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Viertelgemelksproben hygienisch sauber entnehmen

Obwohl die hygienische Entnahme von Milchproben eigentlich ein alter Hut ist, erhalten Untersuchungslabore immer noch viel zu viele unsaubere Milchproben, die nicht zur Untersuchung geeignet sind. Die folgende detaillierte, praktische Arbeitsanleitung soll allen Landwirten, Tierärzten und Melkern zur Unterstützung dienen. 

Warum Milchproben hygienisch entnehmen

  • weil Landwirte mit einem Mastitis-Schnelltest direkt im Stall in Kooperation mit dem Hoftierarzt wichtige Therapieentscheidungen schon bei den ersten Anzeichen einer Mastitis treffen können. Enthalten die Milchproben Umweltkeime, wird falsch therapiert und wichtige Zeit wird verloren.
  • weil durch neue gesetzliche Regelungen (Tierärztliche Hausapothekenverordnung – TÄHAV) der Einsatz von Antibiotika auch beim Milchvieh vermehrt mit einer Antibiogrammpflicht und einem Resistenztest gekoppelt ist. Dafür müssen Milchproben genommen werden.

Zur Probengewinnung benötigtes Material

  • unbenutzte, saubere Untersuchungsröhrchen für alle vier Euterviertel + mindestens zwei Ersatzröhrchen (falls mal wieder ein Stopfen auf dem Stallboden landet…)  Probenröhrchen sind meist kostenfrei über das Untersuchungslabor oder den Hoftierarzt zu beziehen oder sind auch bei den Mastitisschnelltests enthalten. Achtung, in den meisten Röhrchen ist Konservierungsflüssigkeit bzw. Reagenzflüssigkeit enthalten – diese muss in den Röhrchen verbleiben.
  • neue Einweghandschuhe (für den Haushalt vorgesehene sind schon völlig ausreichend)
  • wasserfester Folienstift (zur Beschriftung der Röhrchen)
  • Vormelkbecher
  • Eutertücher (trocken oder leicht feucht)
  • 70%iger Isopropanol 

Praxistipp: Besorgen Sie sich im Baumarkt einen einfachen Werkzeugträger aus Kunststoff! Dort findet alles seinen Platz, ist stets griffbereit und eine saubere Standfläche für Stopfen etc. direkt an der Kuh ist auch gegeben. 

Probengewinnung

  1. Kuh fixieren und Ohrmarkennummer ablesen.
  2. Markieren der Probenröhrchen. Alle vier Röhrchen müssen mit der Ohrmarkennummer beschriftet werden (Bitte nicht die Stopfen markieren, da diese im Labor verworfen werden). Sicherstellen, dass die Kuh noch nicht mit einem Antibiotikum (Eutertube oder systemisch („mit Spritze“)) behandelt worden ist – dadurch wird das Ergebnis wertlos.
  3. Anlegen der sauberen Einmalhandschuhe (Dadurch wird verhindert, dass die Keime des Melkers untersucht werden). 
  4. Anrüsten! Die Milch sollte richtig in die Zitzenzisterne einschießen, damit möglichst aus allen Teilen des Euterdrüsengewebes Milch gewonnen wird. Jetzt erhöhen sich die Chancen, dass der mastitisverursachende Keim tatsächlich gefunden wird, um ein Vielfaches. 
  5. Die ersten drei Milchstrahlen gesondert entnehmen und verwerfen – erst die danach gewonnene Milch als Probe einschicken. In den ersten Milchstrahlen könnten nämlich noch Umweltkeime enthalten sein, die den Zitzengang besiedeln, aber nicht mastitisverursachend sind. 
  6. Zitzen mit einem trockenen oder leicht feuchten Eutertuch sauber machen. Eine zu feuchte Reinigung kann dazu führen, dass dreckiges, verkeimtes Wasser in das Probenröhrchen tropft und das Untersuchungsergebnis verfälscht.  
  7. Desinfektion der Zitzenhaut mit 70%igen Isopropanol. Geben Sie den Alkohol auf ein Papiertuch und reinigen Sie die Zitze von der Zitzenbasis ausgehend mit einer Drehbewegung nach unten hin zur Zitzenspitze. Einige Sekunden abwarten, damit auch das Desinfektionsmittel sich verflüchtigen kann. 
  8. Erneut einen Milchstrahl melken und verwerfen – damit kein Desinfektionsmittel in die Milchprobe gelangt. 
  9. Nun endlich – die Probenröhrchen befüllen. Zu beachten ist – das geöffnete Röhrchen nur von außen anfassen und direkt hineinmelken. Bitte dabei auch die Beschriftung der Röhrchen beachten. Am besten sich ein Schema angewöhnen, dass man immer einhält (VR, HR, VL, HL). Den Stopfen der Röhrchen nicht in den Mund nehmen! Menschliche Mundkeime werden immer wieder in Milchproben bestimmt. Deshalb Stopfen entweder zwischen Zeigefinder und Ringfinger platzieren (ein Balanceakt) oder griffbereit an einen sicheren sauberen Platz in der Umgebung ablegen, ohne dass die Innenseite Kontakt mit der Umgebung hat (auf dem Kopf stehend).  Sehen Sie, dass eine Probe verunreinigt ist oder Ihnen ist ein Stopfen auf den Stallboden gefallen – nehmen Sie ein neues Röhrchen. Keime sind unsichtbar, weshalb das augenscheinliche „Sauber sein“ nicht ausreichend ist. 
  10. Nun sind die Proben gewonnen und sollten bis zur schleunigen Weiterverarbeitung (Versand, Untersuchung) im Kühlschrank aufbewahrt werden. 

Eine Arbeitsanleitung “kurz und knackig”, mit Bildern, zum Ausdrucken für den Melkstand finden Sie hier.

Praxistipp: Sind Sie sich unsicher, ob nicht doch Dreck in die Viertelgemelksprobe gelangt ist, können Sie dies einfach überprüfen. Vorausgesetzt, dass das übliche transparente Kunststoffröhrchen zur Gewinnung eingesetzt wurde, stellt man dieses mit der Milchprobe für ca. eine Stunde aufrecht hin. Nach einer Stunde heben Sie das Röhrchen an und schauen, ob es am Grund des Röhrchens eine Auffälligkeit gibt. Ist auf dem Boden des Röhrchen bzw. in der Spitze des Röhrchen ein dunkles Schmutzsediment zu sehen, ist die Probe untauglich. Bitte nehmen Sie eine neue Probe! Ist kein Schmutzsediment zu sehen, ist nicht garantiert, dass die Probennahme gut gelungen ist. Aber es ist schon mal festzustellen, dass zumindest nicht auch (grober) Dreck ins Röhrchen gelangt ist.

Gutes Gelingen bei der Probenentnahme!