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Symptome zum Atemwegskomplex

In Deutschland erkrankt durchschnittlich jedes vierte Kalb in seinem ersten Lebensjahr an einer Atemwegsinfektion. Die häufigste Erkrankung der Atemwege ist die Rindergrippe. Sie ist nach dem Kälberdurchfall die wirtschaftlich verlustreichste Jungtiererkrankung. Aber auch wichtige Tierseuchen wie die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR) oder auch das Bösartige Katarrhalfieber zeigen Leitsymptome aus dem Atemwegskomplex.

Hier finden sie Informationen zu den Hauptsymptomen von Atemwegserkrankungen. Damit erhalten Sie wichtige Informationen, worauf Sie bei der Untersuchung der Atemwege achten sollen und wie Sie Ihre Beobachtungen interpretieren können.

Veränderte Atmung

Möchten Sie die Atmung beurteilen, sind vier Kriterien zu beachten: die Atemfrequenz, der Atmungstyp, der Atmungszeitquotient und eventuelle Nebengeräusche.

  • Die Atemfrequenz
    Die Atemfrequenz des gesunden Rindes beträgt 25-35 Atemzüge/min, des Kalbes 30-45 Atemzüge/min.
    Am besten kann man die Atemfrequenz zählen, wenn man das Tier schräg von hinten betrachtet und das Heben und Senken der seitlichen Bauchwand zählt.Eine erhöhte Atemfrequenz kann physiologisch erklärt werden durch
    – Stress und Bewegung
    – Trächtigkeit, hohe Laktationsleistungen
    – hohe Umgebungstemperaturen.Krankheitsbedingt (pathologisch) tritt eine erhöhte Atemfrequenz auf durch
    – Schmerzen
    – Störung der Lungenfunktion durch Entzündungen, Ödeme
    – Störungen im Herz-Kreislaufsystem.Die Erniedrigung der Atemfrequenz kann physiologisch zurückgeführt werden auf
    – ein hohes Alter oder einen erhöhten Körperumfang.Krankheitsbedingt erniedrigt sich die Atemhäufigkeit, wenn die Tiere
    – Erkrankungen des Gehirnes haben
    – oder im Todeskampf liegen.
  • Der Atmungstyp
    Das Rind gehört zu dem kostoabdominalen Atmungstyp. d. h. Bauch- und Brustmuskulatur unterstützen die Atemtätigkeit meist zu gleichen Teilen. Bei Erkrankungen des Atemapparates verschiebt sich dieses Muster entweder zu vorwiegend kostaler Atmung oder abdominaler Atmung. Bei Kälbern, die chronisch an einer Lungenerkrankung leiden, ist häufiger zu sehen, dass der lange Bauchmuskel deutlicher entwickelt ist im Vergleich mit den anderen Muskeln. Der Grund dafür ist, dass die Tiere diesen Muskel besonders anspannen muss, um ausatmen zu können.
  • Der Atmungszeitquotient
    Beim Atmungszeitquotienten setzen Sie die Zeit der Aus- und Einatmung zueinander in Beziehung. Normalerweise ist die Ausatmung (Exspiration) geringfügig länger als die Einatmung (Inspiration) (Verhältnis1,2:1), eine Verschiebung des Quotienten ist Hinweis auf verschiedene Atemstörungen (Dyspnoe).  Bei der inspiratorischen Dyspnoe ist die Einatmung erschwert. Die Tiere ziehen die Luft hinein unter Anstrengung der Brustmuskulatur (Betonung des kostalten Atmungstyps). Die Nasenlöcher sind erweitert, Kopf und Hals sind gestreckt, in schweren Fällen ist das Maul geöffnet. Die Atmung ist im gesamten intensiver, der Quotient ist kleiner, da die Einatmungsdauer verlängert ist. Ursache für die inspiratorische Dyspnoe sind Einengungen im Bereich der oberen Luftwege. Bei der exspiratorische Dyspnoe dagegen ist das Ausatmen beschwert. Der Atmungszeitquotient wird größer als eins. Die Tiere müssen die Luft mit der Bauchpresse herausdrücken (abdominaler Atmungstyp). Das Lungenemphysem ist die häufigste Ursache für die exspiratorische Dyspnoe. Die gemischte Dyspnoe sehen wir häufig bei einer Bronchopneumonie.
  • Die Atemnebengeräusche
    Normalerweise ist die Atmung des Rindes in seiner Umgebung mit dem bloßen Ohr nicht zu hören. bei manchen Atembeschwerden treten aber Geräusche auf, die dann doch hörbar sind und wertvolle Hinweise sind.

    • Niesenähnliches Prusten:
      Dem menschlichen Niesen ähnlich bei Schnupfen, d. h. es ist auch meist Sekret sichtbar oder in der Nase befindet sich ein Fremdkörper, der herausbefördert werden muss.
    • Stenosengeräusche:
      Geräusche, die mit der Aus- und Einatmung einhergehen und die durch Einengungen im Bereich der Luftwege entstehen.  Können Sie den Bereich der Einengung lokalisieren, gibt dies wertvolle Hinweise auf die Erkrankung. Das nasale Stenosengeräusch oder Schniefen entsteht bei raumfordernden Prozessen in den Nasengängen. Schleimhautschwellungen und Ansammlungen von Sekreten treten unter anderem hier bei IBR (Infektiöse Bovine Rhinotracheitis) auf oder auch bei BKF (Bösartiges Katarrhalfieber). Einengungen im Bereich des Gaumensegels rufen ein Schnarchen hervor. Ein Röcheln kommt bei erkrankten Rindern recht häufig vor. Hier sind es jetzt Einengungen im Kehlkopfbereich, wie zum Beispiel beim Kälber-Diphteroid oder auch bei IBR, die diese Geräusche hervorrufen.

Nasenausfluss

Die Nasenlöcher und das Flotzmaul schlecken gesunde Tiere regelmäßig ab, sodass sie immer leicht feucht sind. Ein krankhafter Nasenausfluss wird aus diesem Grund häufig erst später bemerkt, da die Tiere ihn meistens weglecken. Ausnahme ist, dass die Tiere schon hochgradig erkrankt sind, denn dann unterlassen sie das Lecken. Dann sind unterschiedliche Sekret zu beobachten und sie sollten ein deutliches Warnsignal für den Tierhalter sein.

Das normale Nasensekret ist klar, dünnflüssig.

Bei krankhaften Zuständen kann sich das Sekret verändern:

  1. schleimig, muköses Sekret: Farbe: trüb, grau-weißlich, Beschaffenheit dickflüssig. Hinweis auf eine virale Ursache wie zum Beispiel BRSV oder IBR
  2. eitriges Sekret: Farbe: graugelb-grünlich, Konsistenz zähfließend, klumpig bis bröckelig. Hinweis auf eine bakterielle Ursache
  3. dunkles, braunrotes Sekret: Hinweis auf Nasenbluten
  4. rosafarbener, schaumiger Ausfluss: Hinweis auf ein Lungenödem
  5. olivgrüner bis brauner Ausfluss: Futter oder Vormageninhalt werden wieder ausgestoßen; Hinweis auf Störung des Abschluckens oder des Wiederkauen.

Grundsätzlich ist der eigenständige Nasenausfluss, eine Rhinitis, selten beim Rind beobachten und er ist dann auch eher zu vernachlässigen. Häufiger ist der Nasenausfluss bei Atemwegsinfektionen zu beobachten, die auch weitere Symptome wie Husten und veränderter Atmung zeigen. Hier ist dann je nach Sekretart an die typischen Atemwegsinfektionen zu denken wie Enzootische Bronchopneumonie, IBR, BKF, Lungenwurmbefall oder auch das Weideemphysem.

Husten

Der Husten des Rindes ist fauchend. Die Ursachen für den Husten sind meistens Reizungen der oberen Luftwege durch Rauch oder Staub oder durch Entzündungen, ausgelöst durch Viren, Bakterien oder Parasiten.

Es lassen sich zwei Typen von Husten unterscheiden:

  1. Ein trockener und kräftiger Husten, wenn die Erkrankung in den oberen Luftwegen wie Rachen, Kehlkopf, Trachea oder Bronchien sitzt.
  2. Ein feuchter und matter Husten, wenn es sich um tiefergelegene Bronchopneumonien, Lungenemphyseme oder Lungenfellentzündungen handelt.

Produktiv bezeichnet man den Husten dann, wenn Schleim, Fibrin oder Eiter beim Hustenvorgang ausgestoßen wird.

Husten kann künstlich ausgelöst werden durch eine Atemhemmung, d. h. dem Tier werden die Nasenlöcher und das Maul verschlossen, bis die Tiere unruhig werden und sie husten.  Liegt eine schwere Lungenerkrankung vor, an denen auch das Lungenfell beteiligt ist, ist das Beklopfen des Lungenbereiches schon sehr schmerzhaft und die Tiere beginnen das Husten.  Tritt Husten im Jungtierbereich auf, so sollte man als erstes an die Kälbergrippe denken. Handelt es sich um erstsömmrige Tiere, dann kann es sich je nach Jahreszeit (Schwerpunkt ist von Juni bis September) auch um eine Lungenwurminfektion handeln.