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IBR (BHV-1): Bald nur noch Geschichte?

Die infektiöse Bovine Rhinotracheitis (Ansteckende Nasen-Luftröhren-Entzündung) ist eine durch ein Herpesvirus (Bovines Herpesvirus Typ 1: BHV-1) ausgelöste Krankheit der Atemwege, die durch Virusverteilung im Körper auch Aborte auslösen kann.
Die IBR ist anzeigepflichtig, die Bekämpfung ist in der BHV-1-Verordnung geregelt und wird von den Bundesländern je nach Seuchenstand umgesetzt.

Fragen und Antworten

Wie kann ich IBR (BHV-1) erkennen?

IBR wird auch Red-Nose-Disease genannt (Rote-Nasen-Krankheit). Dieser Name ist ein guter Hinweis auf das akute Krankheitsbild:

  • Bei laktierenden Tieren sinkt die Milchleistung als erstes Anzeichen
  • Das Tier ist niedergeschlagen und matt
  • Fieber bis 42 ° C
  • Ein eher wässriger Ausfluss aus der Nase
  • Die Schleimhäute von Flotzmaul und Nase sind auffällig rot
  • Das Tier speichelt viel
Im Laufe der Erkrankung kommen hinzu:
  • Husten und Augenausfluss
Möglich sind auch:
  • Stecknadelkopfgroße, pustelartige Erhebungen von grauweißer Farbe auf der Nasenschleimhaut.

Die Krankheitsdauer beträgt 10 bis 14 Tage.

Durch die Krankheit und die dadurch bedingte schlechte Abwehrlage der Tiere kann es zu weiteren Infektionen mit Bakterien kommen. Dann kann sich die Lage bis zu Lungenentzündungen verschlimmern.

Bei tragenden Kühen kann es durch die Wanderung des Virus zu Aborten im 6.-8. Monat kommen und zwar meist ein bis drei Monate nach dem tatsächlichen Krankheitsgeschehen.

Zu beachten ist allerdings bei einer Ansteckung mit dem Herpesvirus, dass häufig keine Symptome auftreten oder nur so milde, dass sie nicht zu erkennen sind. Dies nennt man stumme Form, die  gefährlich ist, weil das Virus unentdeckt weitergegeben werden kann.

Um was für ein Virus handelt es sich?

IBR wird durch das Bovine Herpesvirus Typ 1  (BHV-1) ausgelöst, das bei Rindern auch für zwei andere Krankheitsformen des Geschlechtstraktes verantwortlich ist, nämlich die Infektiöse Pustuläre Vulvovaginitis (IPV) beim weiblichen Tier und die Infektiöse Balanopostitis (IBP) beim Bullen.

Das Virus wird durch eine Tröpfcheninfektion weitergegeben, das heißt durch Niesen, Husten oder Speichel, der abgeschüttelt wird, stecken sich die Tiere an. Einmal infiziert bleibt ein Tier ein Leben lang Herpesvirus-Träger. Das bedeutet auch, dass ein Tier mit Herpesvirus dieses immer – in unterschiedlichen Mengen – ausscheidet.
Das Virus versteckt sich in nicht aktiven Zeiten in Nervenzellen und kann  zum Beispiel durch Stress wieder aktiviert werden und einen Krankheitsschub auslösen.

Wie stelle ich eine BHV-1-Infektion fest?

Bei Verdacht auf IBR muss der Tierarzt Probenmaterial entnehmen, das kann Milch, Blut oder ein Tupfer der Nasenflüssigkeit sein. In einem Labor wird dann entweder das Virus oder Antikörper, also Abwehrstoffe des Körpers, nachgewiesen. Der Test auf Antikörper kann allerdings erst nach etwa zwei bis vier Wochen zu Ergebnissen führen, wenn der Körper des Tieres auf die Infektion reagiert hat.

Was muss ich bei IBR (BHV-1) machen?

Grundlage: BHV1-Verordnung

Die Bekämpfung der Herpesvirus-Infektion bei Rindern wird seit 1997 staatlich geregelt. Ein Ausbruch von IBR, d.h. ein BHV-1-Geschehen ist demnach anzeigepflichtig.

Folgende Maßnahmen treten in Kraft, wenn es einen begründeten Verdacht auf Ansteckung mit BHV-1 gibt:
  • Die Tiere unter Verdacht müssen isoliert werden
  • Verbringungsverbot für alle Tiere, ebenso dürfen keine neuen Tiere an den Hof gebracht werden
  • Der Hof darf von Außenstehenden nicht mehr betreten werden. Alle Personen müssen Schutzkleidung tragen, die auf dem Hof verbleibt.
  • Die Hände müssen gereinigt und desinfiziert werden
  • Tote Rinder müssen auf dem Hof verbleiben, und zwar so, dass sie nicht mit anderen Tieren in Kontakt kommen
  • Auch Stallgegenstände, Futter, Einstreu etc. darf nicht vom Hof entfernt werden
  • Ist die Infektion durch Laboruntersuchung bestätigt, passiert wiederum folgendes:
  • Isolation der kranken Tiere wird aufrechterhalten
  • Verbringung von Tieren, auch von toten Tieren, nur nach Genehmigung
  • Aborte, totgeborene Kälber und Nachgeburten müssen beseitigt werden und zwar so, dass keine Ansteckgefahr von ihnen ausgeht
  • Reinigung und Desinfektion aller Dinge, die mit den kranken Tieren in Kontakt gekommen sind.
  • Desinfektionsmatten an den Ein- und Ausgängen
  • Weiterhin dürfen nur befugte Personen in Schutzkleidung auf den Betrieb
  • Schuhe müssen vor Verlassen des Hofs gereinigt und desinfiziert werden.

Die Bekämpfung erfolgt vor allem, weil BHV-1 handelsrelevant ist. Ziel ist  das Erreichen des so genannten Artikel-10-Status, das heißt Freiheit von BHV-1 nach der entsprechenden EU-Richtlinie, um die Konkurrenzfähigkeit mit anderen BHV-freien Ländern zu erhalten.

Dafür wird nach zwei Konzepten vorgegangen  [1]:

  1. Tilgung von BHV-1-Reagenten, d.h. Kühen, die im Labor positiv auf das Virus getestet wurden. Dies ist das Selektionskonzept, das vor allem angewendet wird, wenn es wenige Tiere betrifft.
  2. Impfung mit Markerimpfstoff, bei dem ein spezifisches Eiweiß fehlt, um bei Laboruntersuchungen so die geimpften Kühe von den infizierten Kühen unterscheiden zu können.

Die Landwirte werden in der Bekämpfung durch die Tierseuchenkassen unterstützt, die meistenteils die Kosten für Laboruntersuchungen, Impfstoff, Impfung und Probenentnahmen übernehmen.

Durch welche Maßnahmen kann man IBR (BHV-1) verhindern?

Die Prophylaxe vor  BHV-1 basiert auf den Grundsteinen Impfung, Kontrolle und Hygiene. Die Bestände sollen als Zielsetzung erregerfrei aber auch frei von Tieren sein, die Antikörper gegen das Virus entwickelt haben. Die Vorgaben werden von den Bundesländern je nach Seuchenstand in Sanierungsprogrammen umgesetzt.

  • Impfung nur mit Markerimpfstoff, wobei eine Impfung vor allem vor dem Ausbruch der Krankheit  schützt, nicht aber zu 100% vor einer Infektion [2]. In vielen Bundesländern ist Impfen mittlerweile verboten [3]. Die Verordnung sieht eine Grundimmunisierung und eine Nachimpfung nach drei bis sechs Monaten vor.
  • Definition von BHV-1-freien Ställen durch Bestandsuntersuchung. Ein BHV-1-freies Rind ist ein Tier, das entweder aus einem Stall kommt, in dem alle über 15 Monate alte Rinder geimpft werden. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Rinder über Blut- oder Milchproben negativ auf Antikörper gegen das Virus getestet wurden.
  • Jährliche Kontrolluntersuchungen. Das Probenmaterial kann dabei entweder Blut oder Milch sein, wobei die Milchproben als Einzelmilchproben, Poolmilch (bis zu 5 Tieren) oder Sammelmilch von bis zu 50 Tieren [4].
  • Schutz vor Reinfektion von freien Beständen durch Verbringungsverbote und seuchenhygienische Maßnahmen wie zum Beispiel Weideverbote.

Wie schütze ich meinen Betrieb vor BHV-1?

  • Wenn möglich, zeitnahe Merzung der positiv getesteten Tiere
  • Wenn Impfung nötig und erlaubt: Konsequente und ausreichende Impfmaßnahmen! Das heißt: Direkt nach positiver Testung und den Gesamtbestand impfen! Impfschutz durch regelmäßige Nachimpfung aufrechterhalten.
  • Vorsicht bei der Einstellung von neuen Tieren aus anderen Beständen!

 

Autorin: Tierärztin Susanne Falanga
(Stand Dezember 2014)

Literatur:

[1] Friedrich-Loeffler-Institut (Hrsg.) 2014: „Tiergesundheitsjahresbericht 2012.“, S. 47.
[2] Popsil, Z. et al 1996: „Development of a disease control programme based on the use of an inactivated vaccine against infectious bovine rhinotracheitis.“ Vet Microbiology, Nov 53 (1-2), S. 199-206.
[3] Friedrich-Loeffler-Institut, S. 46 f.
[4] Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz/ Niedersächsische Tierseuchenkasse (Hrsg.) 2005: „ BHV-Bekämpfung ist Pflicht.“