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Precision Dairy Farming Tour Süd 2017 – ein voller Erfolg

Die zweite Precision Dairy Farming Tour in diesem Jahr, veranstaltet von der Milchpraxis, ist vorüber. An fünf Orten in Süddeutschland ging es Ende November darum, Wachstumspotentiale zu entdecken und in Profite umzuwandeln. Gut 700 Teilnehmer nahmen an der Süd-Tour teil.

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Die Vorträge der internationalen wie nationalen Referenten boten allesamt hochklassige Inhalte, was sich am dankbaren Publikum zeigte. Viele praktische und vor allem umsetzbare Tipps und Verbesserungsvorschläge lieferten die Referenten den Zuhörern. Die Milchpraxis bedankt sich bei allen Teilnehmern, Referenten und Sponsoren für den erfolgreichen Ablauf.

Prof. John Fetrow, Minnesota, USA zur Ökonomie von erfolgreichen Milchviehbetrieben

„Hören Sie auf, in „Durchschnitten” zu denken („der Liter Milch kostet mich durchschnittlich x Cent“), viel wichtiger, ökonomisch sinnvoller und gewinnbringender ist es, sich mit den Grenzkosten zu beschäftigen und in marginaler Milch zu denken“, lautete die Kernbotschaft von Fetrow.

Das heißt, was bringt es, wenn die Kuh noch einen weiteren zusätzlichen Bissen frisst und darüber zusätzliche Milch erzielt. Diese Milch ist die profitabelste Milch überhaupt, da im Prinzip alle Fest- und Fixkosten so gut wie gedeckt sind und nur die zusätzlichen (im Prinzip aber vernachlässigbaren) Futterkosten ins Gewicht fallen. Jeder weitere so produzierte Liter Milch erlöst somit nach Fetrow’s Rechnung fast 25 ct, im Gegensatz zu sonst 4 oder 5 ct.

Fetrow stellte mehrmals die rhetorische, aber ungemein wichtige Frage: Was hält deutscheKühe davon ab, nicht noch mehr Trockenmasse aufzunehmen. Ein halbes Kilo mehr Trockenmasse pro Tag, bringt bei den derzeitigen Milchpreisen pro Kuh und Jahr fast 110 Euro mehr Reinerlös. Somit ist das der größte und effizienteste Hebel für mehr Gewinn einer fast lächerlichen Zunahme der Futteraufnahme.

In der Tat sind es nämlich nur 2,3 % mehr, und das ist schon durch einmal mehr Futteranschieben ganz einfach zu realisieren. Mindestens genauso verblüffend: Die Sanierung eines Futtertisches (Kosten 30 Euro pro qm) rentiert sich schon, wenn die Kühe täglich nur 21 g (!) mehr Trockenmasse aufnehmen. Fetrow berichtete von Mehrzunahmen von bis zu 4 kg.

Fazit: Es sind die ganz einfachen Dinge, die wir leider allzu oft aus den Augen verlieren. Fetrow zeigt, dass wir Umdenken müssen!  Oberstes Ziel muss immer eine Steigerung der Milchleistung sein. Und alle Maßnahmen, die wir unternehmen, sollten die Kühe nicht nachteilig treffen. Erfolgreiche Landwirte in den USA mussten dies auch leidvoll erfahren, stellten ihr Denken um und wachsen aber trotz wechselnder Milchpreise stetig in meist sehr gesunder Weise.

Assistenz-Professor Dr. Ulrike Sorge, EGD Bayern: Gute Eutergesundheit ist machbar

„Eutergesunde Betriebe machen täglich viele kleine Dinge konsequent” – mit diesem Zitat von Jan Harms (TU Weihenstephan) ist vieles und genau das Wesentliche gesagt: Eutergesundheit fällt nicht in den Schoß, sondern ist ein permanentes und konsequentes Bemühen um (Futter-)Hygiene, Melkroutine und stressfreier Umgang mit unseren Kühen.

Jeglicher Stress führt zu Zellzahlerhöhungen und schwächt die Immunabwehr. Ist das Euter sauber, weil die Liegebox sauber ist, haben es Keime schwerer, den Weg durch die Zitzenöffnung zu finden. Gestresste Kühe lassen Adrenalin in der Blutbahn in die Höhe schießen, die Kühe ziehen die Milch hoch und haben 70% mehr Restmilch, das kann bei Dauerstress übers Jahr bis zu 800 kg Milch pro Kuh kosten! Eutergesundheit heißt aber auch, Management von Zahlen, man muss ständig schauen, wo die Herde steht, wie hoch die Ausheilungsraten sind. Das Ganze gleicht somit einem Lenkrad, man steuert das Eutergeschehen.

Dr. Christian Koch, Hofgut Neumühle: Bessere Kälber von Anfang an

Kälber sind empfindlicher als bislang angenommen. Die Kolostrumversorgung ist auch nach mehr als 50 Jahren ein Dauerbrenner, weil die Qualität leider immer schlechter wird, statt sich aufgrund immer modernerer Forschungstechniken zu verbessern. Jedes zweite Kalb ist unterversorgt und läuft damit Gefahr, schneller an Durchfall und Lungenentzündung zu erkranken.

Traditionelles Absetzen verursacht Entzündungen an der Darmschleimhaut und damit auch Schmerzen und Wachstumsdepression, genauso wie zu geringe Mengen an Tränke.

Neueste Erkenntnisse empfehlen somit, Tiere über acht Wochen kontinuierlich abzusetzen, nachdem sie vorher überacht Wochen 1,4 kg MAT täglich bekommen haben. So sieht der äußerst erfolgreiche Fahrplan der Kälberaufzucht auf dem Lehr- und Versuchsgut Neumühle aus. Die metabolische Programmierung findet immer mehr Nachahmer und erste Langzeitversuche zeigen, dass sich sowohl höhere Milchleistungen wie eine längere Lebenserwartung realisieren lassen.

Prof. Dave Davies, Silage Solutions, Wales: Besser füttern – die Rolle von Mykotoxinen

Der “Silagepapst” von der Insel demonstrierte eindrucksvoll, wie anfällig Silagen gegenüber der Bildung von Mykotoxinen sein können. Das wahre Ausmaß ist deutlich höher, da Mykotoxine ausgeschwemmt werden können und somit auch in Bereich des Siloanschnitts kommen können, die optisch noch einwandfrei aussehen. Mangelende Verdichtung und unzureichender Vorschub mit Nacherwärmung sind die häufigsten Zuarbeiter für Mykotoxine. Das veränderte Klima hat in den letzten Jahren zudem erheblich dazu beigetragen, dass das Risiko weiter angestiegen ist. Erhältliche Mittel zur Bekämpfung sind Zellwandhefeextrakte im Futter, die als Toxinbinder fungieren können.

Christian Beckmann, Dipl.-Ing., PBK Agrargenossenschaft, Pritzwalk: Kommunikation im Kuhstall

Der zielstrebige und erfolgsorientierte Junglandwirt zeigte eindrucksvoll, wie wichtig gute Arbeitsorganisation ist. Das gilt für Großbetriebe wie seiner 750er Kuhanlage in Brandenburg, genauso wie in einem Familienbetrieb. Zuständigkeiten müssen geklärt sein, genauso wie genaue Arbeitsabläufe. Eine Arbeitsplatzbeschreibung hilft bei der Einarbeitung von neuen Arbeitskräften genauso wie Arbeitsanweisungen wie der Fütterung von Kälbern oder dem Trockenstellen von Kühen. Somit ist gewährleistet, dass ein gleichmäßiger Standard gesetzt wird. Neue digitale Medien wie WhatsApp, JD Link (Lokalisation der Arbeitsmaschinen auf den Feldern) sowie Häckslerdaten live helfen, eine hohe gleichbleibende Futterqualität zu erzielen.