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Automatische Melksysteme – Machen Sie sich fit!

Immer mehr Melkroboter finden Einzug in deutsche Milchviehställe. Um auch den bestandsbetreuenden Tierarzt fit für die besonderen Fragestellungen in diesen Milchviehherden zu machen, fand am 10. und 11. April 2018 ein Milchpraxis Seminar in Kooperation mit Lely statt. Der Hansenhof in Stapel stellte seinen Hof für den Praxistag zur Verfügung. Als Cord Meyer wie aus der Pistole geschossen das Datum des ersten Melktags mit seinem Melkroboter nennen konnte, war spätestens jetzt allen Teilnehmern (35 Tierärzte) klar, wie einschneidend so eine Betriebsänderung ist. 

Das am besten schon Monate vorher Vorbereitungen für so einen Melktechnikwechsel getroffen werden sollten, betonten alle drei Referenten eindrücklich. 

Auf dem Futtertisch

Tierarzt Dr. Hüting zeigt, wie er die Fütterung systematisch in einem Betrieb beurteilt.

Tierarzt Dr. Andre Hüting ging in seinem Seminarteil besonders auf die Fütterung ein. Hier ist das Anschieben des Futters ein ganz zentrales Thema. Dabei gilt, dass besonders die ersten zwei Dritteln des Futtertisches immer bestens bestückt sein sollten, damit die Tiere, die aus dem Roboter raustreten, sofort fressen (und sich nicht mit dem noch offenen Strichkanal hinlegen). Da aber die Tiere im Melkroboter individuell zur Melkung gehen, reichen die häufig üblichen drei bis vier Futtervorschübe mit dem Frontlader nicht aus. Dies beweist Hüting eindrücklich seinen Kunden mit den Aufnahmen einer Wildtierkamera, die er über 24 h auf dem Futtertisch installiert. Er empfiehlt deshalb zusammen mit dem Melkroboter einen automatischen Futterschieber anzuschaffen – denn leere Futtertische sind unakzeptabel. 

Damit der Hunger nach der Melkung auch noch da ist, wiederholt Hüting mehrmals „Der Melkroboter darf keine Kraftfutterstation sein. Er ist eine Melkanlage!“ Der Landwirt muss also die abrufbare Kraftfuttermenge pro Melkung begrenzen, was er manuell im Melkroboter sogar tierindividuell machen kann.

Reinlichkeit ist unabdingbar

Besonders auf die hygienischen Aspekte ging Euterexpertin Dr. Friederike Reinecke ein. Sie empfiehlt, dass vor der Robotereinführung von allen Tieren Viertelgemelksproben genommen wird, damit der Eutergesundheitsstatus erhoben werden kann und eventuell anstehende Mastitissanierungen vorgenommen werden können. Denn das ist ein kritischer Punkt bei Roboterherden: es werden zwischen 55 und 65 Kühe mit einem Melkgeschirr ca. 2,7 mal am Tag gemolken. Damit kann der Melkroboter im schlechtesten Fall auch als größter Infektionsherd für die restliche Herde dienen. Insofern muss auch die Routine der Liegeboxenreinigung und der Laufflächen der Tatsache angepasst werden, dass stark verschmutzte Euter eine große Herausforderung für den Roboter sind. Hier seine Stallhygiene optimieren und zum Beispiel Euterhaare zu entfernen, sind notwendige Schritte, um die Vorteile eines Melkroboters auch wirklich nutzen zu können.

Ein Blick in die Technik

Wie der Roboter an sich funktioniert, welche Reinigungsschritte er werksmäßig vornimmt, welche Zusatzreinigungen möglich sind oder auch Kontrollfunktionen wie eine automatisierte Zellzahlmessung, dass erfährt die Gruppe von Tierärztin Dr. Kaiser-Wichern direkt am Lely Astronaut Melkroboter im Stall. Wie entspannt und neugierig die Herde auf den Besuch reagiert ist ein schönes Beispiel dafür, welchen positiven Einfluss ein Melkroboter auf das Kuhwohl haben kann. Kaiser-Wichern stattete alle Teilnehmer mit einer Roboter-Checkliste aus, die Sie als Tierärztin auch für die Bestandsbetreuung nutzt. Wie ein roter Faden zog sich das Thema Wasser durch den Workshop. Kaiser-Wichern empfahl ab Härtegrad 8 auf jeden Fall eine Wasseraufbereitung, damit die Desinfektionsmittel gut wirksam sind und der Roboter langlebig ist. Tierarzt Hüting teilte seine wertvollen Erfahrungen mit, die er mit Wasserdesinfektion in der Tränke macht. Aber dies schien schon wieder ein Thema für einen neuen Workshop ;-). 

In diesem Sinne – ein Dank an alle Teilnehmer, Gastgeber und Referenten. Für alle Leser der Hinweis, dass neue Milchpraxis Seminare mit anderen Themen in Planung sind. Angekündigt werden Sie unter anderem immer auf dem Wissensportal www.kuhgesundheit.de.