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Embryonaler Frühtod – Ursachen sytematisch abklären

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Die absolute Mehrheit der Kühe (75 -90 %), die nach einer Besamung wieder brünstig werden, war zwar kurz trächtig – sie sind es aber nicht geblieben. Der Embryo ist „von außen“ unsichtbar abgestorben. Entweder sind die Bedingungen in der Gebärmutter der Kuh zu schlecht, um ihm ein Überleben zu ermöglichen, oder die Kuh leidet an einer Hormonschwäche. Für ein Bestandsproblem kommen auch infektiöse Ursachen in Frage.

 

Fragen und Antworten

Symptome: Wie erkennt man einen embryonalen Frühtod?

Umrindernde Kühe

Umrindernde Kühe (Foto: Berger)

Das Absterben eines frühen Embryos kann man von außen nicht erkennen.
Man bemerkt lediglich, dass

  • die Kuh wieder brünstig wird
  • die Zeit zwischen zwei Besamungen oft länger ist als 21 Tage
  • rauchiger Brunstschleim abgeht (selten !)

Nichtinfektiöse Ursachen: Aus welchen Gründen stirbt ein Embryo ab?

Versorgungsprobleme wegen Fütterungsfehlern bei der Kuh
-gestörte Entwicklungskompetenz des Embryos bei

Schimmel schadet dem Embryo ( Mahlkow-Nerge)

Schimmel schadet dem Embryo ( Mahlkow-Nerge)

  • Niedrigem Blutzuckerspiegel der Kuh (Energiemangel)
  • Mineralstoff-, Spurenelementmangel
  • Azeton (Kuh mit Ketose)
  • Hohen Harnstoffwerten (Faustzahl:  > 30-35 mg / 10 ml Milch)

– Vergiftung des Embryos durch

  • Schimmelpilzgifte
  • Futterverderbnis
  • Nitrat-, Nitritbelastung

Hormonelle Defizite der Kuh wegen Gelbkörper-Insuffizienz
-niedriger Progesteronspiegel  (z.B. am 5. Tag nach der Besamung < 3 ng/ml im Blut) bei

  • alten Kühen
  • akuten Entzündungen (z.B. Mastitis)
  • Pansenazidose (SARA)
subklinische Endeometritis

subklinische Endometritis

Erkrankung der Gebärmutter

–    Subklinische Endometritis

Genetische Gründe

– genetische Defekte (Mutationen)
– Inkompatibilität des mütterlichen und väterlichen Genoms bei

  • Anpaarung zweier Erbfehlerträger
  • Anpaarung zweier Haplotyp-Träger (z.B. BH2 beim Braunvieh)

Infektionserreger: Können auch infektiöse Erreger hinter einem embryonalen Frühtod stecken?

Verschiedene (aktuelle) Infektionskrankheiten und sogenannte „Deckseuchen“, die in Mitteleuropa mehr oder weniger ausgerottet sind,  können zum Absterben der Embryonen führen.
Charakteristisch: Viele Tiere einer Herde rindern m.o.w gleichzeitig in verschiedenen Stadien azyklisch um.

Viren:

Bakterien:

Blutprobe zur Feststellung infektiöser Erreger

Blutprobe zur Feststellung infektiöser Erreger

Einzeller:

  • Neospora
  • Trichomonadenseuche (Trichomonas foetus)

u.a.

Diagnose: Wie stellt man einen embryonalen Frühtod fest?

In der Regel bleibt es bei einer Verdachtsdiagnose. Es gibt keine Beweise für das Abgehen des Embryos.

Hinweise geben kann beim Einzeltier (Problemkuh, die wiederholt umrindert):

Hinweise auf die Ursachen bei Bestandsproblemen (mehr als 10% der Herde rindern immer wieder um)

  • Hohe BHB Werte weisen auf Ketose hin

    Hohe BHB Werte weisen auf Ketose hin

    Milchinhaltstoffe (Eiweiß-%, Fett-%, Fett-Eiweiß-Quotient, Harnstoffgehalt)

Fütterungsanalyse

  • toxikologische/bakteriologische Untersuchung der Futtermittel (Schimmelpilzbelastung, bakterielle Verderbniserreger)
  • Ketose-Tests (sh. Ketose)
  • Blutprobe von 10 Tiere, die azyklisch umrindern auf die Hauptaborterreger (evt. als Doppelprobe im Abstand von  10 Tagen zur Bestimmung des Antikörper-Titer-Verlaufs)

Prophylaxe: Was können Landwirte vorbeugend tun?

  • Gute Futteraufnahmen schützen

    Gute Futteraufnahmen schützen

    optimale Futteraufnahme der frischgekalbten Kühe sicherstellen (sh. Ketose)

  • Ketoseprophylaxe
  • routinemäßige, tierärztliche Gebärmutterkontrolle mit Ultraschall 2-3 Wochen nach dem Abkalben
  • Wechsel der Anpaarung, wenn Einzeltiere wiederholt nach Besamungen mit demselben Bullen umrindern.
  • Hormoninjektion

    Hormoninjektion

    GnRH- oder HCG-Analogon am 5. Tag nach der KB bei Problemtieren mit Progesteronmangel

  • Progesteronsubstitution z.B. intravaginal am 5. Tag nach der KB über mindestens sieben Tage bei Problemtieren mit Progesteronmangel

Die Auswahl der Produkte ist abhängig von der individuellen Betriebssituation und kann nur durch den Hoftierarzt/-tierärztin erfolgen. Fragen zu Arzneimitteln und Therapieplan richten Sie bitte an Ihre(n) Hoftierärzt/-in!

Differenzialdiagnose: Was kann sonst noch zum Umrindern führen?

  • Besaumgsfehler können zum Embryo schädigen

    Besaumgsfehler können zum Embryo schädigen

    Fehlerhaftes Besamungsmanagement (falscher Besamungszeitpunkt, zu kurze Rastzeit etc)

  • Geschädigtes Sperma (fehlerhafte Samenlagerung)
  • Unfruchtbarer Deckstier/-bulle
  • Senkscheide (Urovagina)

 

Autorin: Dr. Jutta Berger, Leutkirch
(Stand Juni2014)