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Liebe Rinderbegeisterte,

Prototheken sind farblose Algen, die häufig in der Umgebung von Kühen vorkommen. Bisher wurde ihr Anteil am Mastitisgeschehen als eher gering beschrieben, nun scheinen sie weltweit verstärkt für Infektionen des Euters verantwortlich zu sein. In einer aktuellen Studie (März 2019) aus Polen stellen Prototheken die drittgrößte Gruppe von Erregern nach Streptokokken und Staphylokokken dar. Ihre Gesamthäufigkeit betrug 8,3% am Mastitisgeschehen.

In der Mehrheit der Fälle verläuft eine Infektion mit Prototheken subklinisch und in einem chronischem Prozess, der durch einen beständigen Anstieg der Zellzahlen und einem deutlichen Abfall der Milchleistung gekennzeichnet ist. Es kommt zu einer fortschreitenden Zerstörung des Milchdrüsengewebes, nach dem Ausmelken sieht ein betroffenes Euter typischerweise noch prall aus, fühlt sich derb an, ist aber wenig schmerzhaft. Die Milch kann unverändert aussehen, aber auch wässrig und etwas schleimig sein und an Quark erinnernde Flocken aufweisen. Der Nachweis gelingt im Labor am besten auf Spezialnährböden, die bei einem Verdacht auf Prototheken verwendet werden.

Besonders hinweisend auf Prototheken ist das Versagen einer antibiotischen Therapie. Dies im Zusammenhang mit einer extrem niedrigen Selbstheilungsrate führt dazu, dass das Merzen von betroffenen Tieren als die beste Variante erscheint, um die Ausbreitung innerhalb der Herde einzudämmen. Darüber hinaus sind Prototheken relativ widerstandsfähig, beispielsweise gegenüber Hitze, sie können das Pasteurisieren überstehen.

Es ist noch nicht hinreichend bekannt, warum die üblicherweise häufig vorkommenden Prototheken bei einigen Kühen zu Infektionen führen, bei anderen aber nicht. Prototheken sind überall dort zu finden sind, wo es feucht ist. Es wird vermutet, dass beispielsweise eine sehr starke Kontamination der euternahen Liegeflächen eine hohe Erregerdichte am Euter bedingt, die allerdings erst durch eine unsaubere Verabreichung von Eutertuben zu einer Infektion der Euterviertel führt. Durch gute Hygienemaßnahmen kann folglich der Infektionsdruck gesenkt werden. Insbesondere die sachgerechte Desinfektion der Zitzenkuppen vor dem Einbringen von Trockenstellpräparaten und Zitzenversieglern sowie von antibiotischen Eutertuben spielt eine maßgebliche Rolle. Damit sich die Kühe nach dem Melken oder nach dem Verabreichen von Eutertuben nicht hinlegen und so eine mögliche Infektion über den noch offenen Strichkanal zu verhindern, empfiehlt es sich, die Tiere durch die Vorlage von frischem Futter an den Futtertisch (Fressgitter) zu locken und dort für mindestens 30 Minuten stehen zu lassen.

Mit besten Grüßen,
Dr. med. vet. Katharina Traulsen und das Team des Wissensportals http://www.kuhgesundheit.de/


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