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TMR-Fütterung: Do’s and dont’s

Mittlerweile hat der Futtermischwagen bei der Mehrzahl aller Milchkuhbetriebe als das zentrale Gerät zur Futtervorlage Einzug gehalten. Wird dieses Fütterungssystem richtig durchgeführt, bietet es viele Vorteile. Worauf Sie bei der TMR-Fütterung vor allem achten sollten, lesen Sie hier. 

Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, FH Kiel

Die Vorteile des Futtermischwagens liegen auf der Hand: Wenn Grund- und Kraftfutterkomponenten in gemischter Form vorgelegt werden (Totale Mischration (TMR)), können die Tiere kaum noch selektieren, also zwischen Grund- und Kraftfutter wählen. Es ist aus verdauungsphysiologischer Sicht optimal, wenn mit jedem Bissen eine nahezu identische Futtermischung aufgenommen wird. Damit sind die Wachstumsbedingungen für die Akteure der Vormagenverdauung, die Pansenmikroorganismen, deutlich konstanter, als wenn zwischen der Grundfutteraufnahme einer Kuh und ihrem Kraftfutterverzehr beispielsweise mehrere Stunden liegen. Im Sprachgebrauch wird bei einer Futtervorlage aller Komponenten in gemischter Form auch von der sogenannten „biologischen Fütterung“ gesprochen.

Dieses gilt wiederum als eine der Grundvoraussetzungen für hohe Futteraufnahmen, insbesondere für eine schnelle Steigerung der Futteraufnahme nach der Kalbung. Auch versprechen die gleichmäßigeren, gleichbleibenden Pansenverhältnisse letztlich eine bessere Verträglichkeit höherer Kraftfuttermengen.

Ein weiterer Vorteil der Futtermischwagentechnik ist darüber hinaus, dass sämtliche Futtermengen gewogen werden und der Landwirt damit täglich deutlich konstantere Rationen vorlegen kann. Nicht zuletzt besteht hiermit die Möglichkeit, den Futterverbrauch, die Futteraufnahme der Tiere und somit auch die Futtereffizienz einzuschätzen.

TMR – bedarfsgerecht und betriebswirtschaftlich sinnvoll nur mit Fütterungsgruppen 

Im Vordergrund des Fütterungssystems TMR, wenn also sämtliche Futtermittel als gemischte Ration vorgelegt werden, steht nicht mehr das Einzeltier, sondern die gesamte Kuhgruppe. Für alle Tiere einer Fütterungsgruppe ist die Zusammensetzung der Ration gleich, so dass die Milchmenge und –inhaltsstoffe der Kühe ausschließlich über die Menge an aufgenommenem Futter gesteuert wird.

Eine, wenn nicht sogar die wichtigste Voraussetzung für dieses Fütterungssystem ist die Bildung verschiedener Fütterungsgruppen, entsprechend der Milchleistung und Körperkondition der Tiere. Unterbleibt diese Gruppenbildung und werden stattdessen die gesamten laktierenden Kühe mit derselben Futterration gefüttert, müssen einerseits ein höherer Kraftfuttereinsatz, auch je Kilogramm Milch, verbunden mit höheren Futterkosten und andererseits die Gefahr einer energetischen Überversorgung und damit möglicherweise Verfettung zahlreicher Kühe in der Spätlaktation in Kauf genommen werden. Letzteres ist dann wiederum mit mehr gesundheitlichen Problemen mit der nachfolgenden Kalbung und der anschließenden Frühlaktation verbunden.

Um einer solchen drohenden Verfettungsgefahr zu begegnen, könnte man veranlasst sein, die Energie- und Nährstoffkonzentration in dieser Futterration für alle laktierenden Kühe zu drosseln. Mehrere Versuche beschäftigten sich bereits mit dieser Fragestellung. Das Ergebnis war immer dasselbe: Besonders Kühe in der Frühlaktation werden bei einem solchen Vorgehen in ihrer Futteraufnahme derart beeinträchtigt, dass deutlich mehr Stoffwechselprobleme auftreten. Die Futteraufnahme der Kühe ist nämlich viel stärker von der Energiedichte der Futterration beeinflusst als von der Milchleistung. Eine geringe Energiekonzentration in einer solchen „Einheitsration“ bewirkt also zu Beginn der Laktation geringere Trockenmasseaufnahmen der Tiere, mehr Stoffwechselimbalanzen und eine deutlich im Ausmaß und der Dauer ausgeprägtere negative Energiebilanz. 

Also muss die Quintessenz daraus heißen: wenn nur eine Voll-TMR, dann mit hoher und höchster Energiedichte! 

Es bleibt aber letztlich ein schlechter Kompromiss; daher die Forderung: TMR – nur mit verschiedenen Fütterungsgruppen. Die Zahl derer richtet sich vor allem nach dem Leistungsniveau und der Körperkondition der Herde. Als Faustzahl gelten: bei einer Herdendurchschnittsleistung bis 8.000 kg Milch sind drei Fütterungsgruppen und bis 10.000 kg Herdendurchschnittsleistung zwei Gruppen sinnvoll. Bei wesentlich höherem Leistungsniveau dürfte die Herde oftmals so homogen sein, dass eine Unterteilung der laktierenden Herde nach unterschiedlich hohen Milchleistungen in verschiedene Fütterungsgruppen nicht mehr zwangsläufig notwendig erscheint. 

Was bewirkt ein Gruppenwechsel?

So sinnvoll bezüglich einer bedarfsgerechten Versorgung der Kühe entsprechend ihrer unterschiedlichen Milchleistungen auch das Einrichten verschiedener Fütterungsgruppen ist, bedeutet dieses dann für viele Kühe auch immer einen Gruppenwechsel. 

Mit den Auswirkungen eines Gruppenwechsels auf die Milchleistung der Kühe haben sich in der Vergangenheit u. a. Wissenschaftler des Zentrums für Tierhaltung und Technik, Iden (ENGELHARD, 2000) oder auch Untersuchungen im Lehr- und Versuchszentrum der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Futterkamp (STRUS und MAHLKOW, 2008) beschäftigt. Diese Auswertungen zeigten, dass die Mehrzahl der Kühe kaum mit einem nennenswerten Leistungsrückgang auf den Gruppenwechsel reagierte. Entscheidend hierfür sind zum einen, dass sich die Rationen vor und nach dem Gruppenwechsel nur moderat ändern (Unterschied im Energiegehalt der Rationen möglichst < 0,3 MJ NEL/kg TM), die Haltungsbedingungen sich mit dem Gruppenwechsel nicht verschlechtern, Tiere nicht zu oft umgestallt werden und möglichst keine Einzeltiere, sondern immer mehrere gemeinsam umgruppiert werden.

Beim Umgruppieren ist also immer der jeweilige Energie- und Nährstoffanspruch des Einzeltieres zu berücksichtigen. Dieser ergibt sich aus der aktuellen Milchmenge, den Milchinhaltsstoffen und der Körperkondition. Darüber hinaus ist auch der Trächtigkeitsstatus entscheidend und damit die noch verbleibende Zeitspanne bis zum Trockenstellen.

Grundsätzlich dürfen Kühe nach der Kalbung niemals in die sogenannte Gruppe 2 oder Gruppe der Altmelker bzw. Spätlaktierenden, da die Nährstoff- und Energiekonzentrationen dieser Rationen zu gering sind und damit die Frischmelker in ihrer Futteraufnahme empfindlich beeinträchtigen.

Dennoch wird nie ganz auszuschließen sein, dass vereinzelt Kühe mit einem größeren Leistungseinbruch auf einen Gruppenwechsel reagieren können. Die Gründe hierfür sind dann vor allem im Sozialgefüge, insbesondere in der Stellung des jeweiligen Tieres innerhalb der Rangordnung einer Herde, zu suchen. In den Auswertungen von STRUS und MAHLKOW (2008) waren davon v. a. Jungkühe innerhalb der ersten Laktation betroffen. Letztlich aber war der Leistungsabfall im Durchschnitt aller Tiere deutlich geringer als häufig befürchtet. 

Fazit

Die Technik des Futtermischwagens einerseits und die Fütterung von Totalen Mischrationen andererseits gelten als DAS Futtervorlagesystem der Gegenwart und der Zukunft, auch wenn es nicht zwangsläufig ein Garant für höchste Leistungen bei bester Tiergesundheit ist. Letztlich entscheidet nämlich nicht die Technik, sondern der Mensch über den möglichen Erfolg eines angewandten Systems. Die Technik muss also stets zum Menschen passen! 

Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge,

FH Kiel/Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Fachbereich Agrarwirtschaft, Osterrönfeld, katrin.mahlkow-nerge@fh-kiel.de