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Kälberfütterung Teil I: Kolostrum und die ersten Tage danach

Möchte man vitale Kälber aufziehen, die ein gesundes Wachstum zeigen und Freude in der Aufzucht bereiten, ist eine intensive Betreuung und Fütterung in den ersten Lebensmonaten notwendig.

Kolostrumgabe

Die Kälberfütterung beginnt unmittelbar nach der Geburt mit der Gabe des Kolostrums. Warum die Kolostrumtränke essentiell wichtig ist und welche kritischen Punkte beachtet werden müssen, ist seit vielen Jahren erforscht und scheint allgemein bekannt. Dennoch zeigt eine aktuelle Studie von Stemme et al. (2016), dass der Anteil von Kälbern in Deutschland, die unzureichend mit Kolostrum versorgt sind, in den letzten zehn Jahren sogar um 20 % angestiegen ist. Die Ursachen hierfür mögen vielfältig sein (Zeitmanagement, wenig oder nicht ausreichend ausgebildetes Personal, etc.). Dennoch steht fest, dass der Lebensstart – positiv oder negativ – sich auf das gesamte spätere Leben auswirkt. Dabei gibt es „nur“ drei wichtige Punkte zu beachten – Zeit, Qualität und Quantität:

1. Zeit: Kolostrum so schnell wie möglich nach der Geburt vertränken (< 2 h) > Kolostrumaufnahme 45 min nach der Geburt = beste Immunglobulinversorgung bei den Kälbern (Fischer et al., 2018)

2. Qualität: Kolostrum der Mutter* > Qualitätscheck notwendig: Kolostrometer/Spindel (spezifische Dichte > 1.045) oder digitales Refraktometer (> 23 % Brix)

3. Quantität: So viel wie möglich (> 3 Liter) > Ruhe und Geduld: Im Fütterungsversuch musste nur eins von 64 Kälbern gedrencht werden.

*Ein qualitativ hochwertiges Kolostrum der Mutter ist das beste Futtermittel für das Neugeborene. Wenn das Kolostrum der Mutter nicht vertränkt werden kann, muss in absteigender Reihenfolge auf 1. frisches, 2. gekühltes, oder 3. aufgetautes hochwertiges Kolostrum von einer anderen Kuh im Bestand (Qualitätscheck!) zurückgegriffen werden.

In den ersten Lebenstagen

Nach dem Umstallen in eine gereinigte, desinfizierte und gut eingestreute Einzelbucht erfolgt bereits ab der zweiten Mahlzeit eine erhöhte Tränkegabe (z. B. ad libitum oder 10 Liter je Tag Transitmilch der Mutter). Durch das Vertränken der mütterlichen Transitmilch können die positiven Effekte der so genannten bioaktiven Stoffe sowie der maternalen Immunzellen (fördern u. a. die Entwicklung und Reifung des Darms und des Immunsystems) im Kolostrum optimal genutzt werden.
In der auf dem Hofgut Neumühle durchgeführten Studie nahmen die Holstein-Kälber in der ersten Lebenswoche (LW) bereits 9,2 l Tränke pro Tag auf. Diese Menge kann schon gut verstoffwechselt werden und liefert die notwendige Energie und Nährstoffe für Wachstum, Thermoregulation und Aufbau des Immunsystems. Da die Milch in den ersten fünf Tagen nach der Geburt nicht abgegeben werden darf, liefert das den einfachen Einstieg in die intensive Fütterung. Die Transitmilch sollte über die ersten fünf Lebenstage mit einem Säure-Mix nach Herstellerangaben (2 ml/l) angesäuert werden, um einen pH-Wert von ca. 5,5 zu erhalten. Durch die „milde“ Ansäuerung wird das Bakterienwachstum, jedoch nicht die Tränkeaufnahme der Kälber, gehemmt.

Autor: Dr. Christian Koch, Hofgut Neumühle