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Liebe Rinderbegeisterte,

in Nordamerika weisen ca. 40% der Milchkühe eine subklinischen Ketose auf, auch in Deutschland geht man von Werten zwischen 20 und 40% aus. Die derzeitige Therapieempfehlung fokussiert auf der Versorgung der Kuh mit mehr Energie. Allerdings führt die effektivste Behandlung, nämlich die orale Versorgung mit Propylenglykol, nur in ca. 50% der Fälle zu einer Heilung der Ketose. Deshalb suchten Maggie Williams und weitere Kollegen der Universität Guelph in Kanada nach zusätzlichen Möglichkeiten, die negative Energiebilanz und die daraus folgenden Ketosen zu verringern. Ihre Ergebnisse  stellten sie auf dem diesjährigen Treffen der American Dairy Science Association im Juni in Knoxville, Tennessee vor. 

Nach der Abkalbung ist eine negative Energiebilanz zunächst einmal ein physiologischer Zustand. Übersteigt der Energiebedarf die Energieaufnahme allerdings für längere Zeit und dazu noch in einem großen Ausmaß, hat sie negative Auswirkungen auf die Tiergesundheit und Fruchtbarkeit. Weitere Informationen zum Thema Ketose finden Sie hier .

Die Forscher aus Guelph fanden heraus, dass einmal tägliches Melken im Vergleich zu  zweimal täglichem Melken für zwei Wochen das Risiko für das Auftreten einer nachfolgenden Ketose deutlich verringerte. Bei Erstlaktierenden wurde durch diese Maßnahme das Risiko für eine Ketose zu 99% verringert.  Bei Kühen ab der zweiten Laktation war das Ketoserisiko bei den zweimal pro Tag gemolkenen Kühen um das fünffache höher als bei den einmal pro Tag gemolkenen Tieren.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgten Simon Dufour und seine Kollegen von der Universität Montreal. Sie untersuchten die Auswirkungen des inkompletten Melkens. Die Kühe wurden in den ersten fünf Tagen nicht komplett ausgemolken, sondern es wurden  tageweise aufsteigend je nach Leistung nur höchstens 14 Liter gemolken. Dieses Maßnahme führte  zum einen zu einer Verringerung bzw. Vorbeuge eines Anstiegs von Ketonkörpern  in der Phase nach der Abkalbung. Zum anderen konnte gezeigt werden, dass die Strategie des inkompletten Ausmelkens keine nennenswerten Auswirkungen auf die Produktivität der Kühe hat. Es gab bei den Leistungsparametern Milchmenge, Milchfett oder Proteinkonzentration innerhalb der Studiendauer von zwei bis 44 Wochen in Milch keine Unterschiede. Nur in Woche 38 konnten bei den restriktiv gemolkenen Kühen eine geringere Milchmenge von 2,7 kg/Tag im Vergleich zu den ausgemolkenen Kühen festgestellt werden. Das Abgangsrisiko für die inkomplett ausgemolkenen Tiere war nicht höher als das der Kontrolltiere. 

Mit besten Grüßen,

Dr. med. vet. Katharina Traulsen und das Team des Wissensportals http://www.kuhgesundheit.de/

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