Liebe Rinderbegeisterte,

die Kälbergrippe ist und bleibt ein großes Problem in der Rinderhaltung, welches eine weitverbreitete und umfangreiche Verwendung von Antibiotika nach sich zieht. Diese heizt die Diskussion um die Entstehung von Resistenzen gegenüber Antibiotika an, die durch die „Agrarindustrie“ in den Ställen erzeugt wird. 

Aufgrund dessen und um die Entstehung der Kälbergrippe besser verstehen zu können, wird ständig an diesem Komplex geforscht. Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Italien untersuchte die Zusammensetzung der Bakterienpopulationen im oberen Atmungstrakt im Vergleich zu denen in den unteren Atemwegen. 

Das sogenannte Mikrobiom der Lunge kann als Ökosystem angesehen werden, dessen Zusammensetzung von der Einwanderung, Beseitigung und der Vermehrungsrate der Mikroorganismen abhängt. Die Kälbergrippe wiederum wird nicht nur allein durch das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Grippeerregern ausgelöst, sondern viele Faktoren sind an der Entstehung beteiligt. Dabei spielen Management, Physiologie, Umweltfaktoren und natürlich die Erreger eine Rolle. 

Beispielsweise werden bei Kälbergrippe oft die Bakterien Mannheimia haemolytica, Pasteurella multocida, Histophilus somni, and Mycoplasma bovis nachgewiesen. Sie werden als allgegenwärtige Bewohner des oberen Atemtrakts angesehen, die allerdings nach stressvollen Ereignissen oder bei viralen Infekten in die Lunge gelangen können. Andererseits wurden diese Erreger auch schon in Kälberlungen gefunden, die keinerlei Grippeanzeichen aufwiesen. 

Mithilfe einer Gensequenzierungsmethode ermittelten die italienischen Wissenschaftler nun die jeweilige Zusammensetzung der Mikroorganismen der oberen und unteren Atemwege bei gesunden als auch bei kranken Kälbern. Sie fanden heraus, dass die Umweltfaktoren des jeweiligen Betriebes die Zusammensetzung der Bakterien der oberen Atemwege beeinflussen können. Die Zusammensetzung der unteren Atemwege unterscheidet sich von der der oberen Atemwege. In der Lunge besteht ein selbsterhaltendes, einheitlicheres Ökosystem, welches aber durch das Mikrobiom der oberen Atemwege beeinflussbar ist.  

Was kann man davor selbst machen, um die Entstehung der Kälbergrippe in seinem Bestand zu minimieren? Es fängt ganz profan bei der richtigen Kolostrumversorgung an: innerhalb der ersten zwei Lebensstunden (da dann die meisten Antikörper aufgenommen werden können) mindestens dreieinhalb Liter qualitatives Kolostrum (eventuell sogar von Muttertieren, die gegen Erreger der Rindergrippe geimpft wurden) mit Geduld verabreichen (gerne 15 Minuten dafür einplanen). Dies kostet zwar zunächst etwas mehr Zeit, aber spart im Endeffekt dann tatsächlich Kosten und Arbeitszeit, wenn man sich nicht um kranke Kälber kümmern muss. 

Mit diesen Erkenntnissen können hoffentlich zukunftsnah Wege gefunden werden, um die Entstehung der Kälbergrippe zu reduzieren und den Krankheitsverlauf abzumildern. 

Außerdem hilft eine tiefe, trockene Einstreu den Kälbern bei kalten Außentemperaturen, nicht auszukühlen und somit den Grippeerregern fit gegenüberzustehen. 

Mit besten Grüßen,

Dr. med. vet. Katharina Traulsen und das Team des Wissensportals www.kuhgesundheit.de.

 

 

 

 

 

 

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