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Kälberfütterung: Optimale Hygiene als Erfolgsfaktor

Die Leistung der Kälber als spätere Milchkuh beziehungsweise Mastrind hängt stark von der Aufzuchtqualität der ersten Lebenstage und -wochen ab, dabei spielt das Vertränken von qualitativ hochwertiger Milch eine Hauptrolle. Mangelnde Hygiene bei der Verabreichung der Tränke kann den Erfolg allerdings stark einschränken.

Qualität und Hygienestatus

Die rechtzeitige und ausreichende Versorgung mit qualitativ hochwertigem Kolostrum (Biestmilch) bildet den Grundstein für den erfolgreichen Start von neugeborenen Kälbern. Dabei verstehen viele zunächst einmal unter hochwertig, dass das Kolostrum einen hohen Gehalt an schützenden Immunglobulinen aufweist. Allerdings ist für den Erfolg der Immunglobulinaufnahme neben den Faktoren Zeit und Menge auch der Aspekt der bakteriellen Verunreinigung des Kolostrums von maßgeblicher Bedeutung. Es wird vermutet, dass Erreger bereits in der Milchkanne eine Bindung mit den Immunglobulinen eingehen und diese dem Kalb somit nicht mehr zur Verfügung stehen. Daraus folgt, dass trotz rechtzeitiger und ausreichender Kolostrumgabe das Kalb eine Immunglobulin-Unterversorgung aufweisen und dementsprechend krankheitsanfälliger sein kann.

Sind die Milchkannen wirklich sauber?

Der Gehalt des Kolostrums an Immunglobulinen lässt sich im Betrieb leicht mittels Spindel oder Refraktometer vor der Verfütterung ermitteln. Dagegen bleibt der Hygienestatus gemessen am Keimgehalt zunächst unbekannt, weil hierfür Laboruntersuchungen notwendig sind, die meist mehr als 24 Stunden dauern. Anforderungen an die Qualität in Hinblick auf die Hygiene werden im Gegensatz zur Ablieferungsmilch bei Kolostrum nicht gestellt, deshalb wurde dies bisher wenig beachtet. Bei Untersuchungen der Fachhochschule Südwestfalen wurden die Folgen einer unterlassenen Reinigung der Milchkannen deutlich. Milchkannen müssen oftmals systembedingt per Hand gereinigt werden; da dies sehr arbeitsaufwendig ist, wird es möglicherweise nicht immer gemacht. Die Proben aus den Kannen wiesen zum Teil eine massive Belastung mit coliformen Keimen auf, obwohl sie vor dem Melken in die Kannen meist von hoher Qualität waren. Obwohl zuvor 89% der Kühe über Viertelgemelksproben negativ auf das Vorliegen von coliformen Keimen getestet wurden, waren nach der Kannenpassage nur noch 31% der Proben negativ. Als bedenklich werden Proben mit einem Gehalt von mehr als 100.000 Keimen (bzw. KbE/Kolonie bildenden Einheiten) pro Milliliter angesehen. Insbesondere das vermehrte Auftreten von coliformen Keimen kann zu Durchfallerkrankungen führen, die das Immunsystem belasten und eine optimale Entwicklung des Kalbes einschränken. 

Effektive Reinigung

Alleiniges Ausspülen mit heißem Wasserreicht nicht. Um den Fett-Eiweiß-Film zu lösen, muss ein geeignetes Reinigungsmitteleingesetzt und möglichst eine standardisierte, sorgfältige Reinigung aller Behälter,die mit Milch bzw. Kolostrum in Kontakt kommen (Milchkannen, Melkeimer, Nuckel, Tränkeeimer), durchgeführt werden.

Keimvermehrung durch Kühlung verhindern

(Biest-) Milch ist auch direkt nach dem Melken nie keimfrei, deshalb muss sie möglichst zügig vertränkt oder verarbeitet werden. Will man besonders hochwertiges Kolostrum als Reserve aufbewahren, sollte die Kühlung schnellstmöglich beginnen. Das langsame Abkühlen von frischem Kolostrum bei Raumtemperatur über mehrere Stunden ermöglicht eine starke Vermehrung der Keime, welche die Qualität des Kolostrums stark mindern. Deshalb sollte man das Kolostrum sofort bei 4°C kühl stellen oder einfrieren. Im unbehandelten Kolostrum findet bei einer Aufbewahrung über zwei Tage bei 4°C nahezu keine Erhöhung der Keimzahl statt.

Keimbelastung senken

Bei besonders keimbelastetem Kolostrum kann eine Pasteurisierungsinnvoll sein (kontrollierte Erhitzung auf 60°C über 30 Minuten), um den Keimgehalt zu senken. Dieses Vorgehen ist teilweise umstritten, da möglicherweise durch die Hitze wertvolle Eiweißstoffe zerstört werden. Die Inaktivierung von Immunglobulinen soll aber nur um die zehn Prozent betragen, im Gegenzug dazu soll der Transfer der Immunglobuline durch die Darmwand um 15-20% verbessert sein.

Ansäuerung

Für die Vorratshaltung von Kolostrum oder Milch für die ad libitum-Tränke bietet sich auch die Ansäuerung an. Als Zielwert sollte ein pH-Wert von 5,5 erreicht werden, damit einerseits das Keimwachstum begrenzt wird aber andererseits die Tränke noch schmackhaft bleibt. Der Zielwert sollte unbedingt mit einem pH-Teststreifen kontrolliert werden. Auch bei diesem Verfahren muss auf eine effektive Reinigung der Behälter geachtet werden und Restmengen sollten einmal täglich entsorgt werden. 

Autorin: Dr. med. vet. Katharina Traulsen, Plön