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Mastitistests richtig anwenden

In den letzten Jahren etablierten sich zunehmend Schnelltest zur Untersuchung von Milchproben bei Mastitisverdacht auf den Markt. Diese können von Landwirten und Tierärzten im Stall direkt vor Ort ausgeführt werden. Ihr Ergebnis ist nach 12 bzw. 24 Stunden verfügbar.

Die Spanne dessen, was die unterschiedlichen Schnelltests können, ist groß. Sie reichen von dem Vermögen, 

  • einen Nachweis zu führen, ob überhaupt Keime vorhanden sind 
  • Keime in gram-positiv und gram-negativ einzuteilen 
  • oder auch den Erreger zu identifizieren. 

Den Einsatz dieser Schnelltests sprechen Sie bitte mit Ihrem Hoftierarzt ab. Er kennt sich mit den wissenschaftlichen Hintergründen und der Eutergesundheit Ihrer Herde am besten aus und kann Sie individuell beraten, wann und welcher Test am sinnvollsten ist.

Grundsätze der Beprobung

Grundsätze der Beprobung

  • Die saubere Gewinnung der Milchproben ist das A und O, um ein Ergebnis zu erhalten, mit dem eine weitere Therapieentscheidung getroffen werden kann. Siehe dazu auch „Arbeitsanleitung Viertelgemelksproben“ . Eine unsaubere Probenentnahme, die zum Beispiel E.coli Keime aus der unmittelbaren Umgebung des Tieres (Einstreu, Euterhaut) enthält, kann zu einer gefährlichen Fehlinterpretation des Ergebnis führen.
  • Ein Schnelltest ersetzt nicht die Milchprobenuntersuchung in einem akkreditierten Milchlabor. Diese Untersuchung ist weiterhin vonnöten, um die richtigen Entscheidungen zur gezielten Infektionsabwehr zu treffen und die Resistenzentwicklung im Betrieb zu beobachten. 
  • Es dürfen keine Kühe in der Herde sein, die mit Hefen und/oder Prototheken infiziert sind.
  • Alle Mitarbeiter sollten Euterentzündungen klassifizieren können.

Klassifikation von Mastitiden

Klassifikation von Mastitiden

Mastitisgrad 1: nur die Milch ist verändert – Flocken – Euter zeigt keine Entzündungszeichen und die Kuh wirkt gesund

Mastitisgrad 2: Flocken und das Eutergewebe ist verändert – heiß, gerötet, geschwollen. Der Allgemeinzustand der Kuh ist ansonsten gesund. 

Mastitisgrad 3: Flocken, verändertes Eutergewebe und die ganze Kuh ist krank (Fieber, Fressunlust, Festliegen etc.)

Standardvorgehen bei einem Mastitisverdacht

  1. Feststellen des Grades der Euterentzündung. 
  2. Gewinnung einer sauberen Milchprobe (am besten werden zwei Viertelgemelksproben gewonnen, damit die zweite bei Bedarf ins Milchlabor eingesandt werden kann).
  3. Initialtherapie mit einem Entzündungshemmer bei Mastitis 1. und 2. Grades, bei einer Mastitis 3. Grades sollte das Tier unmittelbar dem Hoftierarzt vorgestellt werden.
  4. Engmaschige Kontrolle des erkrankten Tieres, um eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes sofort zu bemerken.
  5. Bebrütung der Teströhrchen und Ablesen des Ergebnis des Schnelltests nach 12 Stunden. 
  6. Je nach Testergebnis lokale Behandlung des erkrankten Euterviertels mit einem Antibiotikum in Absprache mit dem Hoftierarzt und weiterhin engmaschige Kontrolle des Tieres.  

Therapieempfehlung

 

Die allgemeinen Therapieempfehlungen gehen dahin, dass

1.Mastitiden initial grundsätzlich mit einem Entzündungshemmer behandelt werden.

2. Mastitiden dritten Grades mit einem parenteralen Antibiotikum, Flüssigkeitstherapie und bei gram-positiven Erregern zusätzlich eine lokale Antibiose vorgenommen wird. Bei gram-negativen Erregern wird auf die lokale Antibiose verzichtet. 

3. auch bei Mastitiden ersten und zweiten Grades unterschieden wird, ob es sich um gram-positive oder gram-negative Erreger handelt. Nur die gram-positiven Erreger werden mit einer lokalen Antibiose versorgt. Auf den Einsatz von lokalen Antibiotika wird bei gram-negativen Erregern verzichtet. Verursachen gram-negative Erreger allerdings eine schwere Mastitis, wird diese systemisch mit einem Antibiotikum versorgt. 

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