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Räude – ein unterschätztes Problem

TitelBesonders in der kalten Jahreszeit ist Räude ein Problem. Am häufigsten werden Veränderungen im Schwanzbereich beobachtet: die Haut an der Schwanzwurzel ist mit Krusten und Borken bedeckt, die Haare sind ausgefallen. Durch den Juckreiz kann es dazu kommen, dass die Kühe mehr Zeit mit Kratzen als am Futtertisch verbringen. Infolgedessen kann die Milchleistung über einen Liter pro Tier und Tag abnehmen.

 

Symptome: Woran erkennt man einen Räudebefall?

Die Tiere scheuern sich ständig, dadurch entsteht Unruhe im Stall.

-beim Rind kommt am  häufigsten die Steißräude vor:  die Haut an der Schwanzwurzel ist verdickt, mit Krusten und Borken bedeckt (kleieartige Schuppen), die Haare sind ausgefallen. Ähnliche Symptome lassen sich auch an Euterspiegel oder Kronsaum finden, dort werden sie aber häufig übersehen (und können so zu Komplikationen beim Zwischenschenkelekzem führen)

Räude verursacht starken Juckreiz

Räude verursacht starken Juckreiz

•    bei der Kopfräude beginnen die Hautveränderungen im Kopfbereich: die Haare fallen aus, die Haut verdickt und entzündet sich, Krusten entstehen
-neigt zur Ausbreitung über den ganzen Körper, kann zu Abmagerung, und hochgradiger Schwäche führen

•    bei der Körperräude fallen zunächst im Bereich des Rumpfes und Halses Hautveränderungen auf: nässende, mit Krusten bedeckte Hautflächen, Haarlosigkeit an betroffenen Stellen, borkige Hautfalten
– kann auch einen generalisierten Verlauf nehmen: Ausbreitung auf den gesamten Tierkörper, starke Abmagerung und hochgradige Schwäche 

Erreger: Welche Schäden entstehen im Tier?

–    Räudemilben leben auf oder in der Rinderhaut und entwickeln sich in zwei bis drei Wochen vom Ei über Larve und zwei Nymphenstadien zur erwachsenen Milbe.

Körperräude bei Mastbullen

Körperräude bei Mastbullen

–    Die Parasiten bohren, graben, saugen oder nagen in der Haut und verursachen dort eine allergische Reaktion, die stark juckt. Die Tiere nutzen jede Gelegenheit sich zu scheuern und sind entsprechend unruhig.
–     In die vorgeschädigte Haut können anschließend Bakterien eindringen, die zu eitrigen Hautentzündungen führen.
–    Die Haut verdickt sich und wird mit Krusten und Borken bedeckt.
–    Die Räude kann je nach Milbenart an verschieden Körperstellen („Lieblingsstellen“) auftreten:
•    Chorioptes (Nagemilben): vor allem am Schwanzansatz, Milchspiegel, Kronsaum der Hinterbeine, werden deshalb oft als Verursacher der Schwanz, Steiß- oder Fußräude bezeichnet, tritt vor allem in Milchkuhherden auf
•    Sarcoptes (Grabmilben): bevorzugt an Kopf und Hals, werden deshalb als Verursacher der Kopfräude bezeichnet (Achtung: Zoonose, kann auf den Menschen übertragen werden!)
•    Psoroptes (Saugmilben): bevorzugt am Rumpf, werden deshalb als Verursacher der Körperräude bezeichnet, hauptsächlich ein Problem bei Masttieren

In unbehandelten Fällen kann der fortwährende Juckreiz zu erheblichen Leistungseinbußen (Abfall der Milchleistung, Verlängerung der Mastdauer) und zu einer Entwertung der Haut (Leder) führen. 

Diagnose: Wie wird Räude diagnostiziert?

–    Trotz der „Lieblingsstellen“ lassen sich die Räudemilbenarten nicht allein aufgrund der Lokalisation der Hautveränderungen differenzieren, außerdem sind auch Mischinfektionen möglich.

Mit dem scharfen Löffel werden die Räudemilben aus der oberen Hautschicht geschält.

Mit dem scharfen Löffel werden die Räudemilben aus der oberen Hautschicht geschält.

Ähnliche Hautveränderungen treten auch bei Läuse- und Haarlingsbefall auf (hier wiederum sind auch Mischinfektionen mit Milben möglich).
–    Bei Räudeverdacht: Entnahme eines Hautgeschabsels mit einem scharfen Löffel am Übergang zwischen gesunder und betroffener Hautpartie (möglichst so tief, dass es etwas blutet) durch den Tierarzt/die Tierärztin, Untersuchung unter dem Mikroskop

Therapie: Wann und wie wird behandelt?

–    Eine Einzeltierbehandlung führt zu keinem langfristigen Erfolg, da es immer wieder zu erneuten Infektionen durch nicht sichtbar infizierte Tiere kommen kann. Sinnvoll ist nur eine Bestandsbehandlung, z.B. zur Zeit der Aufstallung im Herbst.

Aufgussbehandlung

Aufgussbehandlung

–    Zum Behandeln der Räude gibt es verschiedene Aufguss- und Injektionspräparate. In der Praxis kommen häufig makrozyklische Laktone zum Einsatz. Sie haben eine lange Wirkdauer und bekämpfen zusätzlich Magen-, Darm und Lungenwürmer.

–    Die meisten Wirkstoffe zur Behandlung haben eine Wirkdauer  von ca. 6 Wochen. Da aber die Räudemilben bis zu 10 Wochen in der Umgebung ohne Kuhkontakt überlebensfähig sind, wird eine Wiederholungsbehandlung nach 6 Wochen empfohlen.
–    Die meisten Präparate sind nicht für Tiere für die Milcherzeugung zugelassen. Sie eignen sich nur für Kälber und Jungrinder oder Mutterkuhherden. Aber auch bei Kühen in der Laktation ist die Behandlung möglich, zwei Aufgusspräparate mit null Tagen Wartezeit auf Milch stehen zur Verfügung (siehe Tabelle) oder fragen Sie Ihren Hoftierarzt/Hoftierärztin nach entsprechenden Präparaten ).

Auswahl, Dosierung und Eingabehäufigkeit sämtlicher Medikamente  besprechen Sie bitte mit Ihrem Tierarzt!

Tipp: Wie schütze ich meine Tiere vor Räude?

–    Räude ist hochansteckend und bricht meist in den Herbst- und Wintermonaten aus durch Tierkontakt aus.
–    Bei einer Bekämpfung und vor allem im Sommer ziehen sich die Räudemilben an die „Lieblingsstellen“ zurück und bilden dort ein Infektionsreservoir. Im Herbst und Winter kann dieses zu scheinbaren Neuinfektionen im Stall führen.
–    Räudefreiheit im Bestand ist nur zu erreichen, wenn neben der Behandlung der Tiere auch die Umwelt „behandelt“ wird, denn Räudemilben können einige Wochen ohne Kuhkontakt im Stall überleben. Chorioptesmilben (Erreger der Schwanzräude) sind sogar zehn Wochen in der Umwelt lebensfähig. Die Parasiten ziehen sich in Spalten und Ritzen oder schwer zu reinigenden Holzeinrichtungen im Stall zurück. Wer die Räude bekämpft, sollte auch den Stall reinigen und desinfizieren. Besonders viele Räudemilben finden sich an Kuhbürsten. Sie stellen eine bedeutende Reinfektionsquelle dar. Darum ist es sinnvoll, die Bürsten erst einzubauen, wenn die Herde räudefrei ist.

Kuhbürsten gehören nicht in Räudebetriebe

Kuhbürsten gehören nicht in Räudebetriebe

–    Auch Personen, die regelmäßig in verschiedenen Ställen ein und aus gehen, stellen ein Infektionsrisiko dar. Viehhändler, Besamungstechniker und Tierärzte können an Kleidung, Geräten und Transportfahrzeugen Räudemilben übertragen. Am besten hält man auch im Hinblick auf andere Krankheiten betriebseigene Stiefel und Overalls bereit.

Die kurze „Checkliste Räudefreiheit“ fasst die wichtigsten Eckpunkte zusammen.

  • Alle Tiere im Bestand behandeln
  • Antiparasitikum ausreichend hoch dosieren
  • Wiederholungsbehandlung
  • Quarantänebehandlung 2 Wochen vor der Einstallung
  • Betriebseigene Kleidung für Besamungstechniker, Tierarzt
  • Stalleinrichtungen (v.a. Holzteile, Kuhbürste) reinigen und desinfizieren 

 

Autorin: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Tierärztin

(Stand 02/2014)