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Babesiose durch Zeckenbefall – bitte Fälle melden!

Klinische Fälle der Babesiose beim Rind treten in den letzten Jahren vermehrt auf. Dies begünstigen zum einen die klimatischen Bedingungen der letzten Jahre, so dass sehr viele Zecken auftreten. Zum anderen weiden aber auch vermehrt Rinder auf extensiven genutzten Flächen, die einen exzellenten Lebensraum für den Vektor der Erkrankung, den Holzbock, bieten. Und als dritte Ursache kommt hinzu, dass Zugvögel die infizierten Zecken weitertragen. Um diese neu entstehenden Hot-Spots zu kartieren und die Informationen darüber allen Tierhaltern und Tierärzten zugänglich zu machen, bittet die TiHo Hannover um Meldung klinischer Fälle.

Bitte melden sie klinische Fälle an die Rinderklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (rikli@tiho-hannover.de). Danke!

Die Babesiose beim Rind

Diese Erkrankung wird hervorgerufen durch einzellige Parasiten – Babesia divergens. Die Einzeller parasitieren in roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und können bei Rindern zu fieberhafter hämolytischer Anämie und zur Weidehämoglobinurie führen (auch genannt: Weideröte, Rotharnen, Blutharnen).

Die häufigste für Rinder pathogene Babesienart in Europa ist Babesia divergens. Zusätzlich kommt in wenigen Gebieten Babesia major vor, gebunden an das Verbreitungsgebiet der Zecke Haemaphysalis punctata (in Deutschland nur auf den Nordseeinseln). 

Übertragung durch Zecken

Der Vektor für Babesia divergens ist die Zecke Ixodes ricinus, der sogenannte „Holzbock“. Diese Zecke kommt fast überall in Europa vorkommt. Eine Übertragung von Rind zu Rind ist nur durch Übertragung von infiziertem Blut möglich, wie zum Beispiel bei der Verwendung einer Spritze für zwei Rinder. 

Die Erkrankung tritt entsprechend der Zeckenaktivität vorwiegend im Frühsommer (insb. Mai/Juni) und Herbst (September/Oktober) lokal begrenzt auf zeckenreichen Weiden auf. Häufig sind den Landwirten und Tierärzten diese sogenannten „Hotspots“ bekannt. Jedoch können auf Grund der neuen Nutzung von extensiven Weiden und auch durch den Zeckeneintrag über Vögel jährlich neue „Problemweiden“ entstehen. So starben zum Beispiel im Frühsommer 2018 in einem Betrieb mit Mutterkuhhaltung, auf dem vorher noch nie Babesiose aufgetreten war, innerhalb kürzester Zeit 21 adulte Rinder an Babesiose.

Klinische Symptome

Am Beginn der Erkrankung (Inkubationszeit 8 – 10 Tage) steht ein deutlicher Fieberanstieg auf bis zu 41°C. Das Fieber ist vorerst nur mit einer geringgradigen Verschlechterung des Allgemeinbefindens der Tiere verbunden , welche sich durch allgemeine Schwächesymptome bemerkbar machen. Die vom Erreger befallenen roten Blutkörperchen zerfallen. Roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) wird frei und wird über die Nieren ausgeschieden – so kommt es zum Rotharnen. Gerade bei extensiv gehaltenen, weitverstreut lebenden Rindern muss die Tierbeobachtung und auch das Hinterhergehen sehr sorgfältig durchgeführt werden, damit das ziemlich eindeutige Blutharnen beobachtet werden kann. 

Die sich rasch entwickelnde Blutarmut führt zu porzellanfarbenen oder weißlich-gelblichen Schleimhäuten (hämolytischer Ikterus) mit zunehmender Mattigkeit, Fressunlust und schließlich zum Festliegen. Starkpochende, hochfrequente Herztöne sind beim Abhören feststellbar. Die Atemfrequenz ist erhöht. Bei schweren Verläufen, spät oder nicht behandelten Fällen verenden die Tiere.

Diagnosemöglichkeiten

Am einfachsten ist die Diagnose mittels Blutausstrich zu stellen. Hierfür wird die Ohrvene punktiert, da Babesien sich im Kapillarblutgefäßsystem anreichern, und es werden dünne Blutausstriche hergestellt. Unbedingt müssen die Rinder auf Zecken abgesucht werden: Achsel- und Kniefaltengegend. Diese sofort in einem Plastikröhrchen verwahren.

Prophylaxemaßnahmen

Die vorbeugende Impfung und die Anwendung von zeckenwirksamen Repellentien sind gut wirksam und sollten besonders von Betrieben, die auf gefährdete Weiden auftreiben, mehr als bisher genutzt werden. Bestandsspezifische Vakzine gegen B. divergens werden jedoch nach Kenntnis der Autoren momentan in Deutschland von keinem Labor hergestellt. Gegen Zeckenbefall bei Rindern ist in Deutschland als einziger Wirkstoff das Pyrethroid Flumethrin (Bayticol Pour-on ®, Bayer Vital GmbH) zugelassen, dessen Wirkungsdauer gegen Zecken drei Wochen beträgt. 

Textauszug aus einem Originalartikel von M. Höltershinken, M. Hoedemaker, C.Strube, A. Springer, Tierärztliche Hochschule Hannover, erschienen in der MilchPraxis 2/2019. Die Fotos sind Privatfotos von Dr. Höltershinken.