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Arbeitsanleitung Brunstbeobachtung

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Brunstbeobachtung

Damit die Kühe nach Ablauf der Freiwilligen Wartezeit schnell wieder tragend werden, ist die Bestimmung des optimalen Besamungszeitpunktes besonders wichtig.

Worauf Sie bei der Brunstbeobachtung achten sollten und warum Hochleistungskühe schlechter ausgeprägte Brunstanzeichen zeigen, erklärt die folgende Arbeitsanleitung mit Fragen zur Brunstbeobachtung.

Fragen und Antworten

Warum ist eine Brunstbeobachtung durch den/die Landwirt/in nötig?

Wenn alle Kühe einer Herde innerhalb eines Jahres trächtig sein sollen, müssen jeden Monat ca. 10% der Kühe tragend werden. In einer Herde mit 100 melkenden Kühen und einem Erstbesamungserfolg von 50% müssen jeden Monat ca. 20 Kühe als brünstig erkannt und besamt werden

Wieso sollte 3-4mal täglich eine Brunstbeobachtung fest in den Tagesablauf eingeplant werden?

Die Kunst der Brunstbeobachtung besteht darin, die Tiere in der Vorbrunst zu erkennen, den Verlauf zu beobachten und den richtigen Besamungszeitpunkt festzulegen. Geeignet sind die Tagesabschnitte morgens zwischen 5h und 7h vor der Melkzeit, die Mittagszeit, abends zwischen 17h und 19h und spät abends, wenn Ruhe eingekehrt ist. Wer nur morgens und abends in den Stall guckt, läuft Gefahr, Kühe mit kurzer Hauptbrunst oder Kühe mit schwach ausgeprägten Brunstsymptomen zu übersehen. Wird dreimal am Tag eine Brunstbeobachtung durchgeführt, liegt die Trefferquote, Kühe in Brunst zu sehen, bei 75%. Bei Aktivitätsmessung z.B. durch das Heatime®-System gibt der Hersteller eine Brunsterkennungsrate von 90% an.

Welchen Einfluss haben die Lichtverhältnisse auf die Brunst?

Gute Lichtverhältnisse

Gute Lichtverhältnisse

Die hormonelle Steuerung der Fruchtbarkeit ist abhängig von der Lichtintensität und –dauer. Für optimale Fruchtbarkeitsergebnisse benötigen Kühe während 16-18 Stunden pro Tag eine Lichtintensität von mind. 300 Lux und 6-8 Stunden lang mindestens 50-75 Lux. Jeder Bereich eines Stalls sollte so gut ausgeleuchtet sein, dass man überall gut Zeitung lesen könnte (mind. 180 Lux).

Welche Rolle spielt die Bodenbeschaffenheit?

Nur auf rutschfestem, trockenen Untergrund können die Kühe ihre Brunstsymptome zeigen. Kühe, die Schmerzen in den Klauen oder Angst vor Ausrutschen und Verletzungen haben, werden schlecht in Brunst gesehen. Eine regelmäßige Klauenpflege ist Grundvoraussetzung für eine gute Fruchtbarkeit der Herde.

Was sieht man bei Kühen in der Vorbrunst?

Vorbrunst

Vorbrunst

Erhöhte Bewegung, Beschnuppern der Scham anderer Kühe, Kopf auflegen, Aufsprungversuche, abstehende Schwanzhaltung, wippende Rückenpartie, vermehrtes Harn- und Kotabsetzen, Lautäußerungen, Milchaufziehen

Woran erkenne ich Kühe in der Hauptbrunst?

Stehende Brunst

Stehende Brunst

Die suchende Bewegung lässt nach, die Tiere lassen sich von anderen kontrollieren und bespringen. Der Duldungsreflex ist vorhanden. Die Schamlippen sind geschwollen und glatt, deutlich fadenziehender Brunstschleim ist an Scham, Schwanz oder Sitzbeinhöckern zu sehen.

Wann ist der optimale Besamungszeitpunkt?

Die besten Besamungsergebnisse werden erreicht, wenn die Kühe 12-18 Stunden nach Beginn der Hauptbrunst besamt werden. Die Morgen-Abend-Regel besagt, dass eine Kuh, die sich am Abend in Hauptbrunst zeigt, am folgenden Vormittag besamt wird und umgekehrt. Bei Kühen mit bekannter Kurzbrunst sollte die Besamung 8-12h nach Brunstbeginn erfolgen.

Warum sind bei Hochleistungskühen die Brunstanzeichen schlechter zu sehen?

Für die Produktion von einem Liter Milch fließen 1000 Liter Blut pro Tag durch die Leber der Kuh. Die Steroidhormone Progesteron und Östrogen, die für die Ausbildung einer Brunst entscheidend sind, werden in der Leber abgebaut. Je mehr Milch die Kuh produziert, desto stärker wird die Leber durchblutet und umso schneller werden die Fruchtbarkeitshormone aus dem Blut herausgefiltert. Die Folge ist eine kürzere Brunstdauer und schlechter ausgeprägte Brunstsymptome.

Arbeitsanleitung Brunstbeobachtung

  • Regelmäßige Zeiten für die Brunstbeobachtung außerhalb der Hauptarbeitszeiten im Stall festlegen.
  • Für gute Lichtverhältnisse im Stall sorgen.
  • Für rutschsichere, trockene Bodenbeschaffenheit im Bereich der Brunstbeobachtung sorgen.
  • Eine eindeutige Identifizierung der Kühe durch richtig sitzende Nummern an den Halsbändern oder gut lesbare Ohrmarken ermöglichen.

  • Liste der Kühe erstellen, deren Rastzeit abgelaufen ist (= die vor einer betriebsspezifisch definierten Anzahl Tage gekalbt haben)
  • Liste der Kühe erstellen, die vor 18-20 Tagen besamt wurden oder abgeblutet haben
  • Liste der Kühe erstellen, die vor 40-42 Tagen besamt wurden (und noch nicht auf Trächtigkeit untersucht sind oder als nicht tragend untersucht sind)

Auswertung der Aktivitätsmessung: als brünstig gemeldete Tiere überprüfen

 

  • Brunstkalender
  • Notizbuch und Stift oder Mobiltelefon/ Smartphone zur Dokumentation

Kühe in der Vorbrunst „kontrollieren“ andere.

Kühe in der Vorbrunst „kontrollieren“ andere.

  • 3 x täglich 20 Minuten, besser 4 x täglich 15 Minuten die Herde während der Ruhephase beobachten.
  • Zunächst aus der Entfernung (z.B. vom Futtertisch aus) die Herde betrachten.
  • Danach durch die Herde gehen und Genitalbereich, Sitzbeinhöcker und Schwanz begutachten.
  • Besonders auf die Tiere der zuvor erstellten Liste achten.

Blut ist für Spermien tödlich.

Blut ist für Spermien tödlich.

  • unruhige Kühe
  • Kühe, die den Kopf bei anderen auflegen
  • Kühe, die an der Scham von anderen Kühen schnuppern
  • Kühe, die auf andere aufreiten
  • Kühe, die Duldungsreflex zeigen und sich bereiten lassen
  • Kühe, die eine geschwollene Scham haben
  • Kühe, die Brunstschleim absondern, am Schwanz oder Sitzbeinhöckern kleben haben
  • Kühe, die Blut im Genitalbereich, am Schwanz oder Sitzbeinhöckern kleben haben
  • Gegebenenfalls Duldungsreflex durch Auflegen beider Hände in der Lenden-Kreuzbein-Gegend überprüfen

 

Tierarzt/-ärztin, Besamungstechniker/-in oder Eigenbestandsbesamer/-in informieren, damit die Kuh 12-18 Stunden nach Beginn der Hauptbrunst besamt wird.

 

Autorin: Dr. med. vet. Christiane Zaspel, Tierärztin
(Stand: Juni 2014)