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Paratuberkulose – schleichende Erkrankung in der Rinderherde

Bei der Erkrankung kommt es zu starker Abmagerung der betroffenen Tiere. Foto: Hruschka

Bei der Erkrankung kommt es zu starker Abmagerung der betroffenen Tiere. Foto: Hruschka

Die Paratuberkulose ist eine weltweit verbreitete, unheilbare Krankheit von Rindern, Schafen, Ziegen und Wildwiederkäuern. Erreger ist ein Bakterium mit dem wissenschaftlichen Namen Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis – abgekürzt Map. Die meisten Tiere infizieren sich bereits im Jungtieralter, Krankheitssymptome treten allerdings erst Jahre später auf. Der Erreger löst eine chronische Darmentzündung aus. Eine Behandlung ist nicht möglich, infizierte Tiere sterben. In Deutschland zählt die Paratuberkulose zu den meldepflichtigen Tierkrankheiten.

Die Wissenschaft diskutiert, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Morbus Crohn beim Menschen, einer chronischen Darmentzündung und der Paratuberkulose beim Tier besteht.

Flaschenhalsödeme können durch den eintretenden Verlust von Proteinen auftreten.

Flaschenhalsödeme können durch den eintretenden Verlust von Proteinen auftreten. Foto: Hruschka

Woran erkenne ich, ob mein Rind an Paratuberkulose erkrankt ist?

In der Regel erkranken infizierte Tiere im Alter von drei bis sechs Jahren, meistens nach einer Kalbung oder ähnlichen Stressituation. Sie zeigen folgende Symptome:

  • anhaltender Durchfall (Wochen bis Monate lang), mit Bläschenbildung
  • Tiere magern sehr stark ab bei weiterhin guter Futteraufnahme
  • Milchleistung sinkt um 10-20%. Im stark fortgeschrittenen Stadium kann die Milchproduktion ganz zum Erliegen kommen
  • Kälber erkrankter Tiere sind bei der Geburt oft zu leicht
  • Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen) im Kehlbereich und Unterbauch

Der Erreger: Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (Map)“

Der Erreger der Paratuberkulose ist das Bakterium Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis – abgekürzt Map. Kennzeichnend für den Erreger ist:

  • er hat eine lange Inkubationszeit – bis zu zehn Jahre.
  • er verfügt über eine hohe Widerstandskraft gegenüber äußeren Einflüssen, d.h. Kälte, Hitze, Desinfektion machen ihm wenig aus
  • das Bakterium kann bis zu einem Jahr außerhalb des Tieres überleben, zum Beispiel in der Erde, Gülle, auf der Weide.

Infektion und Verbreitung

Der Erreger Map wird hauptsächlich über den Kot ausgeschieden. Es finden sich aber auch Maps in der Milch, im Sperma und im Harn. Rinder jeden Alters können sich mit diesen Erregern infizieren – besonders empfänglich sind aber Kälber im ersten Lebensjahr.

Die häufigsten Ansteckungsquellen sind:

  • erregerhaltige Milch
  • kotverschmutzte Zitzen
  • Weiden, Wasser, Futtermittel, Oberflächen, Einstreu, die mit Kot verschmutzt sind
  • kotverschmutzte Arbeitskleidung.

Kälber können sich auch schon im Mutterleib anstecken.

  1. Stadium – Infektionsstadium
    Nach der Infektion, die meistens im Jungtieralter auftritt, können die infizierten Tiere ein bis zehn Jahre völlig unauffällig sein und keine Krankheitssymptome zeigen. Der Erreger MAP befindet sich in den sogenannten Fresszellen des Darmes und ruht.
  2. Stadium – subklinisches Stadium
    Dieses Stadium kann Monate bis Jahre andauern. In dieser Zeit zeigen die infizierten Tiere keine klinischen Symptome, aber sie scheiden mit Kot, Milch, Harn und Sperma den Erreger aus und infizieren Tiere in ihrer Umwelt. Auslöser für den Übergang in dieses Stadium sind Stressfaktoren wie Abkalbungen, andere Erkrankungen, Futterumstellungen.
  3. Stadium – klinisches Stadium
    Die Tiere zeigen die oben beschriebenen deutlichen Symptome und scheiden jetzt massenhaft Erreger aus. Dieses Stadium kann je nach Schwere wenige Wochen bis einige Monate andauern.
Eine chronische Entzündung des Darms durch den Erreger MAP. Foto: University of Glasgow

Eine chronische Entzündung des Darms durch den Erreger MAP. Foto: University of Glasgow

Die Spitze des Eisbergs

Dieses Bild wird immer wieder im Zuge der Paratuberkulose gebraucht. Da infizierte Tiere lange Zeit nicht klinisch erkranken, breitet sich er Erreger unentdeckt im Bestand aus. Die erkrankten Tiere sind dann bei Feststellung der Erkrankung nur die „Spitze des Eisbergs“. Bei einer Herde von 100 Kühen rechnet man bei ein bis zwei klinisch erkrankten Tieren mit vier bis acht weiteren subklinisch erkrankten Tieren und weiteren 10 bis 14 infizierten Tieren.

 

Bekämpfung der Paratuberkulose im Bestand

Der oben beschriebene Krankheitsverlauf macht eine Bestandssanierung der Paratuberkulose enorm schwierig. Tiere im subklinischen Stadium verbreiten den Erreger im Bestand, zeigen aber noch keine klinischen Erscheinungen. So bleibt die Krankheit lange unentdeckt und die Diagnose ist nur mittels Labordiagnostik möglich.

Labordiagnostisch kann der Erreger im Blut bzw. Kot infizierte Tiere identifiziert werden, doch dies ist sehr zeitintensiv und schwierig. Gepoolte Proben werden auf Antikörper untersucht um den Herdenstatus zu untersuchen, allerdings ist diese Methode unzuverlässiger. Deshalb werden in den meisten Fällen diese beiden Untersuchungsmethoden kombiniert. Empfohlen wird in Paratuberkulose-positiven Betrieben.

  • Tiere, die MAP ausscheiden, sofort aus dem Bestand entfernen bzw. zu separieren.
  • Tiere, bei denen Antikörper nachgewiesen werden konnten, möglichst bald aus dem Bestand zu entfernen und auf jeden Fall bei der kritischen Phase um die Geburt herum die Tiere separieren.
  • Kälber MAP- positiver Tiere müssen sofort nach der Abkalbung vom Muttertier entfernt werden.
  • Biestmilch MAP-positiver Tiere darf auf keinen Fall vertränkt werden.
  • Kälberaufzucht muss deutlich vom Rinder, Kuh und Jungtierbereich getrennt werden, da in den ersten zwölf Monaten die Kälber besonders empfänglich sind für den Erreger.
  • Gülle und Mist darf nicht auf Weiden ausgebracht werden.
  • Strikte Trennung zwischen Kälber- und Jungtierweiden und Kuhweiden bzw. Weiden, die von Schafen benutzt wurden. Einige Bundesländer haben Sanierungsprogramme installiert, um Landwirte Paratuberkuloser-positiver Betriebe die Sanierung zu erleichtern. Die konkrete Situation vor Ort sollten Sie deshalb immer mit Hoftierarzt besprechen.

Wie kann ich meine Herde vor Paratuberkulose schützen?

  • Zukauf nur von Herden mit Status Paratuberkulose-unverdächtig
  • keine fremde Gülle und Mist auf den hofeigenen Weiden
  • Durchtrieb von Schaf- und Ziegenherden verbieten
  • hofeigene Kleidung für Fremdpersonal wie Tierarzt, Besamer, Viehhändler etc. zur Verfügung stellen

Literaturempfehlung: Paratuberkulose beim Rind, aid-Infodienst, 2007.

Gesetzliche Bestimmungen zur Paratuberkulose 

Hygieneleitlinien für das Halten von Wiederkäuern des Bundesministerium vom 7. Juli 2014. Spezieller Teil über Paratuberkulose