Verruvac® (Lebend)

Zusätzlich bei schweren Erkrankungsverläufen zur Unterstützung der Hautregeneration:

+ Verfüttern von zinkhaltigen Ergänzungsfuttermitteln
+ Verabreichung von Vitamin A- Präparaten
+ Achtung: Höchstdosen beachten, sonst Vergiftung möglich

– naturheilkundliche Therapiemethoden:

+ homöopathisch: Sulfur D 30, Tellurium D30, Zincum metallicum D30

Begleitende Maßnahmen:

+ Kontakt zwischen gesunden und kranken Kälbern vermeiden
+ Tierkontakt zu infizierten Stalleinrichtungen unterbinden
+ Stall, Stalleinrichtungen und –geräte reinigen und desinfizieren (DVG- gelistetes Desinfektionsmittel mit einer nachgewiesenen Wirksamkeit gegen Pilze [fungizid]
+ Sonne: schnellere Abheilung bei Weidegang (Pilzsporen werden durch UV- Licht geschädigt)

Auswahl, Dosierung und Eingabehäufigkeit sämtlicher Medikamente (einschließlich der naturheilkundlichen) besprechen Sie bitte mit Ihrem Tierarzt!

 

Prophylaxe:
Was kann ich tun, um zu vermeiden, dass sich meine Tiere mit Kälberflechte infizieren?

Der beste Schutz gegen die Infektion ist ein starkes Immunsystem der Tiere. Um das zu erreichen, gilt es die Tier vor anderen Infektionskrankheiten zu schützen und die Fütterungs- und Haltungsbedingungen möglichst optimal zu gestalten:

Frische Luft und Hygiene stellen einen guten Schutz vor Flechte dar.

Frische Luft und Hygiene stellen einen guten Schutz vor Flechte dar.

  • keine Tiere mit Anzeichen von Pilzbefall zukaufen
  • Zukaufstiere und im Betrieb geborene Kälber regelmäßig nachimpfen
  • Quarantänezeit von 3 Wochen nach der Grundimmunisierung einhalten
  • Reinigung und Desinfektion der Stallabteile vor jeder Neubelegung
  • Bekämpfung von Ratten und Mäusen (Pilzsporen können auch von Schadnagern in den Stall eingeschleppt werden)
  • Fliegenbekämpfung (tragen die Erreger von Tier zu Tier)
  • (Haut)- Parasitenbefall behandeln (Läuse können Pilzsporen beim Stich regelrecht in die Haut einimpfen, Parasitenbefall schwächt die Kondition im Allgemeinen)
  • andere Erkrankungen frühzeitig behandeln (Kümmerer sind abwehrgeschwächt, meist schwerer Verlauf der Trichophytie)
  • auf ausreichende Mineralstoff- und Vitaminversorgung achten
  • Überbelegungen vermeiden (Stress schwächt das Immunsystem)
  • für ein optimales Stallklima sorgen ( Erreger breitet sich in feucht- warmen, schlecht belüfteten Ställen besonders gut aus)
  • für viel Tageslicht im Stall sorgen (s.o.)

 

Autorin:  Tierärztin Esther von Lom
(Januar 2014)