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Kälber fit für den Winter!

Häufige Kälbererkrankungen im Winter

Der Klassiker ist und bleibt, wie auch beim Menschen, die Grippe. Viren, Bakterien, Mykoplasmen und nicht optimale Haltungsbedingungen führen dazu, dass in Deutschland jedes vierte Kalb an der Rindergrippe erkrankt. Nicht nur die

Behandlungskosten führen dann zu einem wirtschaftlichen Verlust, sondern auch Entwicklungsschäden wie etwa schlechtere Mastleistungen oder ein verzögertes Erstbesamungsalter. Diese Entwicklungsschäden werden pro erkranktem Kalb auf 120-150 Euro geschätzt.

Die Kälbergrippe ist zwar die Nr. 1 unter den Wintererkrankungen der Kälber, aber bitte achten Sie auf mögliche andere Erkrankungen:

  • Durchfallerkrankung. Feuchtkalte Tage und falsche Tränketemperaturen schwächen die Abwehrkräfte des Darmes und Durchfallerreger haben eine gute Chance. Durchfall tritt meistens in den ersten 14 Lebenstagen auf und muss umgehend mit einer richtigen Flüssigkeitstherapie behandelt werden.
  • Entzündungen der Ohren (Otitis media) werden meist durch den gleichen Erreger hervorgerufen, der auch zum Kälbergrippekomplex gehört, Mykoplasma bovis. Hauptsymptom ist dabei die Kopfschiefhaltung. Begünstigt wird die Ohrentzündung im Winter durch kalte Winde bzw. Zugluft.
  • Nabelentzündung. Dabei ist derNabel gerötet, heiß, geschwollen undsehr schmerzhaft. Die erkrankten Tiere stehen mit aufgekrümmten Rücken dar. Vor allen Dingen feuchte Liegeflächen schaffen ein Mikroklima, dass eine Nabelerkrankung begünstigt.
  • Kälberflechte. Bei dieser Pilzerkrankung treten hauptsächlich im Kopfbereich kreisrunde, haarlose Stellen auf. Sie sind ein Zeichen für eine allgemeine schlechte Immunlage. Und obwohl meistens nach fünf bis sechs Monaten diese Erkrankung wieder von alleine abklingt, sollte sie als Frühwarnung ernst genommen werden. Da UV-Strahlung Pilzsporen abtötet, ist die Kälberflechte eine typische Stallhaltungserkrankung.

KälberboxenMaßnahmen, um diese Erkrankungen zu vermeiden:

    • Abkalbebox: Die ersten Lebensstunden eines Kalbes sind besonders wichtig. Ermöglichen Sie es den Kälbern in einer sauberen und trocken Abkalbebox auf die Welt zu kommen. Im Winter können unbeobachtete Geburten auf einem kalten, nassen Betonboden fatale Auswirkungen haben. Trocknen Sie das neugeborene Kalb gut ab mit Stroh und Handtüchern und verbringen Sie es unter einer Wärmelampe, bis es vollständig getrocknet ist.
    • Kälberstall: Kälberiglus (Einzel- und Gruppeniglus) sind auch im Winter eine gute Unterbringungsmöglichkeit, da sie frische Luft und ausreichend Umweltreize bieten. Sie sind auch leicht zu desinfizieren. Besonders im Winter sollten Sie unter einem Dachvorsprung oder einem Flugdach platziert sein. Dies bietet zusätzlichen Schutz, auch für die Mitarbeiter, die sich um die Kälber kümmern. Bevorzugter Ort ist die Südseite von Stallungen, da hier mit einer erhöhten Sonneneinstrahlung zu rechnen ist. Die Öffnungen der Iglus sollten im Winter nach Süden bzw. Südosten ausgerichtet werden, da dann die tiefstehende Morgensonne wärmt. Es ist auf eine besonders dicke Stroheinstreu zu achten, die nach unten hin isoliert. Kontrollieren Sie mit dem Knietest, ob die Stroheinstreu trocken und ausreichend ist. Gegen stehendes Oberflächenwasser hilft eine Unterlage in Form einer Holzpalette oder ein anderer Standort.Sind Ihre Kälber in offenen Pultdachhallen untergebracht, müssen Sie diese mit einem funktionstüchtigen Windschutznetz ausstatten. Stellen Sie Kälbern Kälbernester zur Verfügung (mit Abdeckplatten), da hier das Mikroklima eine wichtige Rolle spielt.
    • Zusätzliche Wärmequellen: Kältestress beginnt bei neugeborenen Kälbern schon bei einer Außentemperatur von 10 Grad Celsius an. Sorgen Sie deshalb für ausreichend Wärmelampen, Aufhängevorrichtungen und Stromanschlüsse in ihren Kälberställen. Kälberdecken sollten vor dem Winter in ausreichender Zahl vorhanden sein, gewaschen und bei Bedarf repariert werden.
    • Desinfektion vor Neubelegung: Vor jeder Neubelegung des Kälberstall (dem Rein-Raus-Prinzip folgend) sollten Sie den Stall mit einem Schaumreiniger reinigen und desinfizieren. Besonders in Problembetrieben ist der alleinige Einsatz eines Hochdruckreinigers mit Wasser nicht ausreichend. Bedenken Sie bitte, dass einige der Desinfektionsmittel bei niedrigen Außentemperaturen längere Einwirkzeiten haben bzw. höher konzentriert werden müssen. Hinweise zur richtigen Desinfektion und eine Liste geprüfter Desinfektionsmittel finden Sie auf der Internetseite www.desinfektion-dvg.de.Liegen die Temperaturen im Minusbereich, dann ist an eine vernünftige Reinigung und Desinfektion nicht mehr zu denken. Dies ist einer der Gründe, weshalb es besonders im Winter lohnenswert ist, ein paar zusätzliche Kälberboxen zu haben, damit man bei Bedarf Boxen auch einmal länger leer stehen lassen kann.
    • Kälberbeobachtung:
      Eine aufmerksam und sorgfältig durchgeführte Kälberbeobachtung (in großen Betrieben mit mehreren Mitarbeitern sollten Sie unbedingt diese schriftlich dokumentieren!) ist das A und O der Krankheitsfrüherkennung. Eine Untersuchung bezüglich der Kälbergrippe hat ergeben, dass Rinderhalter durchschnittlich 47 Stunden im Kampf gegen die Rindergrippe verlieren, da Sie die ersten Warnzeichen nicht erkennen. Installieren Sie deshalb vor den kurzen Wintertagen ausreichend Lichtquellen im Kälberbereich. Dies hat auch den zusätzlichen Effekt, dass die Kälber sich wohler fühlen. Denn das kennen wir doch auch von uns selber: Sind die Tage zu dunkel, fühlen wir uns unwohl. Mit Lampen im Kälberstall (erreicht werden sollten etwa 150 Lux 1 m über dem Boden), die etwa 16 Stunden am Tag leuchten, erhöhen Sie das Wohlbefinden der Kälber und Sie können mindestens zweimal am Tag Ihre Kälber auf folgende Merkmale untersuchen:
  • Sind die Kälber aufmerksam, fröhlich, interessiert an der Umwelt?
  • Tragen sie ihren Kopf hoch und stehen die Ohren V-förmig ab?
  • Haben sie einen klarenBlick oder Augenausfluss?
  • Hat ihre Nase normale Feuchtigkeit?
  • Atmen sie ruhig (Atemfrequenz 30-45 Atemzüge pro Minute)?.
  • Ist die Afterregion sauber und trocken?
  • Ist der Nabel unauffällig?
  • Ist das Fell glänzend, dicht, geschlossen?
  • Hat das Tiere eine gerade Rückenlinie und entspannte Haltung?

Trifft eines dieser Merkmale nicht zu, sollten Sie sofort beim auffälligen Kalb die Temperatur messen. Temperaturen über 39,5 Grad Celsius deuten auf eine Erkrankung hin. Stellen Sie das Tier unverzüglich einem Tierarzt vor, der dann eine Behandlung einleitet. Problembetriebe sollten generell in den kritischen Phasen (die ersten sieben Lebenstage, Umstallungen, Änderung der Tränke etc.) täglich Temperatur messen.

Kälbertränke:

  • Kolostrumversorgung:
    Eine ordentliche Kolostrumversorgung ist das Fundament für eine gute Kälberentwicklung. Deshalb stellen Sie sicher, dass ausreichend gutes Kolostrum von Kühen eingefroren ist für den Notfall. Jedes Kalb sollte mindestens vier Liter des Erstgemelk in seinen ersten sechs Lebensstunden erhalten. Das Kolostrum kann mit Antikörpern angereichert werden, wenn die hochtragende Mutterkuh gegen Rindergrippe bzw. Durchfallerreger geimpft wird. Besprechen Sie diese Maßnahme mit Ihrem Hoftierarzt.
  • Kälbertränke nach der Biestmilchversorgung:
    Wenn die Außentemperaturen fallen, brauchen Kälber mehr Energie, um ihre Körpertemperatur halten zu können. Überprüfen Sie die Konzentration ihres Milchaustauschers und passen Sie ihn dem erhöhten Energiebedarf an. Die ideale Tränketemperatur liegt zwischen 40 und 42 Grad Celsius. Falls Sie die Tränkeeimer also mehrere Minuten durch die Kälte tragen müssen, bis sie bei den Kälbern ankommen, sollten Sie die Anmischtemperatur erhöhen.
  • Impfungen:
    Sowohl gegen bestimmte Erreger der Rindergrippe wie auch des Kälberdurchfalls stehen hochwirksame Impfstoffe zur Verfügung. Diese können bei den Kälbern im Sinne einer Prophylaxe aber auch Metaphylaxe angewendet werden. Des Weiteren können Sie auch die hochtragenden Mutterkühe impfen. Das hat zwei Vorteile.
    Erstens: Die Biestmilch ist mit besonders viel Immunglobulinen angereichert.  Zweitens: Die Mutterkuh dient nicht so in so großem Umfang als Erregerüberträgerin, wie sie es im umgeimpften Zustand tut.
  • Weitere Informationen zum Thema Impfung  (Lassen sich zudem ausführlich von Ihrem Hoftierarzt beraten, der Ihre betriebliche Situation am besten kennt)
  • Entwurmungen/Leberegelbehandlungen:
    Erstsömmrige Kälber müssen bei der Aufstallung entwurmt werden,  es sei denn, sie haben bei Weideauftrieb ein langwirksames Antiparasitikum erhalten. Das Antiparasitikum sollte gegen die gängigen Magen-Darm-Strongyliden (MDS) und den Lungenwurm wirken. Hauptsymptom der MDS-Infektion ist Durchfall, während der Lungenwurm die parasitäre Bronchitis verursacht. In Regionen, die mit dem Leberegel verseucht sind, sollten die erstsömmrigen Kälber auch mit einem dementsprechenden Arzneimittel behandelt werden.

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