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E.coli- Mastitis: Die „Blutvergiftung“ aus dem Euter

ecoli beitrag

Durch das Bakterium E. coli  (Escherichia coli) verursachte Euterentzündungen nehmen häufig einen schweren, hochakuten Verlauf. Der Verlust des betroffenen Euterviertels oder der Tod des Tieres sind keine Seltenheit. Die Kosten einer solchen Erkrankung liegen, auch bei erfolgreicher Behandlung, im günstigsten Fall bei 180 €, bei einem Totalverlust des Tieres betragen sie mindestens das Zehnfache. [1]

Fragen und Antworten

Symptome: Wie verläuft eine E. coli-Mastitis bei der Kuh?

Die typische Mastitis, die durch- E. coli Bakterien ausgelöst wird, geht mit schweren Allgemeinstörungen einher, die auch schon vor den Symptomen am Euter auftreten können:

  • plötzlich einsetzendes, hohes Fieber (über 40°C, kann auch auf über 41°C steigen
  • Inappetenz
  • Versiegen der Milchleistung
Am Euter zeigen sich:
  • starke Schwellung, öfter mit Wassereinlagerung (Ödem)
  • Rötung
  • Wärme
  • wässriges, oft gelbrötliches Sekret, z.T. mit großen Flocken
Schwere Form der Mastitis

Schwere Form der Mastitis

Im weiteren Verlauf können auftreten:
  • Durchfall
  • Festliegen (durch Schädigung des Herz- Kreislaufsystems)
  • Schäden an inneren Organen (z.B. der Leber)
  • Kälte des betroffenen Viertels, das im schlimmsten Fall sogar absterben kann
  • Tod durch Organversagen

E. coli- Bakterien können auch Mastitiden verursachen, die weniger schwer und ohne Allgemeinstörungen verlaufen, dies ist jedoch seltener der Fall.

Erreger: Werden schwere Mastitiden nur durch E. coli- Bakterien ausgelöst?

Der Begriff „Coli- Mastitis“ wird öfter auch als Bezeichnung für Mastitiden verwendet, die mit schweren Allgemeinstörungen einhergehen. Doch solche schweren Verläufe können grundsätzlich durch alle Bakterien und auch Hefen verursacht werden, wobei die Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe von der Art des Erregers abhängt.

Viele gemeinsame Eigenschaften mit E. coli- Bakterien haben coliforme (coliartige) Erreger:
  • Klebsiellen ( schwere Mastitiden häufig),
  • Enterobacter (schwere Mastitiden eher selten)
Unsaubere Kühe fördern das Auftreten der E.coli Mastitis

Unsaubere Kühe fördern das Auftreten der E.coli Mastitis

E. coli und coliforme Bakterien:
  • finden sich auch im Kot gesunder Kühe
  • sind somit in der Stallumgebung der Tiere vorhanden
  • verursachen Erkrankungen wenn …
    • 1.    die Abwehr der Tiere geschwächt ist
    • 2.    die Keimbelastung übermäßig hoch ist
  • können auf verschiedenen Wegen ins Euter gelangen:
    • 1.    über den Strichkanal
    • 2.    über Strichverletzungen
    • 3.    über das Blut aus dem Magen- Darm- Trakt
    • 4.    über das Blut aus der Gebärmutter (z.B. nach Schwergeburten)
      –    bei Zerfall: Freiwerden von Giftstoffen (sogenannte Endotoxine), verantwortlich für die schweren Krankheitssymptome

Diagnose: Wie werden die Erreger einer E coli Mastiris festgestellt?

Wie bei allen Euterentzündungen kann auch hier der auslösende Erreger nur durch die Untersuchung einer Milchprobe sicher bestimmt werden.

Bei dieser Erkrankung ist in Bezug auf die Milchprobe folgendes zu beachten:
  • E.coli Kulturen

    E.coli Kulturen

    Behandlungsbeginn unmittelbar nach Milchprobenentnahme (wegen der Schwere der Erkrankung kann nicht erst das Ergebnis abgewartet werden)

  • saubere Entnahme besonders wichtig (sonst weist das Labor u.U. E. coli nach, die z.B. aus Kotverschmutzungen des Euters stammen)
  • Probenentnahme in einem möglichst frühen Erkrankungsstadium (E. coli- Bakterien zerfallen sehr schnell, Giftwirkung der Toxine besteht weiter, auch wenn keine lebenden Bakterien zum Nachweis mehr vorhanden)

Therapie: Wie wird eine E. coli- Mastitis behandelt?

Hierbei muss  immer bedacht werden, dass das eigentliche Problem nicht der Erreger, sondern das freigesetzte Toxin ist.

Wirkung der Toxine:
  • Schädigung von Zellen im Euter
  • daraufhin  Entzündung als Abwehrreaktion des Körpers (z.B. entstehen Schwellung, Rötung und Wärme durch vermehrte Durchblutung des betroffenen Viertels= beschleunigter Antransport von Abwehrzellen und Abwehrstoffen+ beschleunigter Abtransport von Zelltrümmern)
  • überschießende Entzündungsreaktionen belasten die Tiere u.a. durch Schmerz und Fieber
  • Endotoxine sind stark wirksame Gifte, oft Körperabwehr zur Bekämpfung zu schwach
  • dann überschwemmen Giftstoffe über die Blutbahn den Körper und verursachen auch Schäden in anderen Organen („Blutvergiftung“, medizinisch „Toxämie“)
Problem bei der Therapie mit Antibiotika:
  • Abtötung sehr vieler Bakterien innerhalb kurzer Zeit
  • daraufhin freiwerden großer Toxinmengen
  • einander widersprechende Angaben zum Therapieerfolg [2]
Deshalb Antibiotika nur als Teil einer kombinierten Therapie:
Infusionen Bild

Infusionen helfen gegen den Vergiftungsschock

  • Antibiotika, die gegen E. coli und coliforme in der Regel wirksam sind (gerade bei Therapieversagen Ergebnis des Resistenztests wichtig)
  • dazu entzündungshemmende Arzneimittel, um die Toxinwirkung zu dämpfen
  • Anwendung von Cortison- verwandten Präparaten wird kontrovers diskutiert (entzündungshemmende, toxindämpfende Wirkung unbestritten, aber Dämpfung des gesamten Immunsystems [3])
  • Infusionen (Glucose als Energiezufuhr, Elektrolytlösung um den Mineralstoffhaushalt zu unterstützen)
  • ggf. Drenchen, wenn die Tiere von selbst auch kein Wasser mehr aufnehmen
  • Eingabe von Präparaten zur Aufrechterhaltung der Pansenmotorik
  • häufiges Ausmelken, ggf. mit Oxytocin (auch hier einander widersprechende Untersuchungsergebnisse zur Wirksamkeit: einige Studien zeigen einen verbesserten Heilungsverlauf, andere keinen Effekt [4])

Prophylaxe: Welche vorbeugenden Maßnahmen senken das Risiko für E. coli- Mastitiden?

Welche vorbeugenden Maßnahmen senken das Risiko für E. coli- Mastitiden?

Da das Immunsystem der Tiere hier den größten Einfluss auf Infektion und Krankheitsverlauf hat, ist es besonders wichtig, dies durch optimale Fütterungs- und Haltungsbedingungen zu unterstützen.

  1. Fütterung
  2. Stallhygiene und Kuhkomfort
  3. Melkhygiene
  4. Unterstützung der Euterabwehr
  5. Impfung

 

1. Fütterung
  • bedarfs- und wiederkäuergerecht (Vermeidung von Über- oder Unterkonditionierung, ausreichende
Unzureichende Futterhygiene

Unzureichende Futterhygiene

Strukturwirksamkeit= Vermeidung von Stoffwechselerkrankungen wie Ketose oder Acidose
  • besondere Aufmerksamkeit auf die kritische Phase um die Kalbung
  • bedarfsgerechte Mineralstoff- und Spurenelementversorgung
  • gute Qualität, Vermeidung von Fehlgärungen, Nacherwärmung und Schimmelbildung (gerade Schimmelpilzgifte führen nicht nur zu Schäden an Verdauungs- und Entgiftungsorganen, v.a. der Leber, sondern dämpfen auch direkt die Aktivität des Immunsystems)
  • im vorbelasteten Verdauungssystem Gefahr einer massenhaften Vermehrung der immer vorhandenen E. coli- Bakterien
  • Wasserversorgung:
    • + Qualität: v.a. bei Brunnenwasser Keimgehalt (E. coli!) und Spurenelementgehalt (v.a. Eisen) überprüfen lassen
    • + ausreichende Zahl von Tränkebecken (andere Tränken ungeeignet für Kühe), gute Zugänglichkeit auch für rangniedere Tiere
    • + ausreichende Anzahl von Tränkestellen auf der Weide (hier besonders auf Sauberkeit achten)

 

2. Stallhygiene und Kuhkomfort
  •  Einstreu:
    + anorganisches Material (Sand) optimal, aber Gülle- und Melktechnik dafür nur auf wenigen Betrieben geeignet
    + Sägespäne: sehr große Oberfläche, niedriger pH- Wert= optimale Bedingungen für E. coli und coliforme Erreger ( Keimzahlen von 1.000.000.000 coliformen Erregern pro g [5];  besonders Klebsiellen in großer Zahl in grünen oder feuchten Spänen), auf jeden Fall Beimischung von Kalk o.a. alkalischem Desinfektionsmittel für Liegeboxen nötig!
Liegebox mit viel sauberen Stroh

Liegebox mit viel sauberen Stroh

+ optimal: Kalk- Stroh- Gemisch (hoher pH- Wert, gute Feuchtigkeitsbindung)
+ regelmäßiges und häufiges Nachstreuen

  • Boxenkomfort:
    + passende Abmessungen für problemloses Aufstehen und Ablegen
    + ausreichende Polsterung der Liegefläche
    + beides verhindert verlängerte Liegezeiten, also auch Kot- und Harnabsatz in der Box
    + ausreichende Anzahl an Liegeboxen (keine Spaltenlieger heranzüchten, weil rangniedere Tiere keine Chance haben eine Liegebox zu „ergattern“)
  • Laufflächen:
    + trocken, rutschfest und sauber (Vermeidung von Euterverschmutzungen- direkt oder durch die Klauen und Beine im Liegen)
  • Abkalbebereich/ Tiefstreu:
    + keine „Doppelnutzungen“ als Abkalbe- und als Krankenbucht (4-6 Abkalbeboxen pro 100 Kalbungen einplanen)
    + Entfernung von frischem Kot und Nachgeburten nach jeder Kalbung
    + Entmistung/ Reinigung nach maximal fünf Abkalbungen, wenigstens alle 14 Tage (Rutschfestigkeit durch Gummimatte sicherstellen)
Dippen mit Filmbildnern

Dippen mit Filmbildnern

3. Melkhygiene:
  • gründliche Vorreinigung der Euter (Einmaleutertücher!)
  • Melken nur mit Gummihandschuhen (Erreger haften an der Haut wesentlich besser als an glatten Handschuhen)
  • denn: keine Übertragung über die Milch von Kuh zu Kuh, aber Eindringen von Erregern von Zitzenhaut und Melkerhänden in den offenen Strichkanal
  • nach dem Melken: Einsatz eines Barrieredippmittels (bildet einen Film, verstärkt bis zur nächsten Melkzeit den Verschluss der Strichkanalöffnung- kein Eindringen von Umwelterregern in den Zwischenmelkzeiten)
  • Fixierung der Tiere im Fressgitter unmittelbar nach dem Melken (Strichkanal unmittelbar nach dem Melken noch völlig offen, schließt sich erst langsam wieder, Dippmittel kann trocknen)
4. Unterstützung der Euterabwehr
Unzureichende Zitzenkondition

Unzureichende Zitzenkondition

  • Vermeidung von Strich- bzw. Euterverletzungen (auch auf diesem Weg Eindringen der Erreger möglich); nach möglichen Ursachen für gehäufte Strichverletzungen „fahnden“
  • rasche Behandlung aufgetretener Strichverletzungen (wenn noch keine Entzündung: vorübergehendes Trockenstellen des entsprechenden Viertels)
  • Zitzenkondition verbessern:
    + Schleimhautausstülpungen, Verhornungen, Ausfransungen: Hinweis auf Melktechnikfehler
    + trockene, rissige Zitzenhaut: auf pflegende Komponente im Dippmittel achten
    –  keine intensive Züchtung auf Leichtmelkigkeit (Folge: langsamerer oder ungenügender Strichkanalverschluss)
5. Impfung

Seit 2009 existiert ein Impfstoff, der außer Komponenten gegen S. aureus und KNS auch einen Impfstoffanteil gegen E. coli und Coliforme enthält.

  • Erfahrungen mit dem Impfstoff in Bezug auf Coli- Mastitiden sehr unterschiedlich
Impfung gegen Mastitiserreger

Impfung gegen Mastitiserreger

  • als einzige Maßnahme wirkungslos, kann nur in Verbindung mit Maßnahmen zur Optimierung von Fütterung und Hygiene  greifen

 

Autorin: Tierärztin Esther von Lom
(Stand Mai 2014)

Literatur:

  1. T. Pfister 2009: Dissertation
  2. A. Deutz, W. Obritzhauser, J. Köfer, D. Hönger, H. Gruber 1999: Beitrag zur Colimastitis des Rindes- Klink, Therapie und zoonotische Aspekte. Der praktische Tierarzt/ L. Suojala 2010:  Dissertation / R.J. Erskine 1995: Coliform Mastitis Therapy. National Mastitis Council/ P. Winter, K. Fehlings 2013: Aspekte zur Therapie von Mastitiden in der Laktation und zum Trockenstellen. Der praktische Tierarzt Supplemente 6-2013
  3. Suojala 2010: Dissertation / D.E. Morin 2004: Beyond Antibiotics- What else can we do?. National Mastitis Council
  4. L. Suojala 2010: Dissertation / P. Winter, K. Fehlings 2013: Aspekte zur Therapie von Mastitiden in der Laktation und zum Trockenstellen. Der praktische Tierarzt Supplemente 6-2013
  5. W. Wolter, B. Kloppert 2007: Einfluss der Einstreu auf die Eutergesundheit. Regierungspräsidium Gießen