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Neosporose beim Rind

Frühjahrsarbeit – Wurmprophylaxe für erstsömmrige Tiere

Treten Aborte in der Rinderherde auf, müssen Landwirt und Hoftierarzt dringend nach den Ursachen suchen. Einer der wichtigsten Abortverursacher weltweit beim Rind ist der Parasit Neospora caninum. Nur wenige Einzelstudien geben Aufschluss über den Durchseuchungsgrad deutscher Milchviehherden. Eine Untersuchung in Nordbayern zeigte, dass von 1357 Rindern immerhin 92 Rinder, also ein beachtlicher Anteil von 6,8 Prozent, serologisch positiv waren. 2013 diagnostizierte das Landeslabor Schleswig-Holstein bei 14,9% des eingeschickten Abortmaterials den Erreger Neospora caninum.

Symptome: Das Krankheitsbild Neosporose beim Rind

Das Krankheitsbild Neosporose beim Rind

Neosporose wird durch einen einzelligen Parasiten hervorgerufen, Neospora caninum. Dieser Parasit setzt sich nach der Infektion des Rindes in verschiedenen Geweben, vor allem im Hirn, fest. Das infizierte Rind produziert Antikörper, diese können aber den im Gewebe versteckten Erreger nicht abtöten. Infizierte Rinder bleiben daher lebenslänglich Träger des Parasiten. Die Infektion mit Neospora caninum kann Symptome wie Lebens-schwäche, Blindheit sowie unsicheren Gang (oculocelebräres Syndrom) hervorrufen. Meistens sind jedoch keine Krankheitssymptome sichtbar. Das Leitsymptom sind Fruchtbarkeitsprobleme, am deutlichsten sichtbar durch Verkalbungen. Derzeit ist die Neosporose beim Rind nicht behandelbar.

Wie wird Neospora caninum übertragen?

Wie wird Neospora caninum übertragen?

Es gibt zwei unterschiedliche Übertragungswege für den Erreger:

  • Erstens kann sich das Kalb über die so gen. vertikale Übertragung infizieren. Dabei überträgt die infizierte Mutterkuh den Erreger auf ihre Nachkommen im Mutterleib. Das Muttertier zeigt keine Krankheitsanzeichen und auch das Kalb kann augenscheinlich gesund auf die Welt kommen. 15% aller Trächtigkeiten infizierter Kühe führen aller-dings zum Abort, wobei der Infektionszeitpunkt des Fötus ausschlaggebend zu sein scheint. Eine infizierte Trägerkuh kann also einmal abortieren, dann wieder ein leben-des, aber infiziertes oder auch ein nicht infiziertes Kalb gebären, und dann wieder abortieren. Dies macht es für den Landwirt schwierig, ein Muster in dem Abortgesche-hen zu erkennen und Maßnahmen zu ergreifen. Wird mit einem chronisch infizierten Tier weitergezüchtet, wächst die Anzahl der chronisch infizierten Rinder und es ent-steht eine Herde, in der es immer wieder zu Aborten kommen kann (so gen. chroni-sches Abortgeschehen). Ungefähr 90% aller Neospora-Infektionen werden von dem Muttertier vertikal auf das Kalb übertragen.
  • Der zweite Weg der Übertragung ist die horizontale Übertragung. Hier spielen Hunde eine wichtige Rolle, da sie die Endwirte des Parasiten sind. Nimmt der Hund Parasiten auf, entwickeln sich in ihm drei bis fünf Tage nach der Infektion die so gen. Oozysten, das infektiöse Stadium von Neospora caninum, die er ungefähr zwei bis drei Wochen lang im Kot ausscheidet. Der infizierte Kot verschmutzt die Weide oder auch das ge-schnittene Grünfutter. Inwiefern der Erreger die Heu- und Silagegewinnung überlebt, ist bisher ungeklärt. Oozysten sind sehr widerstandsfähig in der Umwelt und bleiben auf der Weide über mehrere Monate infektiös. Nimmt die Kuh eine größere Anzahl von Oozysten auf, ist sie mit Neospora caninum infiziert und die Kuh kann das beschriebe-ne Krankheitsbild entwickeln.

Die Übertragung von Neospora caninum auf den Hund

Die Übertragung von Neospora caninum auf den Hund

Nachgeburten müssen generell so entsorgt werden, dass sie von keinem Hund und Rind gefressen werden können. Foto: Dr. Christiane Zaspel

Dafür gibt es gleichfalls zwei Wege. Bei der Geburt oder beim Abort scheidet die infizierte Kuh Unmengen von Parasiten aus. Fressen Hofhunde diese infizierten Fruchthüllen oder den abortierten Fetus, scheiden sie nach wenigen Tagen viele Erreger aus, und weitere Rinder können sich infizieren. Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich ge-sunde Rinder durch das Fressen infizierter Nachgeburten anstecken. Eine andere Mög-lichkeit ist, dass Hundehalter rohes Fleisch füttern, das infiziert ist. Hunde, die aus-schließlich Dosenfutter oder Trockenfutter fressen, können sich nicht über das Futter infizieren, da Neospora caninum bei der Konservierung abgetötet wird.

Kann Hundekot von Freizeithunden auf Weiden Rinder infizieren?

Kann Hundekot von Freizeithunden auf Weiden Rinder infizieren?

Freizeithunde gelten nicht als Gefahr für eine Neospora-Infektion. Dennoch kann die Anleinung in der Nähe von Rinderweiden eine Menge Ärger ersparen. Foto: Kristin Resch

Rinderhalter haben das berechtigte Interesse, das Risiko einer Neosporoseinfektion für ihre Herde möglichst gering zu halten. Mehrere Untersuchungen belegen jedoch deut-lich, dass der Kot von Freizeithunden auf Rinderweiden eine zu vernachlässigende In-fektionsquelle für Neospora caninum ist.

 

So können Sie Neospora caninum auf dem Rinderbetrieb vermeiden

So können Sie Neospora caninum auf dem Rinderbetrieb vermeiden

Vertikale Übertragung (90% aller Infektionen):

  • Dokumentation aller Aborte! Ein Hinweis auf eine Neospora-Infektion kann sein, dass in einer mütterlichen Linie mehr Aborte auftreten als im Rest der Herde.
  •  Laboruntersuchung aller Aborte. Ist die Kuh positiv getestet, müssen Sie Vorsichts-maßnahmen bei einer möglichen nächsten Abkalbung treffen. Auf lange Sicht müs-sen solche Tiere gemerzt werden.

Horizontale Übertragung (10% aller Infektionen):

  • Hundeverbote in Weidegebieten – ein Muss wegen Neospora-Parasiten? Foto: Kristin Resch

    Nachgeburt und Fehlgeburt umgehend aus Ihrem Stall entfernen und diese so ent-sorgen, dass nicht der Hofhund oder Nachbarshund sie fressen kann.

  • Hundekot darf generell nicht das Rinderfutter verunreinigen; d.h. Hofhund und Be-suchshunde haben Stallverbot.
  • Untersuchung der Zukaufstiere mittels Blutprobe auf Neospora caninum – Antikörper.