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Veränderungen an Haut- und Haarkleid

FellHaut- und Haarkleid werden bei allen Lebewesen als Spiegel der Gesundheit bezeichnet. Beobachten wir aufmerksam das Haut- und Haarkleid unserer Herde, kann uns das auch Aufschluss über die allgemeine Gesundheit der Rinder und des Einzeltiers geben. Haare und Haut haben eine Schutzfunktion. Sie sollen vor Umwelteinflüssen wie Sonne, Regen oder Kälte schützen, aber auch vor Fremdsubstanzen und Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen.

Symptome: Das normale Haarkleid

Das Haarkleid gesunder Rinder ist glatt-anliegend und glänzend. Dichte und Länge hängen von der Jahreszeit, der Haltungsform und der Rasse ab. Im Frühjahr und Herbst wechseln die Tiere ihr Haarkleid.

Veränderungen des Haarkleids

Verzögert sich der Haarwechsel einzelner Rinder oder zeigen sich ihre Haare struppig, ist das häufig ein Symptom für chronische, durch Endo- oder Ektoparasiten verursachte Krankheitszustände oder Mängel in der Ernährung. Es ist ratsam, dass Haarkleid auf Parasiten zu durchsuchen, zu überprüfen, ob die Entwarnung regelmäßig durchgeführt wurde, und eventuell den Tierarzt zu Rate zu ziehen. Werden die Kälber mit einem Milchaustauscher gefüttert, sollten Sie unbedingt auch die Konzentration des Milchpulvers überprüfen.
Stumpfes, kräuselndes Haarkleid kann auch ein Symptom für ein Zink- und/oder Seelenmangel sein.

Wechsel der Haarfarbe

verursacht durch Kupfermangel.
Bei schwarzbunten Rindern sind bei Kupfermangel rötlich-braune Haare zu beobachten, bei braunen Tieren sind die Haare weiß gefärbt. Bei chronischem Kupfermangel ist rund um die Augen ein Haarverlust zu sehen bzw. die wenig verbliebenen Haare verfärben sich. Es wirkt, als hätten die Rinder eine Brille auf.

Haarausfall (Alopezie)

Selten tritt Haarausfall am ganzen Körper auf. Häufiger sehen wir Haarausfall an einigen ausgewählten Körperstellen, die uns auch einen Rückschluss auf die Ursache ziehen lassen.

Haarausfall durch Juckreiz/Parasiten

Haarausfall durch Läuse und Haarlinge. Entfernt man einige Haare im betroffenen Bereich (erkennbar anfänglich auch durch Haarbruch), kann man manchmal einen Parasiten oder seine Eier im Gegenlicht mit bloßem Auge erkennen. Beim Rind kommt am häufigsten die sogenannte Steißräude am Schwanzansatz vor. Es gibt aber auch die Kopfräude, die am Kopf beginnt und später den ganzen Körper befallen kann sowie die Körperräude, die zunächst an Rumpf und Hals beginnt und sich dann über den ganzen Körper ausbreitet. Räude zeigt sich anfänglich durch haarlose Stellen, die später borkige Auflagen zeigen und die Tiere jucken sich stark. Dadurch entsteht eine große Unruhe in der Herde, Leistungsabfall und Abmagerung. Näheres zur Räude finden Sie hier

Haarausfall durch Pilzinfektionen

Insbesondere bei Jungtieren kann eine Infektion mit dem Hautpilz Trichophyton verrucosum (die so gen. Kälberflechte – Trichophytie) zu charakteristischen, kreisrunden, haarlosen Stellen führen, die einen krustösen, schuppenden Belag haben. Achtung, dieser Hautpilz kann auch Kinder befallen, die viel Kontakt mit infizierten Kälbern haben. Mehr über die Kälberflechte finden Sie hier. Kälber mit chronischen Durchfall zeigen symptomatisch haarlose Stellen im Bereich des Anus, der Hinterbeine, an den Gelenken sowie um die Augen.

Die gesunde Haut des Rindes

Die gesunde Haut des Rindes hat eine weiche Elastizität und eine gewisse Fettigkeit. Die Haut kann man in mehrere Schichten einteilen. Für uns wichtig ist eine Aufteilung in Haut (als oberste Schicht) und die Unterhaut. Die Unterhaut bestimmt den sogenannten Hautturgor. Er gibt Hinweis auf den Flüssigkeitshaushalt des Rindes. Überprüfen kann man den Hautturgor ganz einfach, indem man eine Hautfalte an der Halsseite des Rindes zieht und sie verstreichen lässt. Bei gesunden Tieren verstreicht die Hautfalte sofort. Bleibt die Hautfalte längere Zeit bestehen, sollte man versuchen, den Flüssigkeitshaushalt des Tieres auszugleichen, z. B. mit einer Infusion durch den Tierarzt.

Veränderungen an der Haut

Die Veränderungen an der Haut können vielfältig sein. Folgende Veränderungen/Merkmale treten am häufigsten auf.

  1. Juckreiz
    Ob das Rind Juckreiz hat, ist einfach selber zu überprüfen. Kratzt man mit einem starken Strohhalm, einem Stöckchen an einigen Hautstellen des Tieres und das Rind zeigt Wohlbefinden (Schwanzschlagen, Hinkrümmen zum kratzenden Gegenstand), juckt es das Tier. Bitte überprüfen sie das Tier auf Parasiten. Meist üben die Räudemilbeneinen solchen Juckreiz aus.
  2. Verdickte Haut, Haut mit Borkenbildung
    Ursachen hierfür können unter anderem die Räude oder Zinkmangel sein.
  3. Entzündungen der Haut
    mit kleinen Rötungen oder Bläschenbildungen – Verdacht auf Infektionskrankheiten wie BVD, MKS usw., je nach Lokalisation der Entzündungen. Aktion: Fieber messen, Tier separieren und Tierarzt rufen.
  4. Warzen
    Warzen beim Rind nennt man auch Papillome. Sie treten meistens beim Jungtier auf und dort gerne am Kopf, Hals, Unterbauch und Euter. In den meisten Fällen gehen sie nach einer gewissen Zeit alleine wieder zurück , Sie och sollten aber beobachten, ob sich weitere Tiere anstecken oder die Warzen aufreißen. Spätestens dann sollten Sie einen Tierarzt zu Rate ziehen.
  5. Absterben von Hautbezirken
    Liegebeulen: Bei festliegenden Rindern findet man häufiger Liegebeulen an Körperstellen, die überdurchschnittlich belastet werden wie z. B. Knie- und Sprunggelenk. Ursache dafür können aber auch Stalleinrichtungen sein, wenn z. B. die Liegebox zu kurz ist und die Tiere immer mit dem Sprunggelenk auf dem Betonabschluss liegen (Stichwort Technopathien).
  6. Sonnenbrand/Photosensibilitätsreaktion
    Werden hellhäutige Rinder übermäßiger Sonne ausgesetzt bzw. liegt eine andere Grunderkrankung vor und die Rinder werden sensibler gegenüber Licht (z. B. bei Veränderungen des Lebergewebes durch Leberegelbefall), lösen sich Hautfetzen ab und es entstehen großflächige Wunden. Diese Rinder sollten Sie sofort einstallen, Hautflächen behandeln und die Grunderkrankung behandeln.

Veränderungen an der Unterhaut

Umfangsvermehrungen

Die wichtigste Umfangsvermehrung in der Unterhaut ist das Ödem. Ein Ödem ist eine Flüssigkeitsansammlung und es kann in verschiedenen Graden und Ausmaßen bestehen. Je nach Ausmaß des Ödems erhält das Rind ein schwammiges Aussehen. Drückt man ca. 30 sec auf ein Ödem, wird die Flüssigkeit verdrängt und es entsteht eine Delle, die auch erst langsam wieder verstreicht.
Ein ganz natürliches Ödem entsteht beim sogenannten „Aufeutern“ im Zusammenhang mit der Geburtsvorbereitung.
Sehen wir ein solches Ödem beim Rind, sollten wir überprüfen, ob es warm, gerötet oder schmerzhaft ist.
Wenn ja, dann ist es entzündet und Sie müssen es aufmerksam beobachtet bzw. dem Tierarzt vor stellen.

Es gibt noch zwei andere gängige Arten von Umfangsvermehrungen: den Abszess und das Hämatom:

Der Abszess ist eine Umfangsvermehrung, die mit Eiter gefüllt ist, und die sich derb, prall und flukturierend anfühlt. Je nach Ort des Abszess und wo er aufbricht (nach innen oder außen; mit Beteiligung eines großen Blutgefäß oder nicht), kann ein Abszess eine ernstzunehmende Erkrankung darstellen und muss genauestens beobachtet werden.

Blutergüsse fühlen sich im Gegensatz zum Abszess weniger prall an, sie schwappen mehr und sind nicht ganz so schmerzhaft. Sie treten häufig bei horntragenden Herden auf und sollten auch beobachtet werden. In den meisten Fällen wird der Bluterguss vom Körper resorbiert. Es kann aber auch die Gefahr bestehen, dass ein Bluterguss sich abkapselt (selten) und aufbricht bzw. sich infiziert. Deshalb sollte auch aus diesem Grund ein Bluterguss sorgfältig überwacht werden.

Eine spezielle Form der Umfangsvermehrung können die Beulen der Dassellarven sein. Diese Parasitose kommt aber nur noch selten in Deutschland vor. Weitere Informationen über den Dasselfliegenbefall finden Sie hier.

Sichtbare Schleimhäute

Normale Beschaffenheit von Flotzmaul, Naseneingang, Maulhöhle, Auge, Augenlider und Scheide sind beim gesunden Rind feucht-glänzend, glatt und von blass-rosa Farbe.
Kapilläre Füllungszeit: an den Schleimhäuten kann einfach überprüft werden, ob die Tiere ausgetrocknet sind bzw. im Schock sind oder nicht. Dafür drückt man leicht mit einem Finger auf die obere Maulschleimhaut. Entfernen Sie den Finger, wird das Blut gewichen sein und die Druckstelle ist hell. Innerhalb von zwei Sekunden wird sich bei einem gesunden Tier wieder die normale Maulschleimhautfärbung (blass-rosa) einstellen. Dauert es länger (über vier Sekunden) bedarf das Rind Flüssigkeit.

Veränderungen der Schleimhäute

Blässe der Schleimhäute: bisweilen Porzellan-weiß – deutet auf einen starken Blutverlust hin.

bläulich-violette Verfärbung der Schleimhäute: Kreislaufschwäche, hochgradige Störung des Atmungsapparates.

Rötungen der Schleimhäute: können auf ein Entzündungsgeschehen hinweisen; kann einhergehen mit unterschiedlich starker Bläschenbildung – häufig schwerwiegendes Infektionsgeschehen wie BVD oder auch Maul- und Klauenseuche.

schmutzigrot-verwaschene Schleimhäute: schwerwiegende Allgemeininfektion (eventuell auch Vergiftung), oft einhergehend mit stumpfpappiger Oberfläche – Zeichen für eine Austrocknung der Tiere.

gelbe Schleimhäute: sog. Ikterus; Störung des Gallenabflusses oder krankhafter Leberstoffwechsel

Aktion: weisen die Schleimhäute eine dieser Veränderungen auf, sollten Sie einen Tierarzt hinzurufen.

Hinweis: Dieser Artikel enthält Hinweise, wie eine mögliche Veränderung des Haut- und Haarkleids bewertet werden kann. Dabei wurden die wahrscheinlichsten Möglichkeiten aufgezählt. Jedes Lebewesen und jeder Krankheitsverlauf ist aber individuell und deshalb kann es auch andere Gründe für eine erhöhte oder erniedrigte Körpertemperatur geben. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen Tierarzt frühzeitig herbeizurufen, der das auffällige Tier vor Ort untersuchen kann, eine Diagnose stellt und die dementsprechende Therapie einleitet.