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Arbeitsanleitung Stallapotheke

Medikamente im Kühlschrank

Medikamente im Kühlschrank

Verunsichert durch vermehrte Kontrollen der Stallapotheken in den letzten Monaten und durch rechtliche Neuregelungen, fragen sich viele Landwirte, was denn überhaupt noch in ihre Tierapotheke darf.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen die wichtigsten arzneimittelrechtlichen Begriffe erläutern, die die Stallapotheke betreffen, so dass Sie sicherer sind im Umgang mit dem Gesetz in der Praxis. Anhand von vielen praktischen Beispielen machen wir Ihnen deutlich, welche Arzneimittel sich unter welchen Bedingungen im Stall befinden dürfen.

Fragen und Antworten

Wie bewahre ich Arzneimittel praktisch und sachgerecht auf?

  • abschließbarer Arzneimittelschrank (nur für befugte Personen zugänglich)
  • Ort: in der Nähe der Krankenbox und des Bestandsbuchs (Anwendungen müssen unverzüglich eingetragen werden!)
  • der Ort des Arzneimittelschranks sollte folgende Kriterien erfüllen: sauber, hell, frostsicher, aber auch nicht im direkten Sonnenlicht
  • saubere Einwegspritzen, Kanülen, Einweghandschuhe sowie Desinfektionsmittel zur Einstichstelle befinden sich auch hier
  • ebenso ein verschließbarer Mülleimer, der die benutzten Kanülen und Spritzen aufnimmt
  • ein Kühlschrank für die zu kühlenden Arzneimittel (Hinweis zur Kühlung befindet sich auf den Umverpackungen der Arzneimittel)

 

Welche Arten von Tierarzneimittel gibt es und was darf darf ich damit tun?

Das Tierarzneimittelrecht unterscheidet drei Arten von Arzneimittel:

  1. freiverkäufliche (dürfen von Landwirt angewendet werden ohne Konsultation eines Tierarztes; Erwerb im Landfachhandel etc.) – z.B. Melkfett
  2. apothekenpflichtige (dürfen von Landwirt angewendet werden strikt nach Packungsbeilage; Bezug nur über Apotheke oder Tierarzt) – häufig Homöopathika.
  3. verschreibungspflichtige (Bezug über den Tierarzt nach Konsultation und nur mit einer Behandlungsanweisung bzw. Bezug über die Apotheke mit einem tierärztlichen Rezept).

Fast alle Arzneimittel für lebensmittelliefernde Tiere sind verschreibungspflichtig.

Darf der Landwirt sich mit Tierarzneimitteln bevorraten?

Die Bevorratung mit Tierarzneimitteln ist verboten.

Nachbehandlung und damit auch Abgabe verschreibungspflichtiger Tierarzneimittel an den Landwirt ist reguliert und an folgende Bedingungen geknüpft:

  • Landwirt muss Sachkunde besitzen
  • 7-Tage-Regel: max. Abgabemenge für systemisch wirkende Antibiotika nach Erstkonsultation durch den Tierarzt (es sei denn Hersteller verfügt über einen längeren Behandlungszeitraum); z.B. Nachbehandlung einer Gebärmutterentzündung mit einem systemisch wirkenden Antibiotikum
  • 31-Tage-Regel: max. Abgabemenge für lokal wirkende Antibiotika (z.B. Eutertuben) bzw. alle anderen verschreibungspflichtigen Wirkstoffgruppen (Wurmkuren etc.) durch den Tierarzt; z.B. Abgabe von antibiotischen Trockenstellern für alle Kühe, die im folgenden Monaten trockengestellt werden sollen ist zulässig.

Grundsätzlich dienen Betreuungsverträge und standardisierte Behandlungspläne der Transparenz und der gegenseitigen Absicherung sowohl dem Tierarzt wie auch dem Landwirt!

Was passiert mit den Arzneimittelresten, wenn zum Beispiel die zu behandelnde Kuh gestorben ist?

Um auf der sicheren Seite zu sein, muss der Landwirt diese Reste am besten sachgerecht entsorgen. Eine Anwendung am Tier ist nur nach erneuter Verordnung durch den Tierarzt zulässig.

Arzneimittelgruppen mit besonderen Regelungen
  • nur der Tierarzt darf Hormone, Impfstoffe und Betäubungsmittel bei lebensmittelliefernden Tieren anwenden. Ausnahmen gelten für bestimmte Anwendungen von Hormonen und Impfstoffen – die Abgabe von Betäubungsmitteln ist strengstens verboten.
Ausnahmen für die Anwendung von Hormonen:
  • im zootechnischen Einsatz zur Brunstsynchronisation beim Rind mit Prostaglandin F 2 α und/oder Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ebenso wie zur Vorbereitung zum Embryotransfer
Ausnahmen für die Anwendung von Impfstoffen
  • nur nicht amtlich angeordnete bzw. tierseuchenrechtlich geregelte Impfungen dürfen nach strenger Einweisung und Kontrolle durch den Hoftierarzt mit Anzeige beim Veterinäramt vom Tierhalter selber durchgeführt werden. Bsp: Impfung gegen Rindergrippe oder Moderhinkeimpfung beim Schaf.

Autorin: Kristin Resch, Tierärztin, M.A.
(Stand November 2014)