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Gesundheitsmonitoring bei Kälbern

Kälbergesundheitsmonitoring

Ein gesundes Kalb ist neugierig, hat ein glänzendes Fell und glänzende Augen. Foto: Dr. Katharina Traulsen

Die Kalbung ist erfolgreich überstanden, Kuh und Kalb sind fürs erste versorgt. Danach beginnt die Routine. Doch oft sieht das folgendermaßen aus: „Nur noch schnell die Kälber füttern…“ Diese Aufgabe wird häufig zuletzt erledigt. Dabei sind gerade neugeborene Kälber gegenüber Haltungs- und Hygienemängeln und Fehler bei der Fütterung sehr anfällig und Krankheits- und Todesfälle sind nicht selten. Denn leider verleitet der häufig geringe finanzielle Wert von Kälbern dazu, die Tiere nicht oder nur halbherzig zu behandeln.

Werden die Kälber aber regelmäßig durch eine sachkundige und verantwortungsvolle Person kontrolliert, können Krankheiten frühzeitig erkannt und unmittelbar behandelt werden. So lassen sich Entwicklungsstörungen und spätere Leistungseinbußen effizient vermeiden.

Ein gesundes Kalb zeigt:

  • ein lebhaftes Verhalten, es ist aufmerksam und neugierig, das Fell ist sauber, glatt und glänzend
  • eine ruhige, unauffällige Atmung (man sieht die Atembewegungen kaum, ein Kalb atmet ca. 20-40 mal pro Minute, es tritt kein Husten oder Nasenausfluss auf)
  • einen starken Saugreflex und lässt keine Mahlzeit ausfallen

Kolostrumversorgung sicherstellen

Die Antikörper aus der Biestmilch (Erstgemelk) sind für Kälber überlebenswichtig, deshalb innerhalb der ersten 7 Lebensstunden 3-4 Liter verabreichen. Am besten über eine Flasche mit Sauger, bei sehr schwachen Kälbern auch drenchen (vom Hoftierarzt/der Hoftierärztin die richtige Technik zeigen lassen!).

Für alle Punkte gilt:

 Bei Abweichungen den Tierarzt/die Tierärztin hinzuziehen bzw. Behandlung frühzeitig einleiten. 

Dokumentation ist wichtig:
Um immer den Überblick zu behalten (besonders wichtig, wenn mehrere Personen die Kälber betreuen), sollten alle Veränderungen und Abweichungen für alle sichtbar notiert werden.

 

 

Was sollte bei Kälbern in den ersten Lebenswochen kontrolliert werden?

Nabelschnurrest kontrollieren

Normalerweise reißt die Nabelschnur unter der Geburt ca. eine Handbreit vom Hautnabel entfernt ab. Die Bauchdecke ist geschlossen. Der Nabelschnurrest (Nabelstrang) ist in den ersten Tagen noch feucht, trocknet aber bis zum vierten Lebenstag ein und fällt nach etwa 2 Wochen ab.

Regelmäßige Sichtkontrolle des Nabels (routinemäßig unmittelbar nach der Abkalbung, nach 5 bis 7 Tagen, bei Umstallung in Gruppenboxen).

Anschauen ist ausreichend, der Nabel sollte nur wenn es unbedingt notwendig ist, und dann auch nur mit Einmalhandschuhen, angefasst werden. Nur in Problembetrieben (wo häufig Nabelentzündungen auftreten, nach Absprache mit dem Tierarzt/der Tierärztin) den Nabel kurz nach der Kalbung mit einer milden Jodtinktur übergießen (den Nabelstrang nicht ausstreifen, aufziehen, abreißen oder abbinden, die Jodlösung nicht einmassieren). Besonders auf eitriges Sekret, Schwellungen, Rötungen und Schmerzhaftigkeit beim Berühren achten.

Auf Durchfallanzeichen achten

Normalerweise sieht der Kot von Kälbern gelblich aus und hat eine pastöse Konsistenz.

Die ersten Anzeichen bei Durchfall: die Kälber erscheinen matt und abgeschlagen, sie ziehen oft den Bauch auf, die Bauchdecke ist gespannt, der Appetit ist vermindert, sie trinken weniger als gewöhnlich. Zu Beginn kann Fieber (über 40°C) auftreten.

Durchfallkot kann dünnbreiig bis wässrig sein, oft sieht er grünlich aus, mitunter können Blutspuren enthalten sein. Der Grad der Austrocknung kann u.a. durch die Beurteilung einer aufgezogenen Hautfalte beurteilt werden: verstreicht sie sofort, ist der Wasserhaushalt des Kalbes in Ordnung, ist das Verstreichen verzögert oder bleibt die Hautfalte stehen, muss dringend Flüssigkeit zugeführt werden.

Körpertemperatur kontrollieren

Normalerweise liegt beim Kalb die Körpertemperatur zwischen 38,8-39,5° C. Bewährt hat sich die rektale Messung (im Enddarm) mit einem Digitalthermometer. Wenn der After nicht richtig geschlossen ist wie beispielsweise bei hochgradigem Durchfall, können die gemessenen Werte zu niedrig sein.

Sobald der kleinste Verdacht besteht, dass ein Kalb krank ist, sollte die Körpertemperatur gemessen werden. Ein Temperaturanstieg ist das erste Zeichen einer beginnenden Erkrankung wie z.B. der Kälbergrippe. Es ist daher ratsam, in kritischen Zeiten (z.B. nach Transporten, Umstallung, Wetterwechsel im Herbst) routinemäßig die Körpertemperatur zu messen. Sobald das erste Kalb einer Gruppe hustet oder schlecht frisst, sollte die gesamte Gruppe auf Fieber überprüft werden.

 

Autorin: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Tierärztin