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Liebe Rinderbegeisterte,

langsam beginnt nun das Frühjahr und damit verbunden auch eine größere Lebhaftigkeit in der Rinderherde. Es kann sein, dass sich Ihre Rinder im Stall oder auch auf der Weide häufiger verletzen - für uns Grund genug, diesen Newsletter und einen neuen Artikel mit vielen praktischen Tips dem Thema Erstversorgung von Wunden zu widmen. 

Wenn Ihnen in der Herde ein verletztes Tier auffällt, gehen Sie bitte wie folgt vor:

• Trennen Sie das Tier von der Herde und fixieren Sie es in einer Umgebung, wo Sie gut das Ausmaß der Verletzung begutachten können (Stichwort Licht!).

• Schätzen Sie das Allgemeinbefinden des Tieres ein. Die Situation ist als Notfall einzustufen, wenn das Tier starke Schmerzen hat, sehr deutlich lahmt bzw. nicht mehr laufen kann, das Herz-Kreislaufsystem schwach ist, oder das Rind viel Blut verliert. Rufen Sie in diesem Fall sofort einen Tierarzt.

• Versuchen Sie den Grad der eigentlichen Verletzung einzuschätzen, um die richtige Versorgung der Wunde in die Wege zu leiten. 

• Wenn die Erstversorgung abgeschlossen ist, versuchen Sie die Ursache für die Wunde zu finden. Kaputte Stallbauten oder Weidezäune können auch für weitere Tiere zum Verhängnis werden und sollten sofort repariert werden. 

Der Grad einer Verletzung wird anhand folgender Kriterien bestimmt: 

• Wo ist das Tier verwundet? Verletzungen im Bereich des Bauches, des Lungenfeldes, des Kopfes und der Gelenke sind besonders gefährlich. 

• Wie groß ist die Wunde? Iim Allgemeinen gilt der Grundsatz, dass größere Wunden natürlich gefährlicher einzustufen sind als kleine. Aber auch die Tiefe einer Wunde kann ausschlaggebend sein, da hier die natürliche Wundspülung schlechter funktioniert und die Ansammlung von Wundsekret ein guter Nährboden für eine Entzündung sein kann.

• Tritt Flüssigkeit aus der Wunde aus? Blut oder Gelenkflüssigkeit? Wieviel?

Ergibt die Zusammenschau dieser Kriterien, dass Sie die Wunde selber versorgen können, gelten folgende Richtlinien: 

• Legen Sie saubere Einweghandschuhe an, wenn Sie Wunden versorgen, damit schützen Sie sich und das Rind. 

• Reinigen Sie die Wundumgebung und die Wunde fachgerecht, um maßgeblich zum Heilungserfolg beizutragen. 

• Kontrollieren Sie die Heilungsfortschritte und das Allgemeinbefinden des Tieres jeden Tag, bis das Wundgewebe sich belastbar geschlossen hat. Danach sollten Sie bis zur vollständigen Heilung noch jeden zweiten Tag das Tier in Augenschein nehmen. 

Komplikationen können sein: 

• gestörtes Allgemeinbefinden des Rindes

• Wundinfektionen. 

Treten diese auf, dann rufen Sie bitte sofort den Tierarzt. Gerade bei der seltenen, aber lebensgefährlichen Wundinfektionen mit Clostridien können Stunden über Leben oder Tod des Tieres entscheiden. 

Eine ausführliche Einweisung über die Wundversorgung beim Rind finden Sie in unserem neuen Beitrag auf dem Wissensportal www.kuhgesundheit.de

Das Team der Kuhgesundheit wünscht Ihnen einen guten Start ins Frühjahr - ohne viele Verletzungen - und wenn, dann gut gerüstet!


Kristin Resch, Tierärztin 

www.medvet-kontor.de

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