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Der Teufelskreislaufs des Hitzestress

Im Vorwartebereich herrschen oft hohe Temperaturen. Diese können vermieden werden durch Ventilatoren oder auch Wasserkühlung - wie hier im Bild zu sehen.

Im Vorwartebereich herrschen oft hohe Temperaturen. Diese können vermieden werden durch Ventilatoren oder auch Wasserkühlung – wie hier im Bild zu sehen.

Eine Kuh, die viel Milch gibt, erbringt eine enorme Stoffwechselleistung. Dadurch entsteht viel Wärme. Die Kuh kann sie nur über die Haut abgeben. Bei einer erhöhten Umgebungstemperatur und hohen Luftfeuchtigkeit ist die Kuh nicht mehr in der Lage, diese Wärme physiologisch abzugeben. Sie gerät unter Hitzestress.

Zunächst steht die Kuh auf. So setzt sie mehr Hautfläche einem Luftzug aus und kann mehr Strahlungswärme abgeben. Konsequenz davon ist allerdings, dass sie weniger wiederkäut und weniger Futter aufnimmt, obwohl der Körper mehr Energie verbraucht. Die Kuh beginnt außerdem das Hecheln und verliert dadurch Speichel. Das führt zu einem Verlust von Puffersubstanzen im Pansen. Zugleich schwitzt die Kuh und scheidet dadurch vermehrt Mineralstoffe aus.

Der Energiemangel schwächt das Immunsystem und es treten vermehrt Mastitiden auf. Eine überhöhte Pansenübersäuerung führt zu einem Verfall der Pansenbakterien. Die Endotoxine, die bei diesem Vorgang  entstehen, beeinträchtigen die Klauengesundheit. Wird dieser Kreislauf nicht durchbrochen, können hohe Sommertemperaturen folgende Konsequenzen haben:

  • vermehrte Zellzahlen bis hin zu erhöhten Mastitiszahlen,
  • geringere Milchfett- und Milcheiweißgehalte,
  • Abfall der Milchmenge und der Trächtigkeitsrate. 

Was können Sie als Landwirt akut gegen Hitzestress machen? Wie können Sie  prophylaktisch mit Umbaumaßnahmen Hitzestress vorbeugen?

Fragen und Antworten

Wann leidet die Kuh unter Hitzestress?

Hitzestress entsteht durch das Zusammenspiel von Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Als Richtwert dient derzeit, dass die Kuh ab einer Temperatur von 24 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 70% Hitzestress empfindet.

Praxistipp:

Installieren Sie Thermometer und Hygrometer zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit an relevanten Stellen in ihrem Kuhstall (Futtertisch, Liegebereich, Vorwartehof, Kälberstall). Damit können Sie die tatsächlichen Werte messen, in denen Ihre Kühe und Kälber leben und Sie können schnell Gegenmaßnahmen bei zu hohen Umgebungstemperaturen ergreifen.

  • Woran erkenne ich äußerlich, dass meine Kühe an Hitzestress leiden:
  • Mehrzahl der Herde steht, bevorzugt an Plätzen mit Luftzug (Gang, Tor).
  • liegende Tiere pumpen und haben eine erhöhte Atemfrequenz (bis zu 80 Atemzüge/Minute).
  • bei starker Hitze stehen die Tiere mit langem Hals und geöffnetem Maul dar, Zunge draußen, Schaumbildung am Maul.

Welche Kennwerte verändern sich bei Hitzestress?

  • Curtains

    Curtains sind eine gute Lösung, um im Sommer möglichst viel Luftzirkulation im Kuhstall zu erreichen.

    Rektaltemperatur steigt bei einem Großteil der Herde auf über 39 Grad Celsius an.

  • Futteraufnahme sinkt um 10-25%.
  • Nach etwa drei Tagen Hitzestress sinkt die Milchleistung.
  • Brunstintensität und Brunstdauer nehmen ab.
  • Vermehrter embryonaler Frühtod.
  • Bei Trockenstehern: vermindertes Geburtsgewicht der Kälber, erhöhte Stoffwechselproblematik bei Frühlaktierenden, schlechtere Laktationsleistung[/one_half]

 

Arbeitsanleitung: Hitzestress bei Rindern

Soforthilfemaßnahmen bei hohen Umgebungstemperaturen:

  • Stress vermeiden: Umtreiben der Kühe in die kühleren Stunden des Tages verlegen, spätestens jetzt die Überbelegung des Stalles auflösen durch ausgewogene Gruppenbildung, gutes Fliegenmanagement.
  • Ausreichende Wasserversorgung: eine Ventiltrogtränke (Durchflussrate >20 l/min) für 15 Kühe oder eine Tränkewanne (50 l Fassungsvermögen und Durchflussrate >30 l/min).Tränken müssen für alle Kühe leicht erreichbar sein.
  • Luftbewegung erhöhen: alles, was zu öffnen ist, öffnen: Seitenwände, Tore, First etc.
  • Grundsätzlich ist Weidegang zu befürworten, aber nur wenn dort Schatten vorhanden ist bzw. nachts. Wasser muss auf der Weide verfügbar sein.

  • Mehrmals am Tag füttern; Futter anschieben, damit Futteraufnahme angeregt wird.
  • Reduzierte Futteraufnahme ausgleichen durch erhöhte Energiedichte der Ration (Einsatz von pansenstabilen Futterfetten und glucoplastischen Energieträgern wie Propylenglycol und Glycerin); dabei weiterhin ein ausgewogenes Grundfutter-Kraftfutter-Verhältnis im Auge behalten, da es sonst zu einer Übersäuerung des Pansens kommt.
  • Elektrolythaushalt ausgleichen durch etwa 10 % mehr Mineralfutter und Viehsalz.
  • Pansenhaushalt stabilisieren durch Einsatz von Pufferprodukten wie z. B. Natriumbicarbonat und Lebendhefe.
  • Nacherwärmung der Silage vermeiden durch Einsatz qualitativ hochwertiger Silage und evtl. Einsatz konservierender Produkte.
  • Oxidativer Stress kann reduziert werden durch Vitamin E-Zulage, Selen und beta-Karotin.

Bauliche Maßnahmen, die helfen, hohe Umgebungstemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit erträglich zu machen:

  • Lüftung durch Ventilatoren, besonders in den Regionen von besonders hoher Wärmeentwicklung wie Vorwartehof, Melkstand, Melkroboter, aber auch im Liege- und Fressbereich.
  • Wasserkühlung der Kühe durch Intervallduschen.
  • Kombination von Luft und Wasser durch sog. Verneblungslüfter 
  • Jalousielüftung.
  • Strahlungswärme vom Stalldach reduzieren durch helle Dacheindeckung, isolierende Sandwichelemente, Beschattung durch Photovoltaikanlagen.

Weidegang

Weidegang bei hohen Aussentemperaturen bitte nur mit Schattenplätzen und ausreichender Tränkeversorgung

Eine Untersuchung zeigte, dass Hitzstress bei Kälbern schon früher einsetzt als bei Milchkühen. Kritisch ist eine Umgebungstemperatur von 22 Grad Celsius, die schnell in Kälberställen, besonders in Kälberiglus erreicht werden.

Hier helfen folgende Maßnahmen:
  • Ausrichtung der Hütte nach Norden (größtmöglicher Schattenwurf).
  • zusätzliches Schattendach.
  • Kälberiglus mit einem Betonklotz hinten hochstellen (ca. 20 cm) – erhöht deutlich die Luftzirkulation und senkt die Temperatur bedeutend ab.